Ich hatte schon vor einiger Zeit Lust etwas zu BDSM zu schreiben, war aber bezüglich dieses Themas etwas zwiegespalten. Der Begriff BDSM, der sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnungen „Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism“ zusammensetzt, umschreibt eine sehr vielgestaltige Gruppe von meist sexuellen Verhaltensweisen, die unter anderem mit Dominanz und Unterwerfung, spielerischer Bestrafung sowie Lustschmerz oder Fesselungsspielen in Zusammenhang stehen können.

Sexuelle Lust in Verbindung mit Schmerz ist durch die Kulturgeschichte bedingt eher ein Produkt männlicher sexueller Vorlieben (siehe z. B. Schriften des Maquis de Sade, von welchem das Wort „Sadismus“ hergeleitet wird) und hat irgendwie etwas damit zu tun, dass Männer durch den Gebrauch von Fetischen und zeremoniellen Sexualpraktiken die Unheimlichkeit/Macht/Aura, die der weibliche Körper auf sie auswirkt, einzudämmen versuchen. Ich zitiere hier mal aus Camille Paglias „Masken der Sexualität“: In Sades Werk wird Sexualität zu einem groß angelegten Ritual. Wenn es zutrifft, dass Rituale Angst lösen, dann sind de Sades sadomasochistische Fantasieprodukte Distanzierungsmittel, mit deren Hilfe die männliche Imagination sich von den weiblichen Ursprüngen zu befreien sucht. Männer können der Tatsache, schreibt Jane Harrison, dass sie von Frauen geboren werden, nicht entkommen, sie können jedoch – und wenn sie klug sind, tun sie es auch – beim Eintritt ins Mannesalter Befreiungs- und Reinigungszeremonien durchführen. BDSM wird nicht nur bei vielen Heteros sondern vor allem auch in der Schwulenszene häufig praktiziert und Lesben haben sich in ihrer Sexualität zum Teil ebenfalls davon beeinflussen lassen.

Dennoch irgendwie neugierig geworden, machte ich mich im Internet auf die Suche nach Filmen (aus weiblicher Sicht) zu diesem Thema und stieß auf die Firma „Bleu Productions“ von Maria Beatty. Spezialisiert auf lesbische BDSM-Erotik produziert Maria Beatty seit den 90er Jahren Filme, die sie selbst nicht als Pornos sieht, sondern eher als erotische Kunstfilme. Sie gleichen Kurzfilmen im Stil des „Film Noir“ mit vielen oft surrealistisch anmutenden Bildern, doch zeigen sie auch viel Körperliches und legen Wert authentische erotische Empfindungen der Darstellerinnen. Beliebte Themen sind z. B. Rollenspiele, Spanking (Hauen) und Bondage (Fesseln) und manche Praktiken darin gehen auch ein wenig an die Grenze des Erträglichen – die Mischung aus poetischen Bildern, Lust und Schmerz erzeugt bei der Betrachterin eine Art erotisch-geistigen Hypnosezustand und soll eher die Fantasie anregen als zum Nachmachen animieren.

Nun gut, neugierig geworden besorgte ich mir ein paar dieser Filme und schaute mal hinein. Auf Anhieb gefielen mir die schönen Bilder – die Bildsprache und Musik mancher Filme (z. B. „Ecstasy in Berlin“) ist an die Ästhetik der 20er/30er Jahre angelehnt (wie z. B. der Film Metropolis oder die Nackttänzerin Anita Berber). Die Filme haben eine erotisch aufgeladene Atmosphäre, die vom Reiz des Verbotenen und auch manchmal Bedrohlichen lebt. Eine interessante Geschichte ist z. B. „Ladies of the Night – Les Vampyres“ in welcher ein Schulmädchen von zwei bedrohlich-schönen Vampirinnen in eine dunkle Villa entführt wird, wo es in einer Folterkammer ihren diversen Sexspielchen ausgeliefert ist (und am Ende mutiert sie dann auch selbst zu einem Vampir). Diese Thematik erinnert auch ein bisschen an die Geschichte der „Blutgräfin“ Erzebeth Bathory oder an den Film „The Hunger“ mit Catherine Deneuve.

Ein anderer Film, der mir gefiel, war „Mask of Innocence“  mit der hübschen und auch etwas älteren Midori, die für ihre Bondage-Seminare weltweit bekannt ist. Midori spielt darin eine Art Fabelwesen, welches eine unschuldige Fee in ihr Versteck lockt, sie fesselt und mit verschiedenen Naturmaterialien, wie Ruten, Disteln, und Federn liebevoll malträtiert. Am Ende fickt sie die Fee dann mit einer Maske, die eine phallusartige „Nase“ hat.

Mein Fazit: Die Filme von Maria Beatty sind teilweise etwas skuril, aber interessant, da sie schon versuchen eine eigene weibliche Sicht für Sexualität miteinzubringen. Sie zeigen, dass sexuelle Dominanz und Unterwerfung auch zwischen Frauen eine Rolle spielt, dass lesbischer/weiblicher Sex nicht unbedingt immer „Blümchensex“ sein muss. Was mich an den Bleu-Productions-Filmen allerdings etwas stört, ist zum einen, dass die Darstellerinnen oft ein wenig unterkühlt wirken, da auf das Spielen ihrer festgelegten Rollen konzentriert, es dadurch an Spontantität, Nähe und Intimtität mangelt und es somit zu wenig Spielraum für Entwicklungen gibt. Zum anderen finde ich es schade, dass in manchen Filmen der Gebrauch von Fetischen (wie z. B. High Heels, Lack und Latex) so viel Platz einnimmt, aber das ist natürlich Geschmackssache. Die Filme sind insgesamt mehr für das Auge gemacht, sie sind eine Art Appetizer, ein erotischer Bildercocktail, man könnte sie fast als Hintergrundprojektion bei einer Party laufen lassen ;)