Wenn eine Frau sich zum ersten Mal in eine andere Frau verliebt wird sie sich vielleicht auf die Suche nach Gleichgesinnten und Informationen zum Thema Frauenliebe/lesbisch begeben. Die Mutigen unter denen, die es sich eingestehen können, wagen sich in die Lesbenszene und werden dort dann mit den kerligen Lesben konfrontiert, die sehr abschreckend und traumatisierend wirken, da sie behaupten, dass sie Frauen lieben, aber einer Ideologie/Diktatur der Maskulinität nacheifern, die frauenfeindlich, unsinnlich und primitiv ist. Viele verdrängen ein solches Erlebnis, heiraten oder sehen sich als bi – im Gegensatz zu Claudia, die sich über Jahre mit der Szene auseinandergesetzt hat und sich immer gefragt hat warum die so anders sind als sie und dann durch feministische Literatur und Schriftstellerinnen wie Shere Hite sich eine eigene, positive frauenliebende Identität jenseits der Szene erschaffte/zusammenbastelte, habe ich mich lange Zeit davor gedrückt mich ehrlich mit dieser Thematik auseinanderzusetzten.

Im folgenden werde ich mein individuelles Problem, die Angst vor den kerligen Lesben, die ich aber über Jahre aus einem bestimmten Grund verdrängt habe und weswegen es mir nicht möglich war mich zu meiner Liebe zu Frauen zu bekennen, analysieren.

In meinem „Coming-Out“-Text „Suche nach Vorbildern“ von Juni 2008 habe ich darüber geschrieben, wie ich mich früher z. B. an Frauen wie meiner Geigenlehrerin identitätsmäßig festhielt (die mir eine Welt der Kunst und Musik eröffnete und die von den romantischen Freundschaften wusste und dass Greta Garbo frauenliebend war), mich immer wieder in Frauen verliebte, dies mir aber nicht so ganz eingestehen konnte, bzw. lehnte ich es ab mich als lesbisch zu sehen/zu bezeichnen. Ich habe darüber geschrieben, wie ich im Jahr 2000 mit 16 in New York mit einer lesbischen Freundin meiner Mutter auf der „Gay-Parade“ war, wo die femininsten Frauen die aufgetuckten Transen waren und mir dort schon sehr stark auffiel, dass die meisten Lesben maskulin und unattraktiv sind (das war ein ganz starker Eindruck, der sich dort mir vermittelt hat und weswegen ich mir damals gedacht habe, dass ich nicht so bin, bzw. „hetero“ bin).

Was ich aber, als ich den „Coming-Out“-Text schrieb, völlig verdrängte ist die Tatsache, dass ich in meiner Familie eine lesbische Tante habe, die mit ihrer Freundin außerdem in einer Regenbogenfamilie lebt (beide haben Karriere als Ärztinnen gemacht) und mit der ich früher sogar recht viel Zeit verbrachte. Sie und ihre Freundin sind eher maskulin und männlich identifziert, d.h. man sieht und merkt es ihnen an, dass sie die homosexuelle Identität angenommen haben. Ich hätte sie auch in meinem „Coming-Out“-Text erwähnen und mein Verhältnis zu ihr beschreiben müssen, was ich aber aus einem bestimmten Grund nicht gemacht habe, ich habe sie stattdessen völlig verdrängt. Es ist wie ein weißer Fleck, eine Leerstelle in meiner persönlichen Lebensgeschichte und meine Frage ist, warum war ich damals nicht in der Lage ehrlich und überhaupt über sie zu schreiben.

Als ich noch jünger war, war meine Tante noch nicht so maskulin (und angepasst), sie hätte auch als eine toughe Heterofrau durchgehen können und ich habe sie sogar ein wenig bewundert, weil sie relativ attraktiv und beruflich erfolgreich war. Als ich sie mit 14 Jahren einmal besuchte lief gerade der Film „Aimee und Jaguar“ in den Kinos, den wir uns dann zusammen mit ihrer Freundin anschauten. Es war ein Erlebnis, dass mich sehr stark prägte, in dem mir so stark wie nie bewusst wurde, dass ich Frauen liebe und welches mich aber gleichzeitig in tiefe Verwirrung stürzte. Als ich in der Dunkelheit des Kinos saß war es so, als hätte sich ein helles, warmes Licht sanft um mich gelegt, ich spürte, dass da etwas anderes war, mein Herz verstand, mein Kopf verstand nicht. Ich spürte, dass irgendetwas nicht stimmte, dass die dramatische Liebesgeschichte zwischen der Jüdin Felice und der verheirateten Lilly etwas vollkommen anderes war, als das Beziehungs-Lebens-Modell, welches meine Tante mit ihrer androgynen Freundin mir vorlebte. Ich verdrängte das Erlebnis, aber tief in meinem Herzen war dieser innere Konflikt immer noch da und wirkte jahrelang auf mich und mein Selbstbewusstsein ein – die Angst, weil ich mich auch in Frauen verliebte, dass ich wie meine Tante und ihre Freundin sein könnte.

Ich konnte mich damals noch nicht über diese Sache artikulieren, bzw. hatte ich keine Informationen zu diesem Thema, keine Bücher, wie z. B. die von Shere Hite, dem „Hite Report“ in welchem sie Untersuchungen erhoben hat, dass ein Großteil der Frauen sich Erfahrungen mit Frauen wünscht. Und ich war auch verwirrt, als ich meiner Tante und ihrer Freundin mal erzählte, dass ich eine bestimmte Schauspielerin gut finde und die meinten, dass sie die auch gut finden und ihre Freundin sagte zu mir, sie könne mich verstehen, die sei ja ein „Rasseweib“. Ich war sehr irritiert, denn die Art wie sie davon sprach war, als würde sie sich selbst als Kerl sehen und ich fragte mich warum meine Tante und sie so maskulin waren, wenn die Frauen, die sie selbst gut fanden feminin sind. Sie verunsicherten mich dadurch sehr stark mit dieser subtilen Art, wie sie dies zu mir sagten, so als wäre das mit den Schauspielerinnen ja nichts ernstes und wenn ich wirklich lesbisch werden würde, dann wäre ich so wie sie… (!)

Meine Tante und ihre Freundin inszenierten/inszenieren sich ständig vor mir, sie rauchen Zigarre und fahren Porsche, sie erzählen meiner Mutter immer wie hart sie ihre (weiblichen) Angestellten in ihrer gemeinsamen Arztpraxis behandeln und welche neuesten Statussymbole sie sich zugelegt haben. Mit über 40 hat meine Tante noch eine Tochter bekommen, die so wie ich musikalisch begabt ist und etwas später einen Sohn. Das Mädchen erzieht sie nach traditionellen Rollenklischees und der Junge wird ganz offensichtlich in den Vordergrund gestellt und als was besseres behandelt. Das hat mich auch stark an meine eigene Erziehung erinnert, denn sie hat sich genauso, wie meine Mutter, ganz verdrängerisch an der Erziehung ihrer eigenen Mutter orientiert. Meine Tante und ihre Freundin wurden mit der Zeit immer angepasster, d.h. etwas, was vielleicht erst als „lustiges Spiel mit den Geschlechterrollen“ anfing verfestigte sich mit den Jahren immer mehr zu einer Art Hetero-Homo-Rollenschizophrenie. D. h. heute leben meine Tante und ihre Freundin als Regenbogenfamilie genauso angepasst wie eine konservative, heterosexuelle Kleinfamilie, erziehen ihre Kinder ganz traditionell, sind statushörig , kulturlos und karrierefixiert und sind aber gleichzeitig, da sie die homosexuelle Identität angenommen haben deutlich als Lesben zu erkennen. Sie vereinen in sich sozusagen das all negative von sowohl „homo“ als auch „hetero“, sie agieren das unbewusst, da sie sich selbst nicht als Frauen sehen, aus, es ist eine vollkommen falsch verstandene Emanzipation. Sie zeigen wie unter einem Vergrößerungsglas das Emanzipationsproblem/die Emanzipationslüge der Frauen in der westlichen Welt auf. Denn auch die „Heterofrauen“ identifizieren sich oft mit Männern/männlichen Maßstäben und Wertvorstellungen (Karriere, rational über emotional, Kapitalismus/Konsum/Statussymbole über Liebe/Kultur/zwischenmenschliche Beziehungen usw.) und haben kein Bewusstsein dafür, dass sie Frauen sind, weil hier alle als „Menschen“(Männer) gelten, bzw. der Geschlechterunterschied einfach geleugnet wird. Unter „Emanzipation“ (=Gleichheitsfeminismus) versteht man hier, dass Frauen wie Männer werden sollen, ihnen alles nachmachen sollen und dadurch können sie keine eigene Identität und Vorstellungen, wie sie die Welt gerne haben möchten, wie sie sich selbst sehen, wen/was sie begehren entwickeln.

Ich habe es aus Angst vor der Homo-Identität und den maskulinen Lesben meine Liebe zu Frauen so sehr verdrängt, dass ich mich in Frauen verliebte, mit ihnen was anfing und mich trotzdem nicht als lesbisch sah. Ich fand Männer langweilig, fühlte mich in ihrer Gegenwart meistens genervt und hatte deswegen Selbsthass und ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht wie die anderen in meinem Alter in einer Beziehung war. Ich habe mich während meiner Jugend- und Studentenzeit fluchtartig in die klassische Musik reingesteigert, Operndiven wie Maria Callas verehrt und dort auch Frauen getroffen die mir von der Seele her ähnlich waren, sich aber als hetero sahen. Ich versuchte so wie die Operndiven zu sein, schminkte mich stark, trug betont feminine Sachen und versuchte mich so von meiner Familie abzugrenzen – hauptsachen nicht so sein wie meine Tante…

Jedenfalls gelingt es mir erst jetzt, nachdem wir auf einer Internetplattform in einer Gruppe von Frauen, die wir nach und nach aquiriert haben, uns seit etwa zwei Jahren eine andere Realität bestätigen – nämlich die, dass alle Frauen bei femininen, attraktiven (und älteren) Frauen unbedingt frauenliebend werden wollen, wenn sie wissen, dass sie dafür keine Homo-Identität annehmen müssen – einzugestehen, dass ich total lesbisch bin und zwar ganz und gar als Frau (und nicht als „Lesbe“ mit einer Außenseiter-Identität)

Das Problem mit meiner Tante ist dort auch herausgekommen und ich habe herausgefunden, dass ich mich damals von ihr nicht abgrenzen konnte (außer über „hetero“) und, wie viele andere Frauen auch, meine Liebe zu Frauen verdrängt habe, bzw. nicht dazu gestanden habe weil

  1. ich nicht wusste, dass es feminine frauenliebende Frauen (wie z. B. die Schriftstellerinnen Virgina Woolf und Djuna Barnes oder frauenliebende Hollywood-Schauspielerinnen wie z. B. Greta Garbo, Marlene Dietrich und Barbara Stanwyck) jenseits der homosexuellen Identität gegeben hat und zwar zum größten Teil BEVOR diese sich durchsetzte (bzw. die romantischen Freundschaften, die ins lesbische gingen zerstörte) und an denen man sich festhalten, die einem als Vorbild dienen können (dazu später mehr),
  2. ich keine Ahnung von Feminismus hatte, der darüber auch schon oft geschrieben hat, z. B. dass Frauenliebe eher natürlich ist, weil die erste Bezugsperson im Leben einer Frau immer die Mutter ist und somit das Liebesbedürfnis von beiden Geschlechtern primär auf Frauen ausgerichtet ist,
  3. ich über die neuesten biologischen/anthropologischen Erkenntnisse nicht Bescheid wusste, z. B. dass die nahesten Verwandten des Menschens die Bonobo-Affen sind (und nicht wie früher angenommen die Gorillas) bei denen die Weibchen größtenteils mit anderen Weibchen Sex haben und enge Bündnisse eingehen, d.h. dass die Frauenliebe letztendlich auch in der Natur selbst verwurzelt ist und die Weibchen, da sie ja die Kinder bekommen auch in Gruppen ohne Männchen bzw. nur mit einem Begatter-Männchen zusammenleben können, wie es zb. die Elefanten- und Löwenweibchen tun   – daher ist Heterosexualität (eine Frau muss isoliert bei einem Mann leben) für Frauen eher unnatürlich und entfremdet sie von ihrer eigenen Art,
  4. ich über die mythologischen, geschichtlichen Zusammenhänge in Bezug auf die Unterdrückung und Leugnung von Frauen nicht genügend Bescheid wusste, dass es zu Beginn der Menschheit die Vorstellung von einer „Große Mutter“/weibliche Schöpfergottheit gegeben hat, die ohne Zutun des Mannes alles Leben hervorbrachte und sich später (nach Entdeckung der biologischen Vaterschaft) der Mann mit männlichen und „aus dem Geiste zeugenden“ Göttern an ihre Stelle setzte (später dazu mehr, siehe Claudias Kommentar)
  5. – mein individuelles Problem: Ich sehr traumatisiert war, weil ich meine Tante, da ich sie als Teil der Familie gesehen und emotional an sie gebunden war, nicht als Lesbe identifizieren und dadurch das Problem nicht benennen konnte. Sie hat mir dadurch, dass sie sich vor mir mit ihrer androgynen Freundin als die Lesben „die es im Leben gecheckt haben“ inszeniert hat, mir jahrelang die Identität als Frauenliebende Frau und die Möglichkeit mich dazu zu bekennen genommen, da ich Angst hatte dann wie sie zu sein. Diese Angst wurde erst durch Claudia besser, weil ich mich dann mit ihr als positives Vorbild identifizieren konnte (und wir zusammen das Problem mit den kerligen Lesben und der Homo-Identität aufgearbeitet haben) und später dann nochmal mit anderen frauenliebenden Frauen, weswegen es mir jetzt möglich ist ehrlich darüber zu schreiben.

Am meisten verärgert mich auch die Art, wie in der Gesellschaft das offensichtliche Kerligkeitsproblem der Szenelesben geleugnet bzw. verdrängt wird und wie unehrlich die meisten Frauen darüber sind. Wenn man dies anspricht begeht man einen Tabubruch und es wird meistens dann heruntergespielt. „So schlimm sind die doch nicht, Maskulinität ist doch Ansichtssache, es gibt ja auch Ausnahmen, man solle doch einfach die Homoidentität annehmen – so nach dem Motto: bitte sehe dich auch als Teil der Randgruppe, damit wir uns keine weiteren Gedanken über dich machen müssen (und unsere eigene „Identität“, unser eigenes Weltbild intakt bleibt).“ Nein, ich habe immer gespürt, dass es falsch ist die Homo-Identität anzunehmen, hatte eine regelrechte Angst davor, und wie wir jetzt herausgefunden haben, aus gutem Grund, weil sie nur für schwule Männer konzipiert wurde, mit Pathologisierung zusammenhängt und rein gar nichts mit Frauenliebe zu tun hat. Und dass in der Gesellschaft darüber geschwiegen wird hängt eng mit der allgemeinen symbolischen Abwesenheit der Frau, der Verleugnung von Frauen zusammen, daran hängt sozusagen die ganze Frauenemazipationsfrage.

Die meisten Frauen lassen sich von den kerligen Lesben, den „Zerberussen, Gefängiswärterinnen des Patriarchats“ und der Homo-Identität abschrecken, sie sehen sich als hetero und es fehlt ihnen das Wissen darüber, dass es noch etwas anderes gibt. Und auch die Angst vor Feminismus hängt, wie Claudia schon geschrieben hat, mit dem „Lesbisch-Tabu“ zusammen – einerseits gibt es die Abschreckungsmechanismen, wie die kerligen Lesben, die Pathologisierung der Frauenliebe, die Ende des 19. Jahrhunderts stattfand (und die bis heute wirkt) und die Vorurteile die in der Gesellschaft herrschen („Männerhasserinnen“, „die hat doch keinen Mann abbekommen“, die ist eine Nutte und macht es mit allen usw.) und dann die generelle Abwertung der Frau durch 6000 Jahre patriarchale Unterdrückung und Leugnung durch Mythen, Religion, Politik usw. (d.h. dass man z. B. immer so tut als wäre alles was mit Frauen zu tun hat irgendwie unwichtig und sekundär, z. B. heißt ein Film, wenn in ihm nur Frauen vorkommen „Frauenfilm“, während Filme mit Männern und Männerthemen als das Allgemeingültige gesehen werden), – auf der anderen Seite werden Frauen, wenn sie sich mit Feminismus beschäftigen und sich befreien wollen dann meistens auch lesbisch, also ist die Angst der Männer, dass das passieren könnte (und weswegen sie all diese Unterdrückungsmechanismen erfunden haben) nicht unberechtigt.

.Und die Frauenliebe ist keine Identität die man einfach annimmt und dann kann man aufhören zu denken und alles wird gut, sondern eher eine Reise in ein anderes Bewusstsein und zwar dass man sich auch dessen bewusst wird, dass man als Frau in einer patriarchalen, frauenfeindlichen und frauenverleugnenden Gesellschaft lebt und man somit auch ein „Coming-Out“ als Frau hat, die unabhängig von Männern und ihren Maßstäben/ ihren Wertvorstellungen usw. lebt, mit einer eigenen Sichtweise der Welt/Art die Welt wahrzunehmen, deswegen ist die Beschäftigung mit Feminismus und zwar nicht mit dem Gleichheits- (Frauen sollen wie Männer werden und ihre Wertvorstellungen übernehmen), sondern dem Differenzfeminismus extrem wichtig.

Nachtrag:

Ich denke, was es für mich am schwierigsten gemacht hat darüber offen zu reden ist, dass ich schon sehr früh in meiner Kindheit mit maskulinen Lesben konfrontiert worden bin und das natürlich nicht einordnen konnte. Ich habe meine Tante als meine Tante gesehen, sie war, als ich jung war eigentlich ganz nett und das mit dem lesbisch habe ich damals noch nicht richtig verstehen können. Ich habe sie als eine Art Vorbild gesehen, als sie noch nicht so konventionell und maskulin war, sie hat sich aber trotzdem zusammen mit ihrer androgynen Freundin als Lesben über mich gestellt und das war wahrscheinlich das schlimme, da ich dadurch meine eigenen Gefühle für Frauen nicht ernst genommen und verleugnet habe (weil ich an den mir von ihnen bewusst/unbewusst vermittelten Dualismus hetero/lesbisch geglaubt habe). Ich habe mich eigentlich immer in Frauen, wie z. B. meine Geigenlehrerin verliebt (die attraktiv und künstlerisch/sensibel ist und die auch davon wusste, dass es Frauenliebe jenseits der Lesbenszene gibt/gegeben hat und sogar selbst mit Anfang zwanzig mal in die Szene gegangen ist und dort von den kerligen Frauen abgeschreckt wurde) und wusste dann definitiv (auch nachdem ich z. B. in New York auf der Gay-Parade war und ensprechende Bücher von der lesbischen Freundin meiner Mutter gelesen hatte, die alle von maskulinen Sport-Dykes handelten, was mich völlig traumatisierte bzw. irritierte, weil diese Freundin auch eine Lesbe war, die so “dazwischen”, also nicht so androgyn war ) dass das, was ich für Frauen empfand etwas vollkommen anderes ist, hatte aber nicht die ensprechenden Bücher, wie z. B. von Shere Hite über Frauenliebe, die mir dabei geholfen hätten mich selbst zu finden.

Weil ich natürlich sehr unbewusst war, habe ich dann jahrelang irgendwelche Gesangslehrerinnen verehrt, mich in Operngesang, klassische Musik usw. reingesteigert, weil ich wie irre auf der Suche nach “weiblichen” Sachen war, die mir Identität und Halt geben konnten. Und das mit dem lesbisch habe ich natürlich verdrängt bzw. mir alle möglichen Ausreden eingeredet, warum ich keinen Freund habe usw. Ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, wie Claudia, die Diktatur der kerligen Lesben zu hinterfragen/anzuzweifeln, bzw. mich mit ihnen zu konfrontieren und zu sagen dass ICH Recht habe, und nicht die, mit ihrer völlig primitiven Art sich über einen zu stellen, was wahrscheinlich an meiner eher konventionellen, patriarchalen Erziehung liegt. Und dieses seine eigene Meinung und Sicht von der Welt durchsetzen, die Dinge eben mal zu hinterfragen und nicht einfach so hinzunehmen, das tun leider die meisten Frauen nicht und deswegen bleibt das männliche System/die Welt so wie sie ist, solange sich das nicht ändert.