Vor ca. drei Jahren haben wir den Artikel „Dildos benutzen“ geschrieben, in welchem wir u.a. versucht haben eine Anleitung zu geben, wie man mit einem Dildo einen starken, ganzkörperlichen Orgasmus bekommen kann (vergleichbar mit Tantra). Ich möchte mich nun dem Dildo selbst widmen, ein wenig seine unterschiedliche Bedeutung und Funktion durch die Geschichte hindurch erläutern und einige aktuelle Ausführungen von Dildos und Vibratoren vorstellen, die ich als geeignet empfinde.

Die etymologische Abstammung des Wortes „Dildo“ ist nicht ganz klar, man vermutet aber dass es vom lateinischen Verb „diletare“ = erquicken, laben, oder Italienisch „dilletto“ – Entzücken stammt. Der älteste Dildo ist ein im Jahre 2005 in der Nähe Ulm gefundener steinerner Phallus aus der Altsteinzeit (vor 28.000 Jahren), welcher Schleifspuren und Verzierungen aufweist. In Ägypten verwendeten Frauen im 3. Jahrhundert v. Chr. aus Papyros gefertigte Tüten-Dildos, die sie – mit Fliegen oder Ameisen gefüllt – einführten, um sich vom Kribbeln und Krabbeln der Insekten stimulieren zu lassen.

Im alten Griechenland wurde er unter dem Wort „Olisbos“ bekannt und ca. 500 v. Chr. entwickelte sich im griechischen Ort Miletos ein Produktionszentrum, welches seine Dildos auch ins Ausland exportierte. Sie wurden aus Holz gefertigt und mit Leder überzogen, in manchen Gegenden wurden sie auch aus Ton oder Glas gefertigt und es gibt zahlreiche Darstellungen von ihnen auf Vasen. Es wird allerdings vermutet, dass Dildos eher voyeuristischen Zwecken von Männern als der weiblichen (Selbst-)befriedigung dienten, was angesichts der enormen Prostitution und dem gleichzeitigen Keuschheitsgebot der Ehefrauen (Sex nur zur Fortpflanzung), die im alten Griechenland herrschten, nicht unwahrscheinlich ist.

Im Mittelalter verschwand er tabuisiert durch das Christentum wieder von der Bildfläche (außer in der adligen Gesellschaft in der eine vergleichsweise lockere Sexualmoral herrschte) und im 18. Jahrhundert tauchte er im Zuge der zunehmenden Professionalisierung von Sex wieder auf. In sogenannten „Studios“ wurde Sexspielzeug auch für den privaten Gebrauch angeboten und realitätsnahe Anfertigungen von Dildos waren besonders beliebt.

Dann folgte im 19. Jahrhundert das „Viktorianische Zeitalter“ mit seinem vom kaiserlichen Deutschland und puritanischen England geprägten Sexualkonzept, welches vom Mann die Kontrolle der Triebe forderte und der Frau die Sexualität ganz absprach (und wie im alten Griechenland einhergehend mit einem boomenden Prostitutionsgewerbe). Der Dildo als männliches Fetischobjekt verschwand somit wieder aus der Öffentlichkeit und tauchte im beginnenden 20. Jahrhundert als medizinisches Hilfsmittel in Arztpraxen wieder auf. Damals wurde bei Frauen, die an der sogenannten „Hysterie“ litten, mit Hilfe von Vibratoren ein „hysterischen Paroxysmus“ (Orgasmus) hervorgerufen. Dieser Ansatz war geprägt von der altägyptischen Vorstellung, dass Hysterie eine Folge von sexueller Unerfülltheit sei, die sich bis ins 20. Jahrhundert hielt.

Im Zuge der Psychoanalyse, welche sich nun für die Behandlung der „Hysterie“ zuständig sah, verschwanden Dildos und Vibratoren wieder aus den Arztpraxen. In Frauenmagazinen wurde weiterhin für Dildos und Vibratoren, die mittlerweile aus Gummi und Kautschuk bestanden, unter dem Deckmäntelchen der Gesundheit, mit Slogans wie „Lindert alles Leiden. Heilt Krankheiten!“ „Erfunden von einer Frau, die der Frauen Bedürfnisse kennt“, bis in die 40. Jahre hinein Werbung gemacht. Mit der allmählichen Ausbreitung des Erotikfilms, in welchem der Gebrauch von Dildos ausführlich demonstriert wurde, lastete dem beliebten Sexspielzeug bald ein anrüchiges Image an und es verschwand wieder aus dem privaten Gebrauch.

In den 60er Jahren folgte die sexuelle Revolution und zeitgleich kam 1966 der erste patentierte, batteriebetriebene Vibrator auf den Markt. Die zweite Welle der Frauenbewegung, die sich auch in dieser Zeitspanne entwickelte, entdeckte den Dildo zum ersten Mal auch als ganz eigenes Lustobjekt für die Frau und es entstanden Anfang der 70er Jahre in Amerika zum ersten Mal eigene Sexshops für Frauen. Frauen entwarfen nun selbst Dildos in vielfältigen Farben und Formen, entwickelten neue Designs, die sich dem weiblichen Körper besser anpassten und ästethetisch wirkten. Dildos wurden nun für jede Frau erschwinglich und von dieser Entwicklung wird bis heute profitiert.

Das Internet hat seit Anfang des 21. Jahrhunderts eine neuen Boom von Sexspielzeug hervorgebracht, es gibt zahlreiche Firmen, die den Dildo zu einem luxuriösen Designerobjekt weiterentwickelten und ihn somit endgültig von seinem „Schmuddelimage“ befreiten. Frau kann nun ganz anonym von zu Hause aus bestellen, es gibt seit einigen Jahren aber auch sogenannte „Dildoparties“ (nach dem Vorbild der „Tupperware-Parties“), bei welchen in feuchtfröhlicher Frauenrunde mit ausreichend Sekt für die Lockerheit, von einer professionellen Verkäuferin die verschiedenen Modelle vorgestellt werden.

Fazit: Den Dildo gab es in verschiedenen Kulturen, Epochen und Ländern, ist in der Geschichte hauptsächlich als Fetischobjekt für den männlichen Voyeurismus abhängend vom Sexualkonzept der Zeit auf- und wieder abgetaucht. Frauen haben davon indirekt profitiert, ich denke aber, dass viele für sich selbst auch andere Objekte als Dildos verwendet haben. Da die Kulturgeschichte männlich ist gibt es darüber, wie auch über die Frauenliebe, keine schriftlichen Aufzeichnungen. Erst seit den 70er Jahren wurde der Dildo als Lustobjekt für die Frau unabhängig vom Mann im größeren Ausmaße zugängig.

(Die vier außergewöhnlichen Dildos ganz oben sind 2009 von Nadine Batze im Rahmen ihrer Diplomarbeit enworfen worden und wer mehr darüber wissen will, der klicke HIER.)

Produkte der Firmen Lelo, Fun Factory, Glas Vibrations