Eine kleine und eher unscheinbare Zeitungsnotiz hat diese Woche meine Aufmerksamkeit erregt: „Berlin gibt im kommenden Jahr drei Prozent mehr für Kultur aus.“ Das ist mitten in der Wirtschaftskrise natürlich eine sehr schöne Nachricht und deshalb habe ich mir die geförderten Institutionen und Zahlen mal näher angesehen:

Mehr Geld bekommen künftig unter anderem die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (1,25 Mio. Euro), die Rundfunk- und Chöre GmbH (1,2 Mio.), die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (1,26 Mio.), die Kulturstiftung der Länder (68.000), die Zentral- und Landesbibliothek (148.000), das Bauhaus-Archiv (230.000), die Tanzensembles Sasha Walz (375.000) und Toula Limnaios (50.000), das Renaissancetheater (100.000), das Theater an der Parkaue (80.000), die Kindertheater Atze (158.000) und Strahl (150.000), das Kino Babylon (30.000) und den Landesmusikrat (44.000) Die Stiftung Oper in Berlin als Dach für die Staatsoper Unter den Linden, die Deutsche Oper Berlin und die Komische Oper erhält 120,7 Millionen Euro. Darin enthalten sind 2,4 Millionen Euro für Tariferhöhungen. Auch die Lyrikline der LiteraturWerkstatt (100.000) und das Theaterhaus Mitte (110.000) sind neu unter den geförderten Einrichtungen. Für eine mobile Berliner Kunsthalle stehen insgesamt 600.000 Euro zur Verfügung. Die Provenienzforschung in den Berliner Museen wird ab 2010 mit jährlich 300.000 Euro unterstützt. Für Autorenlesungen in Berliner Schulen und Bibliotheken steht künftig ein Sonderetat von 90.000 Euro zur Verfügung. Der Projektfonds Kulturelle Bildung wird mit jährlich zwei Millionen Euro auch in 2010/11 aufgelegt.

Die üblichen Verdächtigen also und vielleicht noch ein paar aus der Off-Szene mehr. Aber halt! Zum ersten Mal bekommt das Schwule Museum auch etwas vom Landeskuchen ab, und zwar mit 250.000 Euro mehr als die Hälfte seines jahresüblichen Etats. Aha habe ich mir da gedacht, die Schwulen haben mit dem Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit da ja einen ganz schön praktischen Unterstützter für „ihre Sache“ gefunden. Und dann noch das Schwule (=Männer)  halt viel besser als Lesben (=Frauen) darüber Bescheid wissen, wie man an Gelder und mediale Aufmerksamkeit kommt. Richtig. Und doch auch wieder nicht. Denn wenn man sich ein wenig mit der Kunst und ihrer Geschichte beschäftigt wird man bald feststellen, dass die überwiegende Mehrzahl der männlichen (und auch weiblichen) Künstler sich dem eigenen Geschlecht zugeneigt fühlten. Sie also homo- sexuell- emotional „veranlagt“ sind. „Sokrates, Michelangelo, Leonardo da Vinci, William Shakespeare, Peter Tschaikowsky, Franz Schubert, Richard Wagner, Goethe, Marcel Proust, Thomas Mann, W. Somerset Maugham, Oscar Wilde, Tennessee Williams, Frederico Garcia Lorca, Andy Warhol sind nur einige in der endlos fortzuführenden Liste mit prominenten Namen und ihren, die Menschheitsgeschichte maßgeblich prägenden Werken.“ Zitat aus Männerliebe und Frauenliebe bestimmen die Kunst.

Dann würde also bedeuten, dass Schwulengeschichte = Menschheitsgeschichte ist (wie ich es mal auf einer schwulen Kulturseite gelesen habe). Und da beginnt einem die Dimension der Berliner „FörderDiskriminierung“ zu dämmern. Wenn also männerbegehrende Männer den größten Teil der MannMenschlichen Kultur geschaffen und gestaltet haben, warum ist es dann so eine Sensation, dass nun auch dieses „Schwule Museum“ was vom Geldsegen abbekommt? Und warum schmücken sich all die Heteromänner  mit den schwulen Künstlern und deren Werken und vereinnahmen sie für  ihre „naturgegebenen/gebundenen Heterobelange“? Und warum diskriminieren sie sie dabei gleichzeitig?

Die Musik- Opern- Tanz- Bildende Kunst und- Literaturgeschichte hätte ohne männerbegehrende Männer ganz anders- oder vielleicht gar nicht erst geschrieben werden können. Wir würden wahrscheinlich noch in dunklen- feuer- bildlosen Höhlen sitzen und unsere kariösen Zähne in roh- zäh und ungewürztes Fleisch treiben. Oder so ähnlich jedenfalls.

Früher habe ich immer gedacht, die Künstler sind wohl schwul bzw. männerbegehrend weil sie eben Künstler und somit eben ein wenig „gaga“ sind. Gesellschaftliche Außenseiter und so. Dieser Meinung war ich noch lange, Hetero ist die naturgewollte Norm und Homo die unnatürliche aber zu tolerierende Ausnahme. (Frauen kommen in diesem Weltbild übrigens in den meisten Fällen erst gar nicht vor…) Aber das diese männerbegehrenden Männer die menschliche Kunst und Kultur überhaupt erst entwickelt und aufgebaut haben, das wurde mir erst sehr, sehr viel später klar. Sie haben sich durch ihr gleichgeschlechtliches Begehren von der Natur gelöst und der Kultur zugewandt und sie gar erst erschaffen.

Also: Hetero = Natur und Homo = Kultur. So weit also verstanden, aber wenn die homosexuellen/ männerliebenden  Männer die (heimliche) kulturelle und gesellschaftlich menschliche Elite sind, zu was könnten sich dann  frauenliebende Frauen erst emporschwingen? Zu einer ganz neuen MenschFrauenKultur…? Aber das ist utopische Zukunftsmusik und wird wohl leider noch eine ganzes Weilchen dauern. Jahrhunderte oder Jahrtausende gar? Ich selbst aber hoffe, dass es durch die zahlreichen Vernetzungs- und Informationsmöglichkeiten des Internets möglicherweise schneller vonstatten gehen könnte. Wir werden sehen.