Gastbeitrag von Katharina

Teil VI: Phasen der Bewusstwerdung

Die Phase der unbewussten Aktionen und Reaktionen

  • man sammelt etwa Fotos von erotisch wirkenden Frauen
  • man schaut gerne Frauen auf der Straße an usw.
  • man hört vermehrt Musik von Frauen
  • man sieht gerne Filme mit Frauen

Die Phase der Bewusstwerdung

  • man hat erotische Träume von Frauen
  • man hat erotische Gedanken an Frauen beim Sex

Die Phase des „inneren Outings

  • man wird sich darüber klar, dass man auch auf Frauen steht und gesteht sich die Neigung heimlich ein
  • man liest vielleicht heimlich Literatur zum Thema Bisexualität oder schaut gezielt ausgewählte Filme zum Thema an

Die Phase des „äußeren Outings

  • Gespräche mit engster Freundin z. B. über eine Frau, in die man verliebt ist
  • Recherchen im Internet
  • Austausch mit Gleichgesinnten auf Blogs

Die Phase der neuen Offenheit

  • man ist nun innerlich offen für Frauen
  • die Wahrnehmung verändert sich dadurch komplett
  • man reagiert komplett anders auf Frauen als früher und registriert sensibel ihre Bewegungen, ihre Blicke, Gesten und Wortwahl
  • man wird sensibel dafür, ob eine Frau einen anziehend findet oder nicht
  • man versucht, eine Sprache zu finden, die eine Brücke zu den Frauen bilden kann (Blicke/ Lächeln)
  • Gedanken an Frauen bilden oft eine erotische Basis beim Selbstbefriedigen
  • man spürt ob eine andere Frau selbst offen ist für Frauen oder nicht

Die Phase der Begegnung

  • irgendwann reagiert eine Frau im Außen auf die neue innere Offenheit Frauen gegenüber
  • in irgendeiner Form kommen beide nun in Kontakt durch Lächeln, Blicke,
    sie streicht sich vielleicht vermehrt durch die Haare oder lächelt verlegen, verspricht sich oder wird rot
  • vielleicht ist es eine Kollegin oder eine Frau, die man auf einer Veranstaltung oder auf einem Seminar kennenlernt

Die Phase der gegenseitigen Annäherung

  • man versucht sich zwischen den Zeilen mitzuteilen, dass man einander anziehend findet, denn offen darüber zu reden wäre ein Tabubruch und Worte können vieles zerstören
  • zudem leben beide vielleicht noch stark verkettet an alte Rollen-und Verhaltensmuster
  • es beginnt eine subtile Kommunikation:
    -über eine Sprache zwischen den Zeilen (Subtexte)
    -über intensiven Blickaustausch
    -über verschiedenste Arten zu lächeln
    -über zarte wie zufällig wirkende Gesten und Berührungen

Die Phase des intutitiven Herzensraumes

  • wenn beide sich so sehr zueinander hingezogen fühlen, beginnen sich die Herzen der Frauen zu öffnen, und es entsteht so etwas wie ein intuitiver Herzensraum
  • man denkt viel an die andere und beim nächsten Treffen, spricht sie vielleicht etwas aus woran man gedacht hat oder es geschehen wie fließend Dinge, die sich beide im Vorfeld des Kontakts miteinander gewünscht haben
  • es können auch Nachts vermehrt Träume für/an die andere Frau auftauchen
  • (beide führen lange intensive Unterhaltungen)
  • man sucht die Blicke und es kann sein, dass man in den Augen der anderen Frau versinkt und das fühlt sich an als wird die Seele berührt
  • etwas Liebevolles hält Einzug
  • man sucht die Nähe, auch körperlich, indem man sich etwa dicht nebeneinander stellt
  • man vergewissert sich bei jedem Treff über Blicke der Liebe der anderen Frau
  • wenn man alleine ist, denkt man vermehrt an die Frau in liebevoller herzlicher Art und Weise
  • man trifft sich noch nicht zu oft, aber wenn, dann sind die Treffen von unglaublicher Intensität und Tiefe geprägt (genau wie die Mails, die man sich vielleicht zusendet)

Die Phase des sexuellen Begehrens

  • irgendwann wird einem mehr oder weniger bewusst klar, dass man der anderen Frau auch körperlich näher kommen, sie spüren will
  • es tauchen vermehrt erotische Empfindungen auf in ihrer Nähe
  • die Blicke gewinnen an Tiefe und Begehren
  • es wird einem vielleicht ganz heiß und kalt in ihrer Nähe
  • man wird fahrig, aufgeregt, verspricht sich ständig und macht unsinnige Dinge aus dem teilweise noch recht unbewusst sexuell motivierten Affekt heraus

Die Phase der sexuellen Annäherung

  • bei der Selbstbefriedigung denkt man fast nur noch an diese Frau
  • je mehr man an sie denkt in sexueller Hinsicht, desto stärker wird das erotische Band, das beide zueinander hinzieht
  • man ist durch das Recherchieren auf Blogs vielleicht bewusster geworden und schaut sich erotische Frauenfilme an, um mehr darüber zu lernen, wie Frauen Sexualität miteinander genießen können und um durch das „Vorausdenken“ das Materialisieren der Sehnsüchte in der Realität zu erschaffen

Die Phase des erotischen Ausprobierens

  • da man in der Realität aber vielleicht noch nie Sex mit einer Frau gehabt hat und daher erfahrungslos ist, steigert man sich nun in die Frau, zu der solch eine liebevoll-erotische Bindung besteht sowie in das sexuelle Begehren hinein, man will diese Frau unbedingt spüren, man muss dauernd daran denken
  • Liebe = Begehren und in Gedanken gekoppelt an Sex

Die Phase des Scheiterns und der Rollendiffusion

  • beide Frauen sind vielleicht Jungfrauen auf dem Gebiet der Sexualität und keine traut sich sexuell die Verantwortung zu übernehmen, den weiteren Verlauf bewusst zu steuern
  • das Problem liegt darin, dass beide nicht wissen, in welchen Rollen sie sich begegnen sollen
  • ob eine den männlichen Part übernimmt oder den der jungen Liebhaberin, die der Schwester, Kollegin, Chefin, Mutter oder Tochter

Die Phase der Idealisierung

  • die Frau wird zu einer unerreichbaren Göttin,die man zärtlich verwöhnen will, von der man sich die zärtlichsten und leidenschaftlichsten Berührungen erhofft
  • man wird nun im Kontakt verkrampft, unlocker und gehemmt
  • man vermassselt ein Date nach dem anderen, weil man sich nicht traut diese andere Frau aus dem gesellschaftlich geprägten Denken (Ehe und Familie als Gesellschaftsideal; Frauen zu lieben bedeutet „lesbisch“ zu sein und ist etwas Krankes usw.) zu befreien und weil die Frau fast etwas Heiliges hat für einen in ihrer momentanen Unberührbarkeit, Schönheit, Zartheit, Verletzlichkeit, Fraulichkeit, ihrer unergründbaren Tiefe, die einen wie ein weites Meer fast ertränken kann
  • man beschenkt und überläd z. B. die andere Frau wie ein zu stürmischer pupertierender Liebhaber mit Geschenken, Komplimenten usw., nur damit man bekommt, was man ersehnt: die Sexualität mit dieser Frau zu erleben
  • dadurch wirkt die eine Frau bedürftiger als die andere; die eine steht auf dem Sockel, die andere bewundert sie, eine schaut zur anderen auf und Bedürftigkeit und Hilflosigkeit ist etwas sehr Unerotisches
  • die eine Frau wird sich davon überfordert fühlen und der anderen plötzlich ihre Grenzen aufzeigen, denn sie möchte niemand Bedürftiges an der Seite, der ihr Energie raubt, sondern jemand, der ihr heilsame liebevolle Energie geben kann, jemand, der aus dem Inneren liebevollen Fülle schöpft
  • vielleicht sagt dann diese eine Frau plötzlich, dass sie eigentlich hetero ist und gar nicht auf Frauen steht, nur um sich Distanz zu verschaffen
  • sie weist die andere in ihrem verzweifelten Kampf um ihren Körper zurück

Die Phase der Verletzung und des Rückzuges – ich liebe dich, weil ich dich brauche

  • für die andere in solcher weise zurückgewiesene Frau bricht zunächst eine Welt zusammen
  • sie denkt, sie hat sich in der anderen geirrt und denkt, diese liebe sie nicht mehr oder noch schlimmer, steht wirklich nicht auf Frauen
  • sie entzieht sich der anderen emotional und macht innerlich zu, da sie ihr nur ihre Liebe geben möchte, wenn sie dafür sexuelle Erfüllung mit der anderen Frau bekommt
  • so kennt sie es vielleicht aus früheren Beziehungen mit Männern
  • es kann sein, dass sich die eine von der anderen für eine Zeit zurückzieht, da sie Dinge verarbeiten muss und vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben ganz sich selbst kommt – sie möchte ihr Leben ändern und braucht deswegen viel Energie und Kraft – wenn sie merkt, dass sich die andere bedürftig an sie hängt, wird sie erst einmal „zumachen“

Die Phase der inneren Klarheit und des Neuanfangs

  • da die Frauen aber dennoch aneinander hängen und irgendwie nicht voneinander loskommen, werden nun vielleicht neue Vereinbarungen oder plötzliche kühle Entscheidungen getroffen:
    -wir sehen uns besser nicht mehr
    -wir sehen uns nur noch da und dort und machen nur noch dies und jenes miteinander
  • beide sind durch die Zeit der Verletzung und des Rückzuges aber nun ein wenig gereift und können sich nun ganz anders und innerlich reicher begegnen
  • beide sind bewusster geworden

Die Phase der Liebe – ich brauche dich, weil ich dich liebe

  • beiden ist nun klar, dass Liebe keine Bedingungen stellen darf
  • beide öffnen sich einander wieder
  • man unternimmt nun Dinge, nicht um zu einem Ziel (Sex) zu gelangen, sondern um die Zweisamkeit miteinander zu genießen, die innere Fülle miteinander zu teilen, sich am Sosein der anderen Frau zu freuen und das Leben in seiner Schönheit und Vielfältigkeit zusammen mit der anderen Frau zu betrachten
  • es können dabei zärtliche Berührungen ausgetauscht werden und man kann sich langsam auf körperlicher und seelischer Ebene aneinander annähern/herantasten
  • es gilt: je mehr man sich gegenseitig wahrnimmt, d. h. sich nicht idealisiert sondern versucht, die andere mit all ihren Schwächen zu sehen und zu aktzeptieren, umso mehr wird man sich auch körperlich aneinander annähern können
  • beide müssen weibliche Autorität besitzen und dürfen sich nicht hinter (Berufs-)Rollen verstecken
  • die Frau, die bewusster ist hat die größte Verantwortung und führt die andere wie eine Mutter in die neue Frauenwelt (sie muss die Nerven behalten!)
  • rollenlos sein bedeutet wieder zum unvoreingenommenen Kind zu werden, welches die Welt neu entdeckt und seine Emotionen offen zeigen kann


Die Phase der neuen Frauwerdung

  • nach einer Weile werden beide merken, dass es keine Rolle mehr gibt, an die sie sich klammern können
  • sie können sich nur von Frau zu Frau begegnen
  • sie müssen beide alte Rollenmuster fallen lassen, sich einander nackt und rollenlos zeigen können
  • beide gehen nun bewusst miteinander um
  • die Masken und Außenhüllen fallen ab
  • beide sind bereit, Verantwortung für das Gelingen von Sexualität zu übernehmen
  • beide sprechen die gleiche Sprache, die nun keiner Subtexte mehr bedarf, sondern von Klarheit, Ehrlichkeit, Offenheit, Wärme, Herzlichkeit, Anteilnahme und liebevoller Wertschätzung geprägt ist
  • beide sind nun auf gleicher Ebene
  • da beiden klar ist, dass es keine Rollen und Verbindungsformen (Ehe, Affaire, romantische Freundschaft …) mehr gibt, an die sich beide klammern können, beginnen sie nun eigenständig zu denken und selbst-bewusst zu handeln
  • durch das „aktiv werden“ und die bewusste Annäherung an eine Frau, die man begehrt, verändert sich die gesamte Ausstrahlung
  • man wird charismatischer und wirkt wie ein Magnet auf andere Frauen, die auch offen für Sinnlichkeit sind
  • man erarbeitet sich eine individuelle erotische Kommunikation:
    -die Körpersprache verändert sich, man geht aufrechter, nimmt sich mehr Raum
    -man hält den Augenkontakt (anstatt unterwürfig zu Boden zu blicken), besitzt einen direkteren Blick
    -man spürt (sexuelle) Energien, die Frauen einem zusenden und kann darauf bewusst reagieren
    -man strahlt etwas aus, was Frauen (und Männer) unbewusst agieren lassen kann
  • durch diese Fähigkeiten können neue weibliche Hierarchien entstehen, die langsam die patriarchalen Berufshierarchien unterwandern

Die Welt, ihr Denken wird weiblich…