Frühlings- und Osterzeit ist auch Spaziergehzeit und da trifft man sie wieder überall: die händchenhaltenden Paare in der Öffentlichkeit. Sie bevölkern die sonnenhellen Parks und Boulevards, schlendern zwillingsgleich nebeneinander her, der Mann fast immer einen kaum erkennbaren Schritt voraus und seine Hand dabei schützend über die seiner Partnerin gelegt. Liebesbeweise en masse, oder nur heterosexueller Besitzerstolz? Lesbische und schwule Paare können jedenfalls mit dieser kleinen, in aller Öffentlichkeit ausgeführten Geste/Berührung entweder unkonventionelle, heteronorm-sprengende Er- und Bekenntnisse bewirken, oder eben auch viel Ärger verursachen.

Also was bedeutet diese, hier mittlerweile so alltäglich gewordene Geste des „Händchenhaltens“ eigentlich? Und gab es sie in allen Kulturen und Zeiten? Bei Wikipedia ist nachzulesen, dass bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts das Händchenhalten in der Öffentlichkeit auch im westlichen Kulturkreis weitgehend nicht akzeptiert war, und im asiatischen oder arabischen Raum ist es bis heute noch nicht so wirklich so gang und gäbe, denn Intimitäten zwischen Mann und Frau gehören dort ausschließlich hinter die eigenen vier Wände. Das „einander an der Hand halten“ zwischen Mann und Mann ist dort hingegen oft erlaubt, symbolisiert es doch nur eine gute Männerfreundschaft und kann daher in vielen dieser Länder bis heute noch im Straßenbild beobachtet werden. Vorläufiges Fazit: Zwei Männer dürfen also, Mann und Frau eher nicht, und von zwei Frauen ist erst gar nicht die Rede (vielleicht weil anständige Frauen auf den öffentlichen Straßen dieser Welt eh nichts zu suchen haben…?).

Gestern erst habe ich mit einer Freundin über dieses Thema diskutiert und da hat sie mich auf eine etwas andere Idee gebracht. Denn vielleicht ist die symbolische Bedeutung des „Händchenhaltens“ zwischen Mann und Frau (und eine Symbolik beinhaltet diese Geste auf jeden Fall), neben dem des heterosexuellen Besitzerstolzes, auch eine die des „in die öffentliche Welt Geleitens“? So nach dem Motto: An meiner Hand darfst du deine Jahrtausende alte Frauen- Kinder- und Haushaltswelt verlassen und die öffentliche StraßenWelt der Männer betreten; aber nur mit mir und als mein kleiner Bruder, der für immer unter mir bleiben sollte. Ist dieses „Händchenhalten“ hier also eigentlich eine Geste der Emanzipation, die sich mittlerweile aber irgendwie „aus-emanzipiert“ hat? Weil die Frauen im 21. Jahrhunderts  zwar in die Straßen der Welt drängen wollen/dort sichbar sein/was verändern möchten, aber das eben nicht mehr an seiner Hand und als sein Bruder und schwuler EmanzipationsKlon?

Fazit: Frauen sind eben doch keine Männer (=Gleichheitsfeminismus) und Frauengruppen daher keine Brüder und sich von dem Freund an der Hand halten zu lassen ist eher peinlich, und als frauenliebende Frau diese Geste nachzuahmen genauso; und außerdem ziemlich heteronormativ. Ich schlage daher als Alternative das „sich gemeinsame Unterhaken“ oder „Arm in Arm gehen“ vor. Von der Symbolik her wahrscheinlich auch männlich (wie alles in dieser Welt…) aber doch irgendwie anders. Zwar ebenso körpernah aber doch nicht so ganz männer-schwul-und-brüderlastig.