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Neulich in der Mittagspause saß ich mit einer Kollegin in der ersten Frühlingssonne zusammen. Sie, nennen wir sie hier mal Annette, begann sich mir anzuvertrauen und zu jammern. Sie sei ja so alleine, es fehle einfach jemand zum Austausch und das mit dem Urlaub sei auch so schwierig geworden, denn seit ihrer Trennung von ihrem Mann könne sie sich kein Auto mehr leisten. Früher, da seien sie einfach so losgefahren, ins Blaue hinein, die Berge hätten sie genossen und das Meer, sie und ihr Mann, gemeinsam und nicht einsam. Jetzt aber habe sie eine Gruppenreise buchen müssen, viel zu teuer aber sie brauche das des Austausches wegen. Und ob es mir nicht so ergehen würde, das mit dem einsam sein, und wie ich es denn hier eigentlich fände? (Den neuen Arbeitsplatz) Sie selbst halte die Atmosphäre für nicht gut, dieses Einseitige, denn Frauen und Männer gehören doch normalerweise zusammen und alles andere sei nicht natürlich… (Oben in der Verwaltung arbeiten fast nur Frauen, unten dann die Männer, habe ich in meinem letzten Text schon beschrieben.)

Nun, ich sagte nicht viel begann aber später über ihr Gesagtes nachzudenken. Was ist eigentlich „natürlich“ und was macht die Mutter Natur mit der Tierwelt und ihren unterschiedlichen Geschlechtern? Lässt sie sie in Pärchen zusammenleben, Männchen und Weibchen durch die Kinderaufzucht friedlich vereint, oder zeichnet sich da teilweise ein ganz anderes Bild ab? Ich bin zwar keine Biologin aber dafür eine passionierte Fernsehguckerin und ein ausgesprochener Fan von Zoosendungen wie „Elefant, Tiger & Co.“ Und so viel im Voraus: Gemeinsame Brutpflege kommt dort zumeist nur bei den Vogelartigen vor. Sie legt das Ei, Er brütet mit und/oder ist mit unaufhörlichem Futterholen beschäftigt. In lebenslanger Partnerschaft und durch das gemeinsame Ei vereint. Aber je entwicklungsgeschichtlich höher die Tiere angesiedelt sind, desto komplizierter wird es. Säugetiere zeigen da ganz unterschiedliche Verhaltensweisen. Erdmännchen z. B. leben noch in einer Art Matriarchats- Clan zusammen. Sie, das älteste Weibchen bekommt die Kinder und sagt wo es langgeht und Er spielt brav den Babysitter. Bei Raubtieren wie Löwen und Tiger, Grasfressern wie Gazellen, Pferde, Elefanten und bei fast aller Affenarten beginnt sich dann die Sache aber wahrlich zu verkomplizieren. Von gemeinsamer Brutpflege und einer heterosexuellen Kleinfamilienidylle ist da meistens wenig zu erkennen. Ganz im Gegenteil sogar, auch wenn viele Zoos das, diese Idylle, gerne für ihre Besucher zu inszenieren versuchen. „Der Rudi ist aber ein ganz lieber Papa. Siehe wie rührend er seinen Nachwuchs gewähren lässt, die meisten Elchbullen beißen ihn grob weg.“ Oder auch: „So eine schöne Familie und Tigerkater Carlo lässt die beiden Rabauken sogar ganz geduldig auf sich herumturnen. Gut, das es so klappt, wir hätten ja auch keinen zweiten Käfig für ihn mehr gehabt. Makakenaffenmännchen Manfred sitzt aber seit letzter Woche mit vielen Extraleckerlis in Einzelhaft. Der Weiberclan (bestehend aus Müttern, Töchtern, Schwestern und Tanten) hat ihn fies von den frisch geborenen Kleinen weggejagt. Armer Manfred, so alleine.

Die Natur: Das Weibchen trägt also den Nachwuchs aus, säugt und nährt ihn und das Männchen ist für die sexuellen Begattungsakt zuständig. Apropos Akt: Das Männchen will und das Weibchen ziert sich. Er läuft hinterher, Sie lässt ihn gewähren, des Nachwuchses willen – aber dann ist auch schon Schluss mit den Gemeinsamkeiten. Jeder geht wieder seine eigenen Wege, Sie widmet sich, alleine oder mit anderen Weibchen, der Brutpflege und Er bewacht die Herde, den Clan oder wird wieder zum ewigen „Lonely Cowboy“.

Männer und Frauen gehören zusammen sonst ist es unnatürlich? Nun, die Natur lebt es uns, zumindest in dieser Art und Weise, nicht so vor.