Zum Thema erotische Begegnungen mit Frauen habe ich hier eine kleine Geschichte aus meinem Leben aufgeschrieben, die ich, da sie schon abgeschlossen ist, hier gerne auf die Seite stellen möchte.
Sie beschreibt meine ersten prägenden sexuellen Erfahrungen mit einer Frau, die passiert sind, als ich mich selbst noch als „hetero“ definiert habe. Die Frau, die mich damals verführte (es ging eher von ihr aus), war die Mutter einer Freundin von mir, sie war verheiratet und nicht berufstätig.
Ich möchte damit zeigen, dass es lesbisches Begehren jenseits der Lesbenszene und der damit verbundenen – meiner Meinung nach – künstlichen sexuellen Identität gibt, dass es nämlich bei fast jeder Frau vorkommt und oft in Ausnahmesituationen entsteht, wenn man sich körperlich aus anderen Gründen näher kommt (die eine Frau tröstet die andere und beide spüren plötzlich ein erotisches Begehren, das aufeinander gerichtet ist). Ich dachte damals, dass diese Erfahrung ein Einzelfall und Zufall war, erst viel später habe ich gemerkt, dass ich eine solche Begegnung auch bewusster herbeiführen kann, da ich nicht mehr so an die Heterosexualität bei Frauen glaube und deswegen mehr auf die Signale achte, die sie mir senden.

Als ich mein Studium begann, zog ich in ein kleines 1-Zimmer-Appartment im Erdgeschoss eines Altbaus in der Nähe der Universität. Ich hatte ein neues Leben, doch die Umstellung von der ständigen Anwesenheit meiner Familie zum plötzlichen auf sich alleine gestelltsein in der neuen Stadt und im Studium überforderte mich in den ersten Monaten.
Die Semesterferien verbrachte ich tagelang allein und depressiv in meiner Wohnung, ich sehnte mich nach Liebe und nach jemanden der ganz für mich da war – doch da war einfach nichts, nur dieses Studium in dem ich mich nicht wirklich wohl fühlte, Komilitoninnen, die zwar nett, aber ebenso verunsichert wie ich waren (und sich schnell einen Freund suchten) und meine Eltern, die mir ständig im Nacken lagen, ich solle bloß schnell fertig werden, damit sie nicht mehr finanziell für mich aufkommen müssten.

Dann zog eines Tages Laura in die Wohnung, die direkt gegenüber vom meiner lag, ein und alles änderte sich. Laura war genauso alt wie ich, arbeitete als Modell und wir verstanden uns auf anhieb. Sie rauchte gerne Haschisch und hatte eine Schwäche für afrikanische Männer, die ihr beim renovieren der Wohnung behilflich waren und von denen sie immer sagte, dass sie besser „ficken“ könnten als Europäer. Als sie sich mir am ersten Tag vorstellte betrat sie nur mit einem weißen Handtuch bekleidet meine Wohnung, sie grinste mich an als ihr Busen scheinbar zufällig herausfiel und zündete sich einen Joint an.
Wir verbrachten von nun an viel Zeit miteinander, sie konnte ausgezeichnet kochen und fast jeden Tag gab es bei ihr irgendeinen Besuch und ich lernte mit der Zeit die halbe afrikanische Community kennen.
Als sie ihren 21. Geburtstag feierte war ihre Mutter auch mit dabei. Brigitte stand ihrer Tochter an Attraktivität in nichts nach, nur war sie etwas kleiner mit einer zierlicheren und weiblicheren Figur und hatte mit Ende vierzig genau das Alter in dem manche Frauen diese melancholische Ausstrahlung bekommen, die sie für jüngere Frauen wie mich so anziehend machen. Sie schien sich innerlich nicht wie 48 zu fühlen, denn sie und Laura verhielten sich eher wie beste Freundinnen als wie Mutter und Tochter. Brigitte war mir am Anfang etwas suspekt, denn sie war das genaue Gegenteil von meiner eigenen Mutter – Hausfrau, sehr weiblich, mütterlich und gleichzeitig erotisch und irgendwie jung geblieben, ohne dabei peinlich zu wirken.
„Deine Mutter sieht aber ziemlich gut aus für ihr Alter.“ gestand ich Laura eines Abends nachdem ich eine dreiviertel Flasche Wein geleert hatte. „Aha… stehst du auf sie?“ sie lachte, zog genüsslich an ihrem Joint und schaute mir tief in die Augen. „Ich kann verstehen, dass du sie magst, ich finde meine Mutter auch ziemlich süß.“
Laura hatte in ihrer Wohnung ein antikes Klavier an dem ich manchmal meine Chopin-Walzer übte. Als Brigitte eines Tages wieder zu Besuch war beobachtete sie mich dabei von hinten – ich spürte wie ihr Blick sich regelrecht in meinem Rücken bohrte. „Kannst du auch Musical spielen?“ fragte sie mich. Klassische Musik war ihr zu depressiv, das Leben sei schon schwer genug, da müsste man sich nicht noch in so etwas reinsteigern.

Ich sah Brigitte dann wieder lange Zeit nicht und vergaß sie völlig. Laura war oft verreist, da sie auch Aufträge in anderen Städten und im Ausland hatte. Als sie wieder über das Wochenende unterwegs war bekam ich von ihr einen Anruf. „Bitte leg meiner Mutter den Schlüssel von meiner Wohnung unter die Matte, damit sie rein kann, sie hat sich mal wieder mit meinem Vater gestritten. Kannst du heute abend auch mal schauen, wie es ihr geht?“
Abends klopfte ich also wie beauftragt an Lauras Wohnungstür und musste ziemlich laut werden, bis sich etwas regte. Im blaugestreiften Schlafanzug, mit verweintem Gesicht und deutlicher Alkoholfahne öffnete Brigitte mir und ich fühlte mich von der plötzlichen Intimität der Situation etwas überrumpelt. Aber sie bestand darauf, dass ich ihr Gesellschaft leistete und ich hörte mir die ganze übliche Geschichte von der SMS auf dem Handy ihres Mannes von der Sekretärin usw. an.
Sie hatte ziemlich viel getrunken, denn sie kuschelte sich an mich und sagte mir zwischendurch immer wieder wie süß ich doch sei – „Und kannst du mir nicht noch etwas auf dem Klavier vorspielen…?“ sagte sie mir vom Bett aus und warf mir begehrliche Blicke zu.
So kam es, dass ich dann irgendwann mit ihr zusammen in Lauras Bett lag und sie sich von hinten an mich schmiegte. Ich fühlte mich völlig von ihr eingehüllt, in ihr geborgen, ihr weiches Haar kitzelte meine Wange und sie roch trotz der Alkoholfahne betörend gut. Noch nie war ich so glücklich wie in diese Moment.
„Hast du schon mal… mit Frauen?“ fragte sie mich und drückte sich noch fester an mich.
Lange Stille.
„Ein bißchen… und du?“
„Nee… noch nie. Bist du… lesbisch?“, der freudige Unterton in ihrer Stimme war nicht zu überhören.
„Weiß ich nicht. Es gibt doch viele Frauen die so sind, oder?“
„Also bei den Frauen in meinem Alter eher weniger.“ sagte sie nachdenklich.
Dann wieder lange Stille.
„Du bist so schön, weißt du das? Du musst dich nicht schämen… Ist doch ok, dass du Frauen magst. Vielleicht bin ich ja auch ein bißchen… lesbisch?“
Dann zog sie mein Gesicht an ihres und gab mir einen langen Kuss, den wir beide im ganzen Körper, in jedem Glied spürten.
„Streichel mal meine Brüste.“
Noch bevor ich es realisieren konnte, zog sie ihr Oberteil aus und ihr kleiner fester Busen blitze mir entgegen. Sie hatte dunkelrote Brustwarzen, die steil aufgerichtet waren.
„Küss sie.“ flüsterte sie erregt.
Ich gehorchte bereitwillig, dann hielt sie inne.
„Willst du mit mir schlafen? Wollen wir miteinander schlafen?“ sie schaute mir tief in die Augen.
„Ich weiß nicht. Ich habe Angst.“ flüstertete ich kaum vernehmlich.
„Ich auch. Sowas hab ich noch nie gemacht, nicht, dass du irgendetwas von mir denkst.“
„Ich auch nicht.“
„Wollen wir es tun? Aber nur einmal ok? Danach vergessen wir alles. Und wehe, du erzählst Laura irgendetwas, ich möchte nicht, dass sie das weiß.“
„Mache ich nicht.“
„Versprochen?“
„Versprochen.“

Ich wollte danach in meinem eigenen Bett schlafen, denn ich fühlte mich emotional überfordert – diese plötzliche Nähe zu einer mir fast fremden Frau und die eigenartige Verquickung von bemuttert werden und Sexualität brachen in mir Gefühlswelten auf, die ich so noch nie gekannt hatte und die mich wie ein Sog in eine unbekannte Welt, in ein neues Universum rissen. Ich lag die ganze Nacht wach und konnte an nichts anderes mehr denken, dachte nur an SIE, diese Frau, die so gut roch und deren weicher nackter Körper den meinigen und meine Seele bis auf ihrem tiefsten Grund berührt hatte. Ich steigerte mich in Liebeswahn hinein und schwankte zwischen Rauschzuständen und archaischen Ängsten.
Am nächsten Morgen frühstückten wir zusammen. Brigitte lächelte mich verliebt über den Frühstückstisch hinweg an. „Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können. Ich musste so viel nachdenken, mein Kopf wollte gar nicht mehr aufhören damit.“ Ich erwiederte nichts darauf, tief in meinem Innersten wusste ich, dass es alles beim Alten bleiben würde. Sie war verheiratet und beruflich nicht unabhängig, dass solche Faktoren eine Rolle spielten war mir schon damals klar.
Sie wollte am abend wieder mit mir schlafen, aber ich spürte, dass es mir mehr bedeutete als ihr und wollte nicht mehr (es warf mich emotional viel mehr aus der Bahn als sie). Am Tag darauf fuhr sie zurück zu ihrem Ehemann und nahm folgsam ihre hausfraulichen Pflichten wieder auf.

Wir haben danach noch ein paar mal telefoniert, doch wir merkten schnell, dass wir uns auf der körperlichen Ebene mehr zu sagen hatten. Sie wollte auch keine Affäre mit mir haben, als sie merkte, dass ich mich in sie hineinsteigerte, für sie war es nicht die große Liebe, es wäre wohl eher eine Frau in ihrem Alter gewesen, für die sie ihren Mann und die finanzielle Sicherheit, wenn überhaupt, aufgegeben hätte.

Ich denke, dass sich bei ihr seitdem nicht viel geändert hat, doch mich hat dieses Erlebnis sehr stark geprägt. Vielleicht liegt es daran, dass bei mir die Karten noch nicht gefallen sind, mein Leben also noch vor mir liegt und ich es bis zu einem gewissen Grad mehr beeinflussen kann. Mir wurde nach dieser Nacht schlagartig klar, dass das mit Männern im Vergleich dazu nichts sein konnte, ich wollte von nun an mehr von diesem Gefühl und ich verdrängte noch lange, dass die Liebe, die ich erlebt hatte, sich jenseits des „offiziellen“ Lesbischseins ereignete, also noch etwas völlig Unsichtbares nicht Greifbares war. Es war zufällig passiert und es gab nie eine Fortsetzung, da für uns keine Rolle, kein Raum und keine Welt exisiterte, in der daraus hätte mehr werden können.