Viele Frauen träumen davon Liebe und Sexualität mit einer anderen Frau zu erleben. Manche erinnern sich an erotische Begegnungen, die sie in ihrer Teenagerzeit mit ihrer besten Freundin hatten, oder an eine Lehrerin, die sie glühend verehrt haben, wo es aber nie zu mehr gekommen ist. Da es sehr schwierig ist diese Träume auch in die konkrete Tat umzusetzen, habe ich mich hier mal an einer Art Leit-Faden versucht.
D. h., wie kann ich als Frau aktiv werden ohne mich als „Mann“ (oder Lesbe) zu fühlen, wie überwinde ich meine Ängste und das schlechte Gewissen, welches ich habe, wenn ich die mir von der Gesellschaft auferlegte Frauenrolle verlasse? Wie lerne ich gekonnt die Regeln zu brechen und kann ich auch neue, eigene schaffen? Und wo lerne ich interessante, attraktive Frauen überhaupt kennen?

Wir leben bekanntlich in einer Männerwelt, d. h. es ist noch gar nicht so lange eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen den öffentlichen Raum bevölkern und in Form von Berufsrollen eine zumindest (theoretisch) private Unabhängigkeit von Männern genießen können. Aber sind Frauen denn wirklich sichtbar, d. h. gibt es auch eigene von Frauen selbst definierte Räume, jenseits der beruflichen Männerbünde und Bruderschaften? Wo können wir Frauen regelmäßig begegnen, damit wir Zeit haben langfristige Beziehungen mit ihnen aufzubauen?
Wenn ich irgendwo arbeite, wo viele Männer sind, oder es problematisch ist mit anderen Frauen Kontakt aufzunehmen, muss ich mich auch anderweitig umschauen. Es ist ratsam irgendetwas künstlerisch-sinnlich Kreatives zu machen (etwas, was den Körper und die Sinne mit einbezieht), z. B. in einen Chor zu gehen, eine Tanzgruppe zu besuchen oder privat bei einer netten Lehrerin Musikunterricht zu nehmen. Aber eigentlich eignet sich jede Frauengruppe, es kann also auch der örtliche Kegelverein oder das Frauenfitness-Center sein.
Wenn man also dem eigenen Begehren folgt, d. h. seine (auch beruflichen) Entscheidungen eher intuitiv trifft, dann wird man den Frauen, die dies genauso tun, irgendwann begegnen.

Aber, wie gesagt, die Welt, die wir wollen ist noch nicht da, es exisiteren keine wirklichen Räume für uns, sie müssen erst von uns bewussteren Frauen geschaffen werden. Je mehr Frauen auf ihr eigenes Herz hören, dem eigenen Begehren folgen und sich nicht, weil es bequemer ist, mit Notlösungen, wie einer halbherzigen Ehe oder der Lesbenszene, abfinden, umso mehr wird sich dann auch verändern.

Wie „erobere“ ich also zart und einfühlsam das Herz einer Frau/Freundin/Kollegin/meiner Lehrerin oder Vorgesetzten und wie signalisiere ich anderen Frauen, dass ich sie mag und an ihnen auch sexuell interessiert bin, ohne, dass sie vor mir Angst bekommen? Da dies ein hochkompliziertes Thema ist und man sich dem nur annähern kann, hatte ich die Idee, das in Form eines E-Mail-Austausches zu tun, welchen ich mit der 35jährigen Katharina (Name geändert) habe, die mich in einem Forum angeschrieben hat und mich um Rat fragte, wie sie an (ältere) Frauen herankommen könnte. Ich freute mich darüber, dass sie sich traute viele Fragen, die sich die meisten nur heimlich oder ganz versteckt im Unbewussten zu stellen wagen, bewusst auszusprechen und auch nicht davor zurückschreckte bestimmte Punkte bis zum Ende durchzudenken.

Ich habe versucht aus unserem Briefwechsel eine Art Collage zu erstellen, der neugierig-offenen und frauenbegehrenden Frauen hoffentlich ein bisschen hilft selbstbewusster an die Sache heranzugehen:


Teil I: Neue Realität erkennen und anerkennen

Katharina schrieb mir:

Ich befinde mich gerade in einer neuen Lebensphase und habe beschlossen: ich bin nun offen für alles, was da auf mich zukommen wird, was das Thema Liebe betrifft.
Bin mitte dreißig, aber verliebe mich seit meiner Kindheit ebenfalls immer mal wieder in ältere Frauen. Ich kann mich genauso gut in Männer wie in Frauen verlieben und hatte auch schon Beziehungen zu Männern.
„Man liebt nicht Männer oder Frauen – sondern Menschen“ – habe ich mal irgendwo gehört :-)
Bei den Frauen, in die ich mich verliebe, handelt es sich meist auch um ca 10-20 Jahre ältere reife, sinnlich und weiblich wirkende Frauen, die Stil und Klasse haben und auch kulturell/künstlerisch weltoffen und interessiert sind und die teilweise auch auf Frauen und Männer stehen.

Es ist oft so, dass mich in letzter Zeit auf der Straße andere (ältere) Frauen ansehen – freundlich zugewandt; manche lächeln mich auch mal an. Ich weiß das aber noch nicht so genau zu deuten.
Ich wohne hier in einer eher ländlichen Gegend in einer Kleinstadt, wo man nicht vermutet, dass es hier so viele Frauen gibt, die auch beiseitig orientiert sind.
Ich sehe es aber als gutes Zeichen, dass ich zumindest, die von mir angestrebte neue Offenheit ausstrahle :-) […]

Gibt es da ein gewisses beiseitiges Einverständnis auf einer tieferen Ebene und man muss gar keine
„Zeichen“ wie Regenbogenfarben tragen (hab ich irgendwo gelesen ;-)), um sich gegenseitig zu erkennen?[…]

Ich bin echt gespannt, wie es bei mir weitergeht. Es ist ein seltsames Gefühl, wenn man innerlich dazu steht, aber es gerade im Außen nicht ausleben kann. Fühle mich einerseits gut, andererseits zerissen – ganz zu schweigen von den vielen Gedanken und Fragen, die eine solche – wenn vielleicht auch nur vorrübergehende Lebensweise- mit sich bringen wird …und dann die Gedanken an die Vergangenheit. Was wäre gewesen, wenn es mit bestimmgen Frauen doch geklappt hätte, wo man sich nie getraut hatte, aber dieses gewisse etwas im Kontakt gespürt hatte…

Bei mir ist es aber eher so, dass ich mich grad total schäme, wenn ich manchen Frauen tiefer in die Augen schaue, da ich dann denke, dass sie denken, ich grabe sie grob an und sich dann vielleicht zurückziehen oder mich für rein „lesbisch“ halten (was ich ja auch nicht bin).
Ich merke an bestimmten Gesten, dass viele Frauen es sofort spüren, wenn man sie tiefer anschaut und körperlich auf irgendeine Weise sofort reagieren – aber das jedes mal zu deuten ist echt schwer…
Manche werden nervös, andere schlagen sofort die Beine übereinander, andere werden kühl ect…. also, alles echt nicht einfach.


Ich antwortete ihr:

Was du so schön beschreibst sind auch die Beobachtungen, die ich selbst gemacht habe. Es gibt eine nonverbale Kommunikation auf einer anderen Ebene. Manchmal schaue ich einer Frau in die Augen und sie weiß beim ersten Blick, dass da was laufen könnte. Ob es dazu kommt ist eine andere Frage… ;-) jedenfalls liegt man mit dem eigenen Gefühl meistens richtig… ich habe mit einer Frau, mit der ich mal was hatte, hinterher über diese Momente gesprochen, wo Spannung zwischen uns war und sie hatte es exakt genau wie ich beobachtet.

Du brauchst dich für so etwas nicht schämen, wenn du eher feminin bist dann nehmen die meisten Frauen das eher positiv auf (manche werden sogar richtig erregt davon ;-)).

Und natürlich gibt es auch welche, die nur bewundert werden wollen, total hetero, asexuell, zu konservativ was auch immer sind, die dann blöd reagieren, das ist normal.

Mein Tip übrigens – schau dir mal die alten Hollywood-Schauspielerinnen wie Marlene Dietrich, Greta Garbo oder Joan Crawford an. Sie haben alle Frauen geliebt und sind dadurch eher weiblicher und erotischer geworden, hatten ein überdurchschnittlich hohes Charisma, das ist aber den wenigsten Menschen bekannt…


Katharina schrieb:

Schön, dass du das mit der geheimnisvollen anderen Ebene zwischen Frauen ebenfalls so wahrnimmst.
Also täusche ich mich eigentlich nicht in dem, was ich bisher beobachtet habe… Das tiefe in die Augen schauen ist extrem bedeutsam bei Frauen.
Frauen sind auch höchst sensibel für Schwingungen. Leider reagieren sie auch oft subtil und unerklärlich, setzen manche Gesten sehr gezielt ein und verdecken wiederum andere bewusst. Oft spielen sie auch mit einem. Flirten, lächeln, um dann plötzlich kühl und abweisend irgendwas total rationales einzuwerfen.
Frauen, Menschen allgemein werden gerne begehrt und finden das Begehrtwerden durch andere erotisch (geht mir genauso). Aber dann weiter zu gehen und aus dem harmlosen unverbindlichen Flirt etwas Ernstes werden zu lassen – dafür sind weder im alltag Frauen mit jedem „dahergelaufenen“ Mann bereit – noch Frauen mit jeder Frau, mit der sie kurz flirten oder ein Lächeln austauschen – was das ganze noch schwieriger macht.
Da hilft nur das langwierige aufbauen einer intensiven Freundschaft zu einer solchen älteren Frau, die emotionle und körperliche Nähe mit der Zeit möglich macht.


Ich schrieb:

Es gibt nicht einen magischen „Trick“ oder so, sondern jeder Frau muss man anders begegnen. Weil ich jünger bin (und auch relativ jung aussehe) kann ich bei älteren Frauen aktiver sein, ohne dass ich mich als „Mann“ fühle.
Du musst schauen, was für ein Typ Frau du bist – wenn du z.B. zierlicher bist als die andere Frau, dann musst du aktiver sein, denn sie fühlt sich sonst bei dir als Mann und bekommt Komplexe. Wenn du etwas kräftiger gebaut bist, kannst du auch aktiv sein, ohne ein schlechtes Gefühl zu bekommen, indem du die Frau „bemutterst“, sie z. B. mit mütterlichen Gesten berührst.
Die Kunst liegt in der Berührung – eine Berührung überträgt Energie, oder sie kann sie nehmen – Frauen merken das sehr schnell.

Es gibt Frauen, bei denen man sehr sexuell sein kann und bei anderen weniger. Man kann auch ihr Begehren erwecken… Frauen erregt es extrem, wenn du als Frau Aktivität ausstrahlst.
Und man muss sich einer Frau, die man mag, innerlich zuwenden, ihr viel zuhören und auf sie eingehen, das ist das wichtigste überhaupt.

Mein Tip: du musst bei einer Frau, die du willst es mehrmals versuchen und darfst dich nicht entmutigen lassen. Es ist außerdem gut eine Freundin zu haben, die dir als Coach dabei dient, dich berät und ein gutes Urteilsvermögen hat (das beste ist, sie kennt die Frauen auch persönlich).


Katharina schrieb:

Ich tue mir auch tatsächlich schwer mit einer männlich-forschen Herangehensweise, versuche mehr über Wärme, intensive Blicke, Lächeln, Sinnlichkeit, Charme und Humor. Manchmal blicke ich aber auch verlegen zur seite, wenn mich eine Frau zutiefst berührt/erregt/erotisiert.

Frauen wollen aber, wie du richtig schreibst und genau das erregt mich als Frau auch sehr schnell, wenn die andere Frau die Initiative ergreift, wenn sie erotisierend die Hand etwas länger und fester auf die Hand der andern Frau legt und ihr dann dabei plötzlich tief in die Augen blickt. So machst du es also sehr richtig!

Ich bin eher der Typ, der den Grund für eine längere intensive Umarmung braucht. Wenn es um Trost geht oder so. Man umarmt sich lange und plötzlich wird der Übergang fließend, man dreht den Kopf zu Seite, zum Hals usw. usw. so stelle ich mir das in meinen Tagträumen auf jeden Fall immer vor.
Denn wie gesagt: es ist ja noch nie bis dahin gekommen bzw. darüber hinaus gegangen…

Ich bin auch der Typ Frau, der anderen Frauen Komplimente macht, ihnen Briefe schreibt mit zarten (nie zu offenen) Andeutungen, der zum Abschied kleine Geschenke macht (ähnlich wie im eurem Artikel über romantische Frauenfreundschaften; der übrigens sehr gut geschrieben war).

Das Erobern fällt solchen frauenliebenden Frauen wie uns schwer.
Wir haben die Märchenprinzutopie erstmal ablegen müssen bzw. sind noch dabei, wir sind dabei unseren Stolz, unser Selbstbewusstsein zu entdecken.
Die Männer sind darüber verwirrt und trauen sich nicht mehr uns auf offener Straße anzusprechen. Sie sind völlig überfordert mit unserer Verwandlung und in der Konsequenz ziehen sie sich scheu vor den Frauen zurück oder machen auf Totalfrau, besuchen Yogakurse und haben gespieltes Verständnis für alles und wollen über alles reden, werden weicher als weich, das finden dann auch die wenigsten Frauen noch erotisch.

Die Frauen aber, die wir begehren, kommen aus einer anderen Generation, in der der Mann eine viel klarer definierte Rolle hatte, da waren sie die Eroberer und die Frau die zarte, weiche, sich öffnende.
Und diese Frauen sind in „festen“ Händen, in fester Ehe, leben mit geregeltem Einkommen und Tagesablauf.

Und nun kommen wir „neuen“ Frauen, eine neue Frauengeneration, die sich herauslöst aus den alten Mustern und Verstrickungen ihrer Eltern, schöne Frauen, stolze, gebildete weltoffene Frauen, die sich nehmen, was sie wollen, die Ihresgleichen suchen, die den Beruf ausüben, den sie wollen, die sich umgeben, mit wem sie wollen.

Das fasziniert die ältere Frauengeneration sicher an uns – um hier auch mal unsere Reize hervorzukehren!
Diese Frauen spüren den Aufbruch, den Wind der Freiheit und möchten daran teilhaben, möchten ein Stück dieses Aufbruchs in ihrem Leben intergrieren, indem sie sich mit uns verbinden, da sie sonst den Eindruck haben, nicht erfüllt genug gelebt zu haben.

Aber da werden sie, wie ihr treffend schreibt, zu Teenagern und wir auch, da wir nicht gelernt haben, Frauen zu „erobern“, sie zu umwerben.
Und diese Frauen kennen das nicht von anderen Frauen.
Da ist also erstmal eine große Verwirrung: die Gefühle sind da, knisternde Erotik, der Aufbruch ist spürbar und dennoch stehen wir jungen Frauen und diese älteren Frauen uns gegenüber wie zwei Wesen zweier Planeten, die sich um ein und denselben Stern drehen – schön, faszinierend, fremd und vertraut, sich anziehend und doch oft unerreichbar füreinander.

Kann es die Lösung sein, dass wir nun die Erobernden werden bzw. uns verhalten wie die typischen erobernden Männer, wie Jäger?? Wäre es nicht auch sinnvoll, diesen älteren frauen beizubringen, dass sie auch ein Recht haben, so zu leben und die zu lieben, die sie möchten…?
Aber da müssen die erstmal alle in Therapie oder Selbsterfahrung ;-)

Wie ist mir das mit den Frauen eigentlich klar geworden, dass sie einem Signale senden?

Ja, also: ich sehe das daran, dass sie mich etwa auf der Straße offen und interessiert oder auch intensiv, fast liebevoll bewundernd ansehen und mich einfach so anlächeln oder grüßen und die eine oder andere hat auch mal unverbinlich ein Gespräch an der Kasse mit mir angefangen über ein Produkt im Einkaufswagen.

Ich spüre es dann im näheren Kontakt, wenn eine Frau sich verlegen durchs Haar streicht, ihre Augen leuchten, sie hält zu mir intensiven Blickkontakt und lächelt viel, es wirkt wie ein Flirten.
Andere Frauen berühren einen auch öfters wie zufällig am Arm, an der Hand, suchen körperliche Nähe auf dezente Weise. Manche haben mir schon auf die Brüste geschaut.

Einer Frau, der bewusst ist, dass sie auch auf Frauen steht und die einen toll findet, geht da meiner Meinung nach auch etwas bewusster und gezielter dran (z.B. meine Anleiterin in England), man spürt an intensiven Blicken, dass sie mit einem flirtet, sie lässt sich auf ein „Liebesspiel „auf einer nonverbalen Ebene ein und ich spüre dann vor allem eine große Offenheit von seiten der anderen Frau, ganz viel Wärme, Energie fließt, etwas Liebevolles im Kontakt entsteht – das sind große Gefühle, die da aufbrechen, wenn zwei Frauen sich anziehend finden; das kann man nicht ganz mit Männern vergleichen.
Allerdings stelle ich das mit dem durch die Haare streichen auch bei Frauen fest, die meines Erachtens ganz sicher nicht auf Frauen stehen. Das kann also auch eine Verlegenheitsgeste sein.
Solche beidseits orientierten Frauen strahlen oft etwas sehr Intensives, eine große Offenheit aus und sie strahlen überhaupt – sinnlich, offen, da sie diese Seiten ja offen ausleben, was ihre „Aura“ oder was auch immer erstrahlen lässt.
Das würde aber auch bedeuten, dass wir auf andere Frauen eben auch wegen dieser offenen Liebesfähgkeit anziehend wirken.

Wenn eine Frau mich anziehend fand, habe ich beobachtet, dass sie meine Nähe suchte, so, wie es auch ein Mann tut, der Interesse an einem hat. Sie schaute öfters zu mir her. Auf nonverbaler Ebene gingen wir eine Art unausgesprochenes „Bündnis“ über Blicke ein.
Mit suchenden Blicken versicherte sie sich meiner Zuneigung und Aufmerksamkeit.
Vieles geschieht auch über das Lächeln.
Lächeln zwischen Frauen ist eine ganz eigene Geheimsprache. Was habe ich schon mit Frauen über die verschiedensten Arten des Lächelns die verschiedensten Inhalte kommuniziert und vor allem Sympathie signalisieren und Nähe schaffen können.

Im Gespräch mit solchen Frauen konnte schnell eine sehr große Nähe entstehen. Man begegnete sich in der Tiefe, auf seelischer Ebene oder Herzensebene – weniger auf Verstandesebene. Das kann einen umhauen und sehr verwirrend sein.

Viele machen einem auch Komlimente:
„Mit dir kann man sich so gut und tiefgründig unterhalten.“
„Da ist eine ganze besondere Offenheit und Wärme zwischen uns.“
„Es ist sehr angenehm, mit dir zusammen zu sein.“
„Du bist mir wichtig.“
„Mit dir kann ich über alles reden.“
„Ich glaube, wir sind seelenverwandt.“
usw.


Ich schrieb:

Dieses liebevolle, offene Wesen, was du so schön beschreibst, die Fähigkeit sich einzufühlen, Empathie, überhaupt eine Frau mit ihren Stärken und Schwächen sehen zu können (und nicht die eigene Projektion auf sie zu legen), ist es, denke ich, was Frauen an mir mögen. Natürlich sind Attraktivität/ ein sinnliche Ausstrahlung und ein nettes Äußeres von Vorteil, aber es ist vor allem die Fähigkeit zu einer Kommunikation auf einer „tiefgehenderen“ Ebene, in die sich Frauen verlieben, dass auf sie als ganze Person eingegangen wird und sie nicht als bloßes Sexualobjekt gesehen werden.

Mit der Zeit, als ich immer bewusster wurde, sah ich ein Muster in meinen Begegnungen mit Frauen (ich sah sie nicht mehr so als Einzelfälle). Z. B. habe ich im Büro, wo ich ein Jahr einen kleinen Nebenjob hatte, zwei Kolleginnen ca. Anfang 30 gehabt, mit denen ich meistens alleine war viel gequatscht habe. Dann erzählte ich auch irgendwann von meinen Lehrerinnen und dass ich die so toll fände (auch in sie verliebt wäre) und sie fragten mich speziell nach diesem Thema am meisten aus. Beide wollten sich, nachdem ich aufgehört hatte zu arbeiten mit mir weiter privat treffen und die eine erzählte mir dann sogar, dass sie mal geglaubt hätte, sie sei lesbisch und dass die Beziehung mit ihrem Freund irgendwie langweilig sei (keine richtige „Liebe“ eher Freundschaft). Ob sie in mich tatsächlich verliebt waren, weiß ich natürlich nicht, aber es herrschte bei beiden ein ziemlich großes Interesse am Thema Liebe zwischen Frauen, und das habe ich immer wieder beobachten können, wenn ich mich mal bei einer Frau auf irgendeine Art und Weise „outete“.

Mir wurde es dann langsam immer bewusster, dass viele Frauen sich eben speziell für dieses Thema interessieren und dann fing ich auch an mit kleineren Gesten (z. B. kurz über den Arm streicheln, oder etwas länger umarmen) meine Wirkung etwas zu steigern. Wenn dann etwas zurückkam steigerte sich das dann manchmal hoch, dass die eine etwas „krasser“ wurde und die andere das dann versuchte zu „toppen“. Mir ist aufgefallen, dass, wenn man in einer reinen Frauengruppe ist, die Frauen manchmal anfangen einen nachzumachen und mit anderen Frauen flirten, aber es muss schon eine lockere Atmosphäre und das richtige Umfeld sein.

Tja.. das mit den älteren Frauen, das ist wirklich nicht so einfach, vor allem, wenn sie ganz anders sozialisiert als man selbst sind, und man sich in das Ausmaß der Angst nur schwer hineinversetzen kann. und sie haben eben auch ganz andere Vorstellungen von Geschlechterrollen als man selbst, jüngere Frauen gehen ja auch auf Männer schon viel aktiver zu als früher.
Und was besonders Claudia schon einige Male erleben musste, war, dass viel geflirtet und sehnende Blicke ausgetauscht wurden, sie sogar mit einer Frau geschlafen hatte und dann plötzlich von einem Tag auf den anderen hatten diese Frauen plötzlich einen Freund oder haben geheiratet ohne etwas zu sagen (eine ließ sich sogar in eine andere Stadt versetzen). Alles war so, als wäre nie etwas gewesen, das sich „Einlassen“ und das Herz, was sich immer mehr geöffnet hatte, es wurde einfach geleugnet und verdrängt. Ich denke, dass die meisten Frauen die eigenen Gefühle, wenn sie für eine andere Frau plötzlich da sind, das Begehren und die Liebe, das fast unerträgliche Ausmaß an Intimität und seelischer Nähe, oft sich überhaupt nicht eingestehen können. Sie haben nie gelernt ihr Begehren als maßgeblich zu sehen, und es passt nicht in ihr Leben und in diese Welt. Es ist zu unbequem sich auf eine Liebe einzulassen, die offiziell nicht existiert, es ist wie auf einem Seil ohne Sicherheitsnetz zu balancieren.
Ich sehe auch das Problem darin, dass viele, vor allem gut aussehende Frauen, durch Männer einen höheren Status gewohnt sind und mit einer Frau oft einen sozialen Abstieg in Kauf nehmen müssen (da Frauen ja bekanntlich nicht so viel wie Männer verdienen und auch über weniger Kontakte und Netzwerke im Berufsleben verfügen).
Man muss als frauenliebende Frau sehr viel kämpfen, wird erst mal zum Außenseiter und hat nichts wonach man sich irgendwie richten kann. Das würde sich ändern, wenn immer mehr Frauen sich trauen würden, über ihren eigenen Schatten zu springen und es bei anderen Frauen, die sie mögen, einfach zu versuchen. Dann würde auch die Realität, in der wir leben, sich langsam mit uns ändern.

Ich habe mich mit begehrendes „Objekt“ etwas blöd ausgedrückt… man ist natürlich das begehrende erotische Subjekt, aber nicht nur, man kann auch zum Objekt wechseln, je nach Situation. man streicht sich durch die Haare und schaut dann die Frau mit einem fordernden Blick an, oder man betrachtet sie einfach ganz ruhig, wenn sie gerade woanders hinschaut… es ist nicht so in Rollen festgelegt, sondern es wechselt ständig – begehren, begehrt werden, Liebesgefühle, sexuelle Gefühle wechseln sich ab und gehen fließend ineinander über.
In diesen ganzen Feinheiten liegt das „gewisse Etwas“, die Art zu lächeln, der Blick, die Gestik und es gibt so eine sexuelle Energie/Spannung, die man aufbauen und immer mehr steigern kann…

Manchmal wollen Frauen auch einfach nicht, wenn sie spüren, dass du zu bedürftig bist und eher bei ihnen Halt suchst, jede Frau sucht Halt und Schutz. Ich weiß, das ist schwer, weil wir alle so sind... am Anfang muss man manchmal ein bisschen „bluffen“, meistens wollen sie, dass du die Richtung angibst.

(Fortsetzung folgt…)