Miriam Meckel im SPIEGEL Interview. Sie spricht über ihr neuestes Buch „Brief an mein Leben“ (Burnout-Erfahrungen einer Karrierefrau – und ihrer Kritik an dieser Berufsrolle…?) – und über ihre lesbische Beziehung zu der Fernsehmoderatorin Anne Will und ihr gemeinsames Coming-Out im November 2007 per BILD: „Wir wollten einfach in der Lage sein, auf eine öffentliche Veranstaltung zu gehen und am selben Tisch zu sitzen. Und dafür mussten wir es einmal ertragen, dass dieses Foto gemacht wird.“ Danach sei erst mal „Großalarm“ gewesen, „aber das ging dann auch schnell wieder vorbei“. Auf die Anmerkung der SPIEGEL Interviewer, dass Meckel und Will das Klischee eines lesbischen Paares „korrigiere“ kam von ihr folgende Reaktion: „Ich weiß nicht, wie ein typisches Frauenpaar aussieht, deswegen weiß ich auch nicht, wie wir das Bild hätten korrigieren können.“ (Dass sowohl sie selbst als auch Will eher dem femininen Frauentyp entsprechen, sei für sie nie ein Thema gewesen, so Meckel.) „Wir haben nur überlegt, dass wir bei dem Prominentenstatus, den meine Freundin durch ihre Sendung hat, als Paar nicht einfach so durchhuschen können.“ Es sei denn, man verhalte sich „verkrampft“, sitzt ständig an getrennten Tischen, und dann hört es auf, erträglich zu sein„, sagte Meckel dem SPIEGEL. Zudem sei „das Private in dem Moment auch ein bisschen politisch“.

Meine Überlegungen zu Meckels kompletter Leugnung der maskulin-feminin Problematik innerhalb der Lesbenszene (und somit auch in der Gesellschaft) lauten: Ist sie wirklich so ignorant, narzisstisch und/oder vom Leben bevorzugt (tolle Karriere gemacht und durch Zufall auch noch die passende Freundin gefunden), dass sie es nicht bemerkt/sieht. Oder ist sie sich der Brisanz des Themas durchaus bewusst und will, eben durch diese schwammigen Formulierungen, die eh schon fragile Position von lesbischen/frauenliebenden Frauen in der Gesellschaft nicht noch mehr gefährden? Mir jedenfalls hätte sie durch „mehr Positionierung“ schon geholfen. Als öffentliche feminine Frau, die eine andere (öffentliche) feminine Frau liebt könnte sie so zeigen, dass man in dieser (eben immer noch sehr männerorientierten) Welt durchaus „mitzumischen“ kann. Als Frau – also ohne sich körperlich/äußerlich dem Mann anzugleichen (Lesben) – noch sich seelisch/innerlich allzu sehr an seine vorgegebenen Regeln zu halten (Karrierefrauen).