Wie ihr sicher schon alle bemerkt habt, haben wir in letzter Zeit nur wenige neue Artikel geschrieben, das liegt aber nicht daran, dass uns etwa die Ideen ausgegangen wären oder wir keine Lust mehr hätten… Das Gegenteil ist der Fall, denn auf einer anderen und privateren Kommunikationsplattform sind wir seit einiger Zeit dabei, diese ganzen Dualismen wie Mann-Frau, Hetero-Homo, Schwul-Lesbisch, Transfrau-Transmann ect. – nach und nach -historisch, mythologisch und auch biologisch etwas aufzudröseln. Und wir nähern uns auch den Konzepten von Ying und Yang oder Animus und Anima, also der Vorstellung von männlichen und weiblichen Anteilen und auch dem Phänomen des „Dritten Geschlechts“ an- und warum dieses für Männer zutreffend ist, für Frauen aber weniger. (D. h. Heteronormativität aufbrechen hat bei Frauen nichts mit dem Aufweichen des zweiteiligen biologischen Geschlechtssystems zu tun, so nach dem Motto: auch Männer können Frauen/weiblich/gebärfähig sein, und wenn auch nur mit dem Gender, im Geiste.)

Dieser Erkenntnis-Dekonstruktionsprozess wurde ausgelöst, bzw. ist erst möglich geworden, da durch Zufall eine recht gemischte offene „Gruppe“ von Frauen zustande gekommen ist, die sich ehrlich miteinander konfrontiert. D. h. wir sind unterschiedlich alt (26-65), haben verschiedene soziale Backgrounds und Berufe und auch mehrere Nationalitäten. Und wir treten miteinander, mit dem jeweiligen Anderssein der anderen Frau in Konflikt, begegnen uns ehrlich und spiegeln uns so im Frau-sein, also versuchen die Frage was ist eine „Frau“ und was ist „Weiblichkeit“ aus einer weiblichen Sicht zu sehen und vorläufig flexibel zu definieren. (D. h. Frau-sein ist zwar eine biologische Tatsache und unterscheidet sich vom Mann-sein, aber wie es sich jeweils äußert, ist flexibel/veränderbar sonst wäre es nämlich Biologismus.) Und diese Bereitschaft zum fruchtbaren Konflikt wird wiederum dadurch ermöglicht, dass zwischen uns allen eine Art erotisch-emotionale Begehrensfäden gesponnen sind, die die Gruppe zusammenhalten, das Interesse für die jeweiligen anderen entfachen und auch am Leben halten.

Es findet also eine sehr ehrliche und teilweise sehr schmerzhafte Auseinandersetzung zwischen Frauen statt, bei der Lebenslügen aufgedeckt werden und auch Traumata emporsteigen. Und da Lebenslügen und Traumata oft nicht nur Frauen-Einzelschicksale sind, sondern sich in ihnen auch historische-kulturelle Prozesse spiegeln oder mythologische Überlieferungen ausgagiert werden, können sie eben als Verständnisschlüssel für die Geschichte, Kultur und/oder Mythologie dienen. D. h. es ist dann so, als ob in der jeweiligen Frau eine Geschichtsepoche oder ein Mythos lebendig geworden sei, Geschichte „live“, Mythos nachgespielt. Z. B. wenn eine aus den USA stammende Frau im 21. Jh. noch eine Art romantische Frauenfreundschaft hat und man durch sie ein besseres Verständnis dafür bekommt, was diese Arten von Freundschaften eigentlich waren; und dass sie vielleicht gar nicht so asexuell waren wie immer angenommen. Oder wenn eine französische Frau Angst vor der Frauenliebe hat, weil sie u. a. denkt, dass alle lesbischen Frauen zügellosen Nutten wären, da in Frankreich bis heute noch die Ideen der (männlichen) Schriftsteller der Décadence wie Honoré de Balsac, Émile Zola, Pierre Louys oder Charles Baudelaire lebendig sind, die Frauen in ihren literarischen Werken so dargestellt haben, und deren „kulturelles Erbe“ wir heute in den zahlreichen Lesbenpornos für Männer im Internet betrachten können. Und dann noch, dass deutsche Frauen oft Angst vor Weiblichkeit und Sinnlichkeit haben, weil sich hier eben das nationalsozialistische Frauenbild (zumindest bei den Älteren) teilweise erhalten hat.

Um sich den verschiedenen Themenbereichen von unterschiedlichen Seiten her anzunähern, haben wir jeweils Bilderalben mit Texten darunter erstellt, also so eine Art „Cluster“. Dieser Erkenntnis-Prozess erfordert von uns aber sehr viel Arbeitsenergie und er ist auch noch nicht abgeschlossen. Aber sobald wir wieder Land sehen oder sobald wir eine Idee haben, wie wir diese verschiedene „Cluster“ hier auf den Blog in eine verständliche Textform übertragen können, werden wir wieder neue Artikel schreiben. Ich hoffe sehr bald ;)

Aber was sich jetzt schon überdeutlich abzeichnet, ist dass sowohl die homosexuell-lesbische Identität, als auch der ganze Bereich des Trans-, auf einer rein männlichen Geschichte/männlichen Bedürfnissen basiert und somit mit Frauen eher weniger zu tun hat. Und dass die homosexuelle Identität (also das so-sein einer Person und nicht nur ihre sexuelle Handlung) erst um das 18. Jh. herum entstanden ist, also just zu dem Zeitpunkt als Frauen langsam anfingen sich zu „emanzipieren“, d. h. immer mehr von ihnen die Möglichkeit bekamen (finanziell) unabhängig von Männern zu leben (Übergang der ständisch-agrarischen Gesellschaft zur bürgerlich-kapitalistischen, Aufklärung, Industrialisierung, Städtebildung ect.), und damit dann den Männern die Kontrolle über die Reproduktion (Kinder!) verlustigt zu gehen schien… Und auch immer klarer wird, dass Lesben- und Transmänner (also Frau zu Mann) die männliche Homosexuellengeschichte fast 1:1 übernommen haben/kopieren, ähnlich einem kleinem „Bruder“, der den „tollen Großen“ bewundert und ihm nacheifern will oder auch wie Putzfrauen, die das geistigen Kabinett der Männer nach Feierabend dann auch betreten dürfen…