Leonor Fini (1908-96)

In den letzten paar Tagen hatten wir auf unserem Blog einige Besucher aus sogenannten AB- Foren. Sie hatte wohl einen Artikel, den sie gut fanden oder über den sie lästerten, mit ihrer Seite verlinkt. Neugierig klickte ich nun ebenfalls auf ihren Reffererlink und stellte fest, dass es sich um ein moderiertes und geschlossenes Forum handelt. Aha dachte ich mir, die schreiben also über Dinge, die nicht sofort jedem zugänglich sein sollen. Über was Intimes, „Perverses“ und  S…….. – oder handelt es sich gar um ein Missbrauchsforum? Aber warum verlinken die dann unseren Blog und welchen Text da drin? Vielleicht den über die Blutgräfin Báthory (kam leider in etlichen Gothic- Foren sehr gut an…seufz…), oder das Delta der Venus…? Und noch neugieriger geworden googelt ich nach den seltsamen zwei Buchstaben und fand dann folgende Definition: AB=“Absolute Beginner“ (Eigenbezeichnung) sind Erwachsene ohne Beziehungserfahrung, die sich hauptsächlich im Internet in Webforen über alle Belange der Beziehungslosigkeit austauschen.

Die müssen entweder „Spätes Coming-out“ oder „Wenn Frauen sich nicht trauen…“ verlinkt haben, schoss es mir sofort durch den Kopf und las weiter, z. B. in der Rubrik Abkürzungen und Jargonausdrücke: MAB ist ein männlicher AB und WAB ist ein weiblicher AB und OdB ist das Objekt der Begierde, also die Person, die man gerne als Partner hätte. Alpha bezeichnet in Anlehnung an das Tierreich, dominante Persönlichkeiten, die in ihren jeweiligen sozialen Zusammenhängen, tonangebend im Mittelpunkt stehen und dadurch auf Frauen sehr anziehend wirken sollen. Spätzünder ist Mensch, der zwar deutlich länger als die meisten Menschen gebraucht hat, um Erfahrungen zu sammeln, nach dem Einstieg allerdings keine AB-ähnliche Problematik mehr zeigt…. Ja und dann gab es da noch so schöne Begriffe wie: Anspruchs-AB, EX-AB, Gesichts-AB, Luxus-AB, Psycho-AB und Pseudo-AB

Jungfrau, alte Jungfer, spätes Mädchen, ewiges Mädchen, Betschwester etc. – dürften wohl die bekanntesten älteren Begriffe für den Mann – und beziehungslosen Zustand bei einer Frau sein. Dauersingle und Langzeitsingle sind dann eher die modernen Varianten. (Für die Frau wohlbemerkt, aber in der sogenannten „AB Szene“ wird zwischen Männern und Frauen nicht unterschieden, denn sie behaupten beim Singlesein keinen signifikanten Unterschied zwischen den Geschlechtern erkennen zu können. Es werden also Russinnen- und Thailandfrauenheirater – scheinen dort einen relativ großen Anteil auszumachen – mit Klemmlesben, und Klemmschwule mit VorMänneragsthaberinnen in einen Topf geworfen, um mal extreme Beispiele zu nennen.) Wie dem auch sei, in diesen Foren versammeln sich jedenfalls diejenigen, die unter ihrer Unerfahren- und Beziehungslosigkeit leiden. Über die Gründe des Alleinseins wird wild spekuliert und oft den ewigen Jungfrauen und langjährigen Junggesellen auch vorgeworfen, dass sie lesbisch bzw. schwul seien und es für sich nicht akzeptieren könnten. Was von ihnen dann aber meist vehement verneint wird.

Kann sein oder auch nicht, das mit dem Lesbisch- und Schwulsein, aber bei einigen trifft das wohl schon zu, denn sonst hätten sie ja nicht unseren Blog verlinkt. Wie dem auch sei, was diese Art von Foren aber sehr schön aufzeigen ist der enorme Druck, der auf Menschen zu lasten scheint unbedingt eine Beziehung mit regelmäßiger Sexualität vorweisen zu müssen. Denn wenn nicht, dann gleich ein XY- oder was auch immer- AB. Dieser unbedingte (und freiwillige!) Zwang zur Einordnung und Kategorisierung war es auch, der mich etwas entsetzt hat und der dem Leben irgendwie seine fließend bunte Vielfalt nimmt. Und es erinnert mich auch stark an die Praxis der ersten Sexualforscher wie Havelock Ellis oder Krafft-Ebing. Denn als sie im 19. Jh. begonnen hatten die Freundschafts- und Liebesgewohnheiten zu erforschen und zu kategorisieren, entstand überhaupt erst die Idee von der männlichen Lesbe oder des „im falschen Körper Steckens“. Und diese neue und von der Ärzteschaft kreierte homosexuelle Identität wurde von den Frauen später, in Ermanglung anderer Rollenvorbilder, übernommen und prägt bis heute das eher zweifelhafte Eigenbild vieler Lesben. So eine Kategorisierung und auch Pathologisierung bleibt also meistens nicht ohne Folgen …

Und vielleicht sollte daher mal näher über die Begriffe Freundschaft, Liebe und Sexualität nachgedacht werden. Wo sind die Grenzen, gibt es welche oder können sie einfach ineinanderfließen? Manchmal ist wohlmöglich eine Freundschaft viel intimer und bereichernder als eine sogenannte Beziehung, und manchmal ähnelt eine Beziehung mehr einer Freundschaft. Und es ist nicht alles Gold, was glänzt, denn sie (die Beziehung) kann auch ein emotional-körperlich-intellektuelles Grab sein. Man nimmt jemanden, weil es so üblich ist, und weil man nicht alleine sein will, und hat dann Sex, weil es ja so sein soll. Einsam zu zweit. Das habe ich auch in lesbischen Zusammenhängen schon zig Mal so erlebt und gesehen. Panisch wird nach der Lebensabschnittspartnerin gesucht und ist eine Beziehung dann beendet, muss sofort die Nächste her. Hauptsache kein Single mehr sein. Und Sex muss auch immer ganz viel stattfinden, manchmal aus Leidenschaft, aber oft nur aus Ermangelung wirklicher Kommunikation. Das Mann-Frau-Gewohnheitsmodell wird also auch von lesbischen Frauen unreflektiert nachgeturnt. Rein und raus – im heterosexuellen Bereich trifft man sich damit auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, denn Mann und Frau passen zwar ineinander aber oft eben nicht wirklich zueinander. (Vereinfacht ausgedrückt: Er guckt Fußball und sie geht shoppen und das einzig Gemeinsame ist dann der Sex.)

Also liebe AB- Forumsteilnehmerinnen und andere Torschlusspanische, ich plädiere mal für mehr gehaltvolle Freundschaften, anstatt immer nur zwanghaft nach DER BEZIEHUNG zu suchen. Es ist zwar sehr schön, wenn man sie findet, die Welt geht aber auch nicht unter wenn eben nicht. Es also ruhiger angehen lassen und mehr bei einer Frau darauf achten, ob sie wirklich zu einem passt und ob man sich mit ihr was zu sagen hat. Also nicht so viel  „Traumprinzessin“ in eine noch völlig Fremde projizieren, mehr zuhören was sie und was das eigene Herz sagt – und wenn es dann auch noch körperlich klappt, ist das schon fast schon wie ein Sechser im Lotto. ;-).

Wer sich diese irren Begrifflichkeiten der AB`s mal näher anschauen will, der klicke HIER.