Herz in WeideHerz in Weide2

[…] Sonnenflimmern und Zeit, die kaum verging, der Holzpflock war tief in den Boden gerammt und von Habichtskraut umwuchert. Leinengetier am Spielfeldrand abgestellt und bereit, Bube, Dame, König, Ass, Schach und Matt, das Spiel, es begann.

Touché, Charlie wand sich in den Armen einer Tulpenpflanze, die Blütenblätter hielten sie umfangen und der Stängel rieb sich an ihrer Haut, ergeben, ergeben, touché. Wurzeln zuckten auf und Blätter rollte sich im Osmosetakt, noch ein Zug, noch, und ihre Hände bohrten sich in das Fruchtfleisch, dagegen, gegen, touché, touché, touché. Klebrige Nässe überall und Blütenduft betäubte alle ihre Sinne, geschlagen. Charlie verwünschte stimmlos, schloss die Augen und Fruchtstempel säuselten ihr Sternenlieder ins Ohr, von der Ferne und von Dingen, die noch kommen sollten. IHR nächster Zug brachte auch die Tulpe zum Sturz, sie taumelte, welkte und knickte ein, die Blütenblätter glitten von Charlies Leib und die Sternenlieder verhallten in der milden Sommerluft, touché.

Aufgeregt lief die Sphinx mit den Kinderwangen vor dem Spielfeld auf und ab, glitzernde Tautropfen und Augen wie kriegslüstern singende Sirenen. Schach, Schach und Matt. Hin zum nächsten Feld und ein neuer Spielzug begann. Jule fühlte die pelzige Oberfläche eines Tiers, sein heißer Atem streifte sie und Krallen kratzten an ihrem Fleisch, touché, touché. In fremden Armen gefangen, sie stemmte sich dagegen, sinnlos, kraftlos und hinab, sie versank. Ein Aufschrei, ein Klatschen, zurück auf Anfang und dann quer hinüber zum weißen Feld. Rosengewächse sangen dort mit lieblichen Stimmen, Buchsbaumgesträuche taumelten und Knospen erblühten üppig, Liebesodem, süßlich, er verging. In die Hände geklatscht und dann wieder gewürfelt, vier, fünf und sechs, ein schneller Sprung und dann Positionswechsel auf die dunkle Fläche aus Ebenholz. Das Mardertier schlüpfte zwischen Jules Schenkeln hindurch, streifte ihre Scham, langsam, schnell, blieb, ging, acht, sieben, fünf, Treffer. Charlies Wangen berührten Jules, innig und klebrig, den Mund und auch das Herz. Sie taumelte, strauchelte und fiel dann tief hinab. Touché, touché, touché, geschlagen und raus.

Am Spielfeldrand abgesetzt und Liebesleid unter wogenden Wipfeln, Jules Herz war mit bitterem Honig angefüllt und auf ihren Beinen krochen Ameisen den Nektarsaft entlang. Touché, die Pappelhaine wisperten, das Gras zirpte zart und Leid, Leid, Leid, es verging.

SIE eilte unermüdlich hin und her, ein Spielfeld, ein Schachbrett, ein Damenfeldzug und seine Züge galten dem Herzensleid, Schach, Schach und Matt. Herzenswunder Leidenskreis, abseitige Atempause, Jule erholte sich und wurde wieder neu platziert. Neben eine Hibiskusblüte, sie drehte, öffneten sich in ganzer Pracht und wand sich dann um ihren Leib. Fester, enger, zu eng, sie verging. Neues Spiel, neues Glück und mit Kinderschritten und Limonadenatem um das Spielfeld herum. Charlie hatte ihr Haupt auf eine Hortensie gebettet, die Blätter umschlossen sie wie eine zweite Haut und Nektarstaub rieselte hinab und färbte ihre Haare sommermild. Sie erglühte, sie widerstand, sie gewann.
Hin und her, her, hin, her, sie fiel hinab und sie gewann, Herzensspiele, Spiele mit dem Herzen, sie dauerten an. […]