Hier ein Ausschnitt aus dem Artikel: „Öffentliche Sphäre“ von Marina Tarragni, eine Vertreterin des italienischen Differenzfeminismus:(Italienische Feministinnen um den Mailänder Frauenbuchladen und aus der Philosophinnengruppe DIOTIMA an der Universität Verona haben seit Mitte der 80er Jahre einen neuen Ansatz des Denkens der Geschlechterdifferenz und der Politik entwickelt.)

Zitat: „(…) Heute ist die Arbeit politischer als die Politik, sagt Lia, denn die Art und Weise, wie die Frauen dort sind, stürzt diese Welt mit ihren Zeiten und ihren Regeln um. Die Tatsache, dass Frauen in die Arbeit Privates hineintragen, die Suche nach Sinn und nach Beziehung, wodurch die Grenzen zwischen Öffentlichem und Privatem unbeständig und unsicher werden, bringt jene Welt in Bewegung.
Es stimmt auch, dass die Beziehung zwischen den Frauen und der Arbeit schwierig und komplex ist, dass die Frauen kommen und gehen, dass sie eine Arbeit aufnehmen und dann wieder aus dem Arbeitsprozess ausscheiden, als müssten sie Luft holen und andere Wege ausprobieren, um sich zu finden. Vielleicht hat die eigentliche gläserne Decke (glass ceiling) nicht so viel mit verhinderten Karrieren zu tun, sondern mit der Frage nach der Zeit und dem Sinn. Dort sind die gläsernen Decken nicht weniger fest. In der Frage der Zeit gibt es heftigen Widerstand gegen Veränderungen von Seiten der Organisationen der Arbeit, den Unternehmen und den Gewerkschaften. Es scheint, als wollten sie vor allem die Zeit von uns haben, als wollten sie über die Qualität unserer Zeit bestimmen. Eine Frau sprach einmal von einer „kranken“ Zeit, die schließlich auch die Zeit außerhalb der Arbeit anstecke. Mir scheint, die Frauen kritisieren an der Arbeit mehr oder weniger dasselbe wie an der Politik. In ihren Gesprächen über ihr Unglück bei der Arbeit kommen am häufigsten die Ausdrücke „tote Zeit“ und „verlorene Zeit“ vor. Damit drücken sie das dauerhaft unerträgliche Gefühl aus, dass die wirklich wichtigen Dinge für ihr Leben und das Leben derer, die sie lieben, woanders geschehen, dass das Leben verrinnt, außerhalb der Enklaven, in denen sie sich ihrer Freiheit beraubt fühlen. Am heftigsten gekämpft wird um die Möglichkeit, diese Spannung zwischen jenem „Drinnen“ und dem Leben außerhalb zu reduzieren, die Spannung zwischen jenem „Öffentlichen“, das oft ohne jeglichen Sinn ist, und dem Privaten, das überreich mit Sinn ausgestattet sowie mit einem anderen Öffentlichen verbunden ist, das außen vor bleibt und den Frauen am Herzen liegt. (…)“

http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-2-8.htm

Auch ich denke, dass Frauen in der männlich orientierten/dominierten Arbeitswelt bis heute eher ein Störfaktor sind, aber sie werden immer zahlreicher und verändern somit auch die starr maskulinen Regeln/Gesetze in dieser allumfassenden Arbeits/Öffentlichkeits- und MännerWelt…