Wenn ich früher das Wort „Rollen“ gehört habe, musste ich immer an das Theater oder das Fernsehen denken. Liebesszenen, Machtkämpfe, Romeo und Julia, Macbeth, Shakespeare, das hübsche junge Mädchen und der weise alte Mann. Oder auch an all die taffen Kommissare in Krimiserien wie Tatort, Derrick, Miami Vice oder CSI. Jedenfalls immer an irgendwas künstlich Erschaffenes, was nichts mit meinen, also dem realen Leben zu tun hat. Denn dort sind wir ja authentisch, also eine ganz individuelle Persönlichkeit, die keine Rolle spielt sondern ganz sie selbst ist. Ein Mensch eben.

Tiere haben Instinkte, sie sagen ihnen, wie sie sich in welcher Situation verhalten sollen, was sie fressen können, wann, wie und mit wem sich paaren. Sie bestimmen ihr Leben und machen es sicher und irgendwie vorhersehbar. Es gibt wenig Spielraum für Entwicklungen. Ein Hund wird nie das Sprechen lernen, eine Katze bleibt eine Katze und ein Affe wird kaum das Alphabet beherrschen, lesen lernen oder wahre Kunst auf Leinwand bannen.

Der Mensch hat sich aber vom Tier entfernt, seine Urinstinkten bestimmen nicht mehr maßgeblich sein Alltagsleben, er denkt, schöpft und verändert. Und er hat anstatt des Instinktes die Rollen erschaffen, sie geben ihm Halt in einer haltlosen Vorwärtsentwicklung, wie die Stützräder am Fahrrad eines Fahranfängers. Aber irgendwann werden sie überflüssig; die Stützräder und auch die ganzen Rollen.

Wenn Frauen andere Frauen lieben, wenn sie sensibel, intuitiv – oder einfach nur aktiv begehrend sind – ist ihnen allen oft gemeinsam, dass sie keine Männer (mehr?) wollen, sich nicht  mehr der Frauenrolle fügen wollen (können?) und irgendwie nach etwas „Anderem“ suchen. Weg vom Tier, dem Menschenweibchen, der gekauften Braut, der Ehefrau, Freundin und passiv gefickten Geliebten.

Was gibt es da aber für Alternativen? Sie können Karriere machen – in High Heels oder im Businessanzug – sie können Karriere machen und Familie haben (fast immer mit der Dreifachbelastung Karriere-Kind-Mann verbunden), sie können Lesbe werden – maskulin oder nun auch im „Feminin-Look“… oder sie verharren tief versteckt im „Kinderstatus“. Ein Wesen, das noch nicht in einem fest gefügten Rollengefängnis ist, weich und kreativ, noch offen schneint und mit geweiteten Augen in die endlose Sternenwelt blickt… Eine außerirdische Existenz, ein Baby im Uterus, ein Raumschiff, eine Frau, Frau, Frau…

Otherworlds, Rollen und Instinkte und deep, deep Space.