Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit Körpersprache und was diese über die Machtverhältnisse der Geschlechter zueinander aussagt. Ich kam auf diese Idee, als ich in einem Mode-Blog auf ein interessantes Foto stieß. Die Blogbetreiberin Susan Tabak sticht als eine der wenigen älteren Frauen, die ein Modeblog betreibt, aus der internationalen Blogger-Szene heraus. Sie featuret seit einigen Jahren ältere interessante Frauen, die in der Modebranche arbeiten und man sieht sie auf den Fotos, die sie postet, oft zusammen mit attraktiven älteren Ladys der High-Society. So auch auf dem besagten Foto, auf dem sie zusammen mit Anne De Champigneul, einer Charity-Lady und Stilberaterin, zu sehen ist – in einer eindeutig erotischen Pose: Susan greift sie von hinten und presst sich mit dem ganzen Körper an sie, so dass ihr Busen und auch ihr Beckenbereich sie berühren.

Es ist eine Geste der erotischen Inbesitznahme, Susan ist attraktiv und sehr sexy angezogen, deswegen hat es seine Wirkung auf die andere Frau, die sich mit dem Kopf ihr zuneigt.
Ein weiteres Foto, welches ich auf Susan Tabaks Blog fand, ist ein Bild auf dem sie mit der Modedesignerin Sonia Rykiel zu sehen ist: Diesmal ist es genau umgekehrt, Sonia hat ihren Arm besitzergreifend auf Susans Schoß gelegt und man sieht wie Susan, die wie sie sagt eine große Verehrerin der älteren Sonia ist, förmlich dahinschmachtet.

Was haben solche Gesten für eine Wirkung auf die, die sie beobachten und bewusst oder unbewusst wahrnehmen? Frauen fühlen sich von diesen latent lesbischen Andeutungen erotisch angesprochen und Männer werden gleichzeitig dabei ausgegrenzt und eingeschüchtert (denn gerade bei zwei älteren Frauen ist klar, dass sie da nicht viel zu sagen haben). Überträgt man das jetzt z. B. auf die Körpersprache die in der Politik so vorherrscht, kann man nämlich ähnliches Gehabe unter Männern beobachten. Latente Homoerotik soweit das Auge reicht, wie hier z. B. in einer Verbrüderungsszene, beim Europa-Gipfel 2002 – dänischer Regierungschef Fogh Rasmussen, Leiter des Europa-Rates, ist ein Charismatiker und erntet bei seiner Rede die bewundernden Blicke seiner Politiker-Brüder.

Bezeichnenderweise kommen Frauen in dieser Reportage nur alibimäßig, als Sekretärinnen oder Nachrichtensprecherinnen vor. Ein Hoffnungsschimmer ist da schon der Auftritt von Angela Merkel und Hillary Clinton bei der Jubiläums-Feier zum Tag der Deutschen Einheit am 9.11.2009: Bei der Begrüßung erfolgt gegenseitiges Küsschen geben und Händchenhalten und interessant ist auch die Reaktion von Hillary, als Angela auf die andere Seite wechselt und ihr dabei nochmal kurz über den Rücken streicht – Hillary reagiert sofort und beantwortet die Geste indem sie Merkel ebenfalls mit einem herzhaften Lachen nochmal berührt. Beide haben sich scheinbar bei der Wahl der Farbe ihrer Blazer abgesprochen. Man bemerke bei dieser Inszenierung weiblicher Macht auch die Körpersprache der Männer im Hintergrund – man merkt ihnen deutlich an, dass sie sich nicht mit einbezogen fühlen.

Miriam Meckel (die Freundin von Anne Will) schreibt auf ihrem Blog in ihrem Beitrag von 2005 „Unter Hirschen“ über Angela Merkel, dass die Problematik für Frauen in politischen Machtpositionen darin liegt, dass sie die Männerrituale nicht nachahmen können, aber auch noch keine eigene Kultur der Machtinszenierung besitzen. Angela Merkel hat lange gebraucht, um als machtvolle Frau ein glaubwürdiges Image zu vermitteln, aber es ist ihr gelungen, vor allem, weil sie ihre Weiblichkeit betont anstatt sie zu verbergen.
Ein Negativ-Beispiel dafür, wie lediglich der männliche Habitus kopiert wird, ist die Managment-Trainerin Marion Knarths – und damit meine ich nicht die Inhalte, die sie in ihren Beratungsvideos für berufstätige Frauen transportiert, sondern die Art und Weise, wie sie diese präsentiert. Unauffällig, ungeschminkt, im schwarzen Jackett, mit Kurzhaarschnitt und gänzlich schmucklos wirkt sie wie eine fahle Kopie der Männer, aber es ist vor allem auch ihr mangelndes Charisma, welches sie nicht überzeugend wirken lässt. Da kann sie zwar interessante Dinge über die verschiedenen anerzogenen Verhaltensweisen der Geschlechter erzählen, solange sie diese nicht überzeugend vermittelt, kommt nur ein Bruchteil von dem an was sie zu sagen hat, was sehr schade ist.

Dominante und weibliche Körpersprache lässt sich im übrigen gut von den alten Hollywood-Diven der 20er und 30er erlernen – z. B. Greta Garbo und Marlene Dietrich (siehe Beispiel-Videos im Artikel „Lesbische Hollywood-Diven“) waren extrem sinnliche und weibliche, aber gleichzeitig auch dominante Frauen und mehr Subjekt als die Frauen heute, weil sie frauenliebend waren (d. h. sie waren mehr Subjekt, weil sie gewöhnt waren Frauen als Objekt zu begehren). Weibliche Macht/Dominanz erflogt eher über mütterliche Gesten gepaart mit Sinnlichkeit und Erotik, aber man kann sich auch von Männern einiges abgucken (z. B. in seiner Gestik mehr Raum einzunehmen). Authentisch wirkt es natürlich nur, wenn auch ein echtes weibliches/lesbisches Begehren vorhanden ist, das heißt, die Frau sich sexuell Männern nicht so unterwirft und Frauen aktiv begehrt.