Der öffentliche Raum gehörte überwiegend den Männern. Das begann sich erst mit dem Prozess der Industrialisierung (in England ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in Europa und Nordamerika ab Mitte des 20. Jahrhunderts) und der Städtebildung zu ändern, denn dieses ermöglichte die Entstehung von öffentlichen Plätzen/Treffpunkten, verschaffte den Frauen einen leichteren Zugang zur Bildung und Berufstätigkeit und erleichterte somit die, lange befürchtete, Unabhängigkeit von männlicher Kontrolle.

Diesen Satz, den ich in leicht abgeänderte Form mir aus meinem „Sapphistries“ Artikel entliehen habe, möchte ich gerne hier voranstellen, denn als ich das oben stehende Video über das italienische Fernsehen zum ersten Mal gesehen habe, war ich etwas entsetzt. Klar in abgemildeter Form kennen wir so etwas auch aus unserer Fernseh- und Medienlandschaft, man denke nur an Verona Feldbusch, Germanys next Topmodel, Daniela Katzenberg und Co. Und an all die jungen, hübschen Moderatorinnen, die tagtäglich und relativ austauschbar über den heimischen Bildschirm flimmern und aus ihm plappern. (Antonia Rados ist da eine erholsame Ausnahme). Aber dieses italienische Ausmaß war mit neu…

Ich will damit jetzt nicht sagen, dass ich etwas gegen junge, hübsche Frauen hätte, weil ich z. B. „stutenbissig“ bin und ihnen daher ihr gutes Aussehen nicht gönne, oder so ähnlich. Und sollte man außerdem nicht froh sein, dass so viele Frauen in Fernsehen/in der Öffentlichkeit gezeigt werden, die Möglichkeit haben dort zu arbeiten und sich somit zu artikulieren? Aber halt sind es wirklich(e) Frauen und sprechen sie eigentlich? Oder werden dort nicht vielmehr „bioidentische“ Attrappen präsentiert, unter dem Chirurgenmesser optimierte Schauspielerinnen, plappernde Lara Crofts und männliche Porno-Fetische? Transen, in Sinne einer künstlich inszenierten und technisch-chirurgisch erschaffenen Weiblichkeit. Die Frau als das Gegenteil des Mannes, seiner Fantasie entsprungen und somit ER.

Sie vermitteln das trügerische Gefühl weiblicher Anwesenheit. Sie bestätigen sämtliche szenelesbischen Aversionen/Vorurteile: „Keine femininen Frauen bitte! Bloß keine Langhaarigen und Kunstnägel tragenden Tussis!“ Sie rufen die pietistisch-bigotte Fraktion auf den Plan: „Schönheit, Schminken und auf sich Achten ist oberflächlich, denn nur auf die inneren Werte kommt es!“ Rein in die bequeme Kutte und schön bescheiden im Hintergrund geblieben.

Die moderne Frau in der (medialen) Öffentlichkeit, im öffentlichen Raum. Kann sie dort ihren Standpunkte darlegen, ihre Lebenswirklichkeiten, Lebensentwürfe präsentieren, gleichberechtigt mitreden und zu Veränderungen beitragen? Kann sie in Würde älter werden, weise werden und grauhaarig zerzauselt sich eigenwillig durch Talkshows streiten? Kann sie reife, machtvolle Erotik versprühen? Kann sie mit ihrem Gesicht ihr Leben erzählen, einen Körper haben ohne auf ihn reduziert, durch ihn unsichtbar zu werden?

Und noch einmal den Satz: Sie vermitteln das trügerische Gefühl weiblicher Anwesenheit; die eigentlich eine Abwesenheit ist. Fazit: Auch in der westlichen Welt sind die Frauen noch lange nicht sichtbar, im öffentlichen Raum angekommen, auch wenn ihre Körper überall auf den Straßen und den medialen Bildschirmen präsent sind. Und vereinfacht sind mir drei Formen/Strategien aufgefallen, mit denen Frauen verleugnet werden oder sich selbst verleugnen:

Nr.1 ist das sich keusche – mehr oder weniger freiwillige – Verstecken im Haus, unter der Burka oder in der ungeschminkt sich immer im Hintergrund haltenden Bescheidenheit. Nr. 2 ist dieses sich gänzlich mit der männlichen Geistes- und Kulturgeschichte zu identifizieren, sich als eine Art „innerer Mann“ oder „Mann ehrenhalber“ zu sehen und aus dieser Position heraus dann auf andere Frauen herabzuschauen, sich von ihnen abzugrenzen und sie somit als rückständig und minderwertig zu betrachten. (Lesben, Karrierefrauen oder weibliche Intellektuelle benutzen diese Taktik häufig.) Nr. 3 ist die oben so vorzüglich dargestellte, nämlich als schönheitsoperiertes Sexualobjekt, reines (künstliches) Fleisch oder Trans-Fem-boter (von Roboter) vermeintlich weiblich zu agieren, aber in Wirklichkeit nur die männliche Wirklichkeit zu inszenieren. Seine Vorstellung von der Frau spielen, als seine Kreatur und Frau-Attrappe zu handeln, denn eigentlich wollen Männer auch bei uns in der Öffentlichkeit keine (authentischen) Frauen haben, sondern lieber weiterhin unter sich bleiben. Das Fernsehstudio als modernes orientalisches Männercafé, ein verdecktes, latent homoerotisches Männeruntereinander, dass durch ein gemeinsames „Begehren“ von selbst erschaffener „Weiblichkeit“ brüderlich gefestigt wird.

Vor der den authentischen Frauen aber haben sie Angst, denn ihre Stimmen und ihre Entwürfe könnten das Potenzial in sich bergen, die Welt und den öffentlichen Raum nachhaltig zu verändern. Und die Frauen selbst? Die meisten glauben leider an die (medialen) Bilder von „Weiblichkeit“, die ihnen da vorgesetzt werden und „äffen“ sie blind nach, anstatt ein eigenes Bewusstsein und Sein für sich und ihr Geschlecht entwickeln zu versuchen. Und auch ein anderes und selbstbestimmteres Konzept für Sexualität und Schönheit…

Wer das Video mit englischen Untertiteln sehen will, der klicke HIER.