Zu unserem wieder aktuellen Thema „Klemmlesben“ möchte ich eine meiner zahlreichen „Frauengeschichten“ hinzufügen ;-) – je länger wir an dieser Seite schreiben und je mehr Erkenntnisse wir deswegen bekommen, umso mehr habe ich meine Hemmungen abgebaut, „Hetero-Frauen“, die mir gefallen, bei verschiedenen Gelegenheiten wie Partys einfach anzusprechen und mit ihnen zu flirten. Nach meiner Erfahrung haben wirklich alle Frauen dieses „Frauen-geil-finden-Syndrom“ in sich drin und deswegen kann man, wenn man sich dessen bewusst ist, sie zu sehr interessanten Reaktionen bringen.
Als Opernsängerin lerne ich im Alltag viele „Klemmlesben“, also Frauen, die emotional sehr stark auf Frauen bezogen sind, kennen, denn sie scheinen sich besonders im künstlerischen Bereich wohlzufühlen, bzw. in den Berufssparten, die etwas mit Weiblichkeit und dem weiblichen Körper zu tun haben. Dies muss aber nicht die Regel sein, was mir letztens auf einer Party bei der ich als Sängerin aufgetreten bin, klar wurde.

Das ganze fand in einem neu eröffneten Friseursalon statt, an einem „Tag der offenen Tür“ – Leute aus dem gerade kulturell neu aufblühenden Viertel hatten dort ihre Stände mit Mode, Schuhen, Seifen, Taschen und ähnlichem aufgebaut und gegen Abend machte auch ich ein bißchen Werbung für meine Gesangeskunst mit einigen Opern- und Operettearien. So kam es, dass ich deswegen von einer Frau angesprochen wurde, sie war ca. Ende vierzig und hatte im Keller des Salons einen Stand mit Taschen und Filzsachen aufgebaut. Sie war mir schon aufgefallen, da sie eine tiefe verrauchte Stimme hatte und einen ziemlich großen Busen, auf den sie sichtbar stolz war. Sie war schon ziemlich „prollig“, aber sie hatte etwas an sich. Gegen abend kamen wir also bei einem Bier ins Gespräch und sie flirtete ziemlich heftig mit mir. Sie verschwand um bald darauf wieder mit ihrer Freundin Sabine im Schlepptau zu erscheinen, die ziemlich das Gegenteil von „Daggi“ war – eher damenhaft auch ca. Ende vierzig und wie sich später rausstellte mit einem Arzt verheiratet, den sie vor etwa einem halben Jahr aus der gemeinsamen Wohnung rausgeschmissen hatte. In dieser Zeit hatte sie auch Daggi kennengelernt und nun waren die beiden unzertrennlich, wie ich durch Sabines 18jährigen Sohn, der seiner Mutter an diesem Abend als Chauffeur diente, erfuhr. Er ließ es sich nicht nehmen freudig die intimen Details von Sabines und Daggis „Beziehung“ auszuplaudern. „Ich habe euch auch schon mal nackt zusammen gesehen.“ Es schien ihn nicht wirklich zu stören, dass seine Mutter sich seit einiger Zeit nun mit ihrer Freundin das Ehebett teilte. „Dann habt ihr auch schon mal miteinander geschlafen, wenn ihr zusammen nackt im Bett liegt, oder?“ fragte ich die beiden, die schon heftig angetrunken waren. „Neeiiin“ kreischten sie freudig „wir sind doch nicht lesbisch.“ und dann etwas kleinlauter: „Aber wir haben uns schon mal geküsst. Haben danach nicht darüber gesprochen, war uns irgendwie peinlich. Ist halt bei Frauen manchmal so, nicht wahr?“ Der Abend wurde immer länger und Sabine und Daggi waren ziemlich gut drauf. Irgendwann war es zu spät für eine Bahn und Sabine machte den Vorschlag, dass wir alle zu ihr fahren sollten. Fahren musste natürlich der Sohn und ich war heilfroh, dass er nichts getrunken hatte und das es ein Navi gab. In der Dunkelheit des Rücksitzes berührte Daggi meine Hand. „Dir wird schon nichts passieren, Kleines…“ Sie wurde ganz still, als ich ihre Hand weiter fest hielt. An einer Tankstelle wurde der Alkoholvorrat durch zwei weitere Flaschen Wein aufgestockt.
Als wir Sabines Haus betraten wurden wir von zwei riesigen huskyartigen Hunden begrüßt, japanische Polarhunde, wie mir Sabine erklärte. Das Wohnzimmer war mit antiken Möbeln ziemlich gut eingerichtet und ging fließend in die moderne Einbauküche über.
„Komm, ich zeig dir die Terasse!“ Daggi nahm mich mit nach draußen und ich konnte in der Dunkelheit den Garten erahnen.“Im Sommer kann man hier schön sitzen und träumen.“ Ich drückte mich an sie und sie küsste mich sofort. Als wir wieder reingingen ließ sie sich nichts davon anmerken.
Irgendwann saß ich mit Daggi und Sabine zusammen auf der Couch, die gleichzeitig ein dunkelhölzernes Gästebett aus dem 18.Jahrhundert war. Ich legte meine Hände auf ihre Schenkel und versuchte Sabine zu küssen. „Nee, nee, nee, wir machen jetzt keinen Dreier.“ sie lachten und schoben mich weg. „Na dann zieh mal deine Strumpfhose aus, kleine Sängerin.“ entfuhr es der ziemlich betrunken Daggi und ich schämte mich ein wenig. „Siehst du, du laberst auch nur rum.“ Als Daggi kurz auf Klo war küsste mich Sabine auf den Mund, sie küsste mich ganz schüchtern, so dass ich Mühe hatte, ihre Zunge mit der Meinigen richtig intensiv berühren zu können. Als Daggi wieder da war hörte sie abrupt auf. Es ging dann die ganze Nacht so weiter, ein ewiges Gerangel, ich fühlte mich irgenwann wie die Motte, die von den beiden Hunden mit der Schnauze auf dem Boden hin und hergeschoben aber nie gefressen wurde.
Dann gingen Sabine und Daggi nach oben schlafen und tauchten noch einmal bei mir auf – Daggi war nur in Unterwäsche und Sabine sagte mir „Gute Nacht“ indem sie mit ihren Händen in meinen Slip ging. Dann verschwanden sie kichernd und ließen mich in der Dunkelheit auf dem antiken Bett im geliehenen Micky-Mouse-T-Shirt mit den beiden wolfartigen Hunden zurück. In völliger Fassungslosigkeit lag ich die ganze Nacht wach und versuchte zu begreifen was passiert war.
Am nächsten Morgen war die Stimmung immer noch ziemlich heiter. Daggi zog sich einen Mantel über den Schlafanzug und holte für uns Brötchen. Beim Frühstückstisch saß später dann auch Sabines zweiter elfjähriger Sohn – der verstand sich gut mit Daggi, die mit einer Mischung aus Kumpelhaftigkeit und Mütterlichkeit Sabine einen Teil der Erziehung abnahm. Seit der Ehemann eine eigene Wohnung samt neuer Freundin bezogen hatte, herrschte bei Sabine der Ausnahmezustand – die beiden Söhne erzählten mir, dass sie seit der Papa weg war, viel mehr Spaß zusammen hätten, und der hätte eh immer nur gearbeitet und sich selten blicken lassen. Jetzt ging es bei ihnen eher wie in einer Art WG zu.
Gegen nachmittag nahmen die beiden mich noch mit auf Sabines (vom Ehemann finzanziertes) Pferdegestüt, wo ich relativ angeschlagen von der vorhergegangen Nacht die Tiere bewundern durfte. Auf der Rückfahrt Richtung Innenstadt erzählte mir Sabine, dass sie ihre Ausbildung als Landschaftsgärtnerin nach der Heirat abgebrochen hatte. Daggi hatte dagegen nie geheiratet und sich durch zahlreiche Gelegenheitsjobs immer irgendwie über Wasser gehalten. Beide bezeichneten sich nicht als besonders ehrgeizig, aber Sabine gestand, dass es damals ein Fehler gewesen war, die Ausbildung aufzugeben. Ich hatte außerdem den Eindruck, dass Daggi bei beiden die aktivere war, da sie finanziell nicht in einer Abhängigkeit lebte. Wahrscheinlich verdrängten sie deswegen, dass sie ineinander verliebt waren, denn im Falle einer Scheidung würde Sabine den hohen Lebensstandart (mit samt den Pferden, die ihr alles bedeuteten) aufgeben müssen. Man sieht also sehr schön, dass Frauen, die unabhängig von Männern leben wollen, sich erst als unabhängig vom Mann definieren können, wenn dies ökonomisch auch irgendwie möglich ist (für eine Frau wie Sabine würde ein Lebensstandart von Harz 4 kaum in Frage kommen). Ich glaube außerdem, dass Sabine und Daggi mich zwar ganz nett fanden, dass ich aber eher als eine Art Katalysator zwischen den beiden diente (dass sie nämlich anfingen über ihre Beziehung zu sprechen und diese ernster zu nehmen) .