Die Arbeitswelt ist ein Universum für sich, mit eigenen Regeln und Gesetzen, und wenn man ihm nach der Schule oder der Ausbildung begegnet, ist man als Frau zunächst etwas befremdet. Oft ist es eine Welt, die wenig mit einem selbst zu tun hat, mit strengen Hierarchien (je nach Branche) und einem oft schwer zu durchschauenden Verhaltenskodex. Machen wir uns nichts vor, es ist immer noch eine männliche Welt in der Frauen immer noch nur so etwas wie „Gast“ sind. Es sind also männliche Hierarchien die dort herrschen, gemacht von Männern für Männer, um sich unterzuordnen und zu führen. Der oberste Boss kriegt dort das meiste Geld und auch die geilsten Frauen ab.

Soweit, so gut – nur passen Frauen in dieses System nicht wirklich hinein. Das gilt besonders für Hetero-Frauen, wo natürlich der Grundsatz „die Mächtigste kriegt die besten Männer ab“ in keinster Weise gilt (die jüngste und machtloseste bekommt den Zuschlag ;-)). Bei Lesben sieht es natürlich anders aus, denn auch lesbische Frauen wollen gerne eine „Sponsorin und Beschützerin“ haben. Aber lesbische Frauen kommen im offiziellen System ja nicht vor, und – wie ich neulich in einer Untersuchung gelesen habe – unterscheiden sich heterosexuelle und lesbische Frauen hauptsächlich dadurch, dass die Frauenliebenden ein schärferes emotionales Profil aufweisen (d. h., sie haben generell ein stärkeres Begehren). Aber wie sieht es in der Realität aus? Wie verhalten sich Frauen in der Arbeitswelt untereinander, kehren sie den „Macker“ heraus, übernehmen sie komplett die männlichen Hierarchien? Oberflächlich betrachtet natürlich schon, aber unter der Oberfläche brodelt es…

Ein aktuelles Beispiel: Ich habe einen Ein-Jahresvertrag in einer Kultureinrichtung bekommen. Fakten: Die Gelder fließen über eine Stiftung und die Stellen sind zum größten Teil staatlich besetzt, die Hierarchien also eher steif und beamtenorientiert (für Kultur ungewöhnlich). Die Leitungspositionen haben alle von Frauen inne (da dort wenig Karriere zu machen ist) und die Hilfsarbeiten werden vorwiegend von Männern verrichtet. Die Räumlichkeiten des Hauses unterstützen das Ganze noch, da oben die Frauen und unten die Männer arbeiten. Ein allgemeines Siezen ist üblich, außer unter den Alteingesessenen (Frauen!). In den ersten Wochen hat mir das Ganze etwas Bauchschmerzen bereitet, aber dann begann ich zu beobachten. Mein allererster Eindruck war, dass mich die Chefin wegen meines Aussehens eingestellt hat (sie ist nicht lesbisch, lebt aber in Scheidung und hat drei Kinder). Wegen des Siezens habe ich nachgefragt (nicht die Chefin), herausgekommen ist, dass vor nicht allzu langer Zeit die unten arbeitenden Männer gegen „Oben“ revoltiert haben und so eine ganze Gruppe entlassen werden musste. Danach nur noch strenges „Sie“, zum Schutz und für den nötigen Abstand. Ich beobachtete weiter, sie, die Chefin (ca. Ende vierzig und attraktiv) arbeitet mit zwei weiteren Frauen zusammen, beide mitte zwanzig und hübsch, da muss sie natürlich Haltung bewahren, schon alleine wegen des Altersunterschieds. Offiziell treten sie immer im Trio auf (die Cheffinnen-Trinade), aber „ausheulen“ tut sie sich (die Hauptchefin, Ende 40) immer heimlich bei einer Anderen, einer älteren, aber hierarchisch tiefer stehenden Frau (bin neulich ins Zimmer geplatzt und habe sie dabei erwischt ;-)). Die beiden jüngeren Frauen mit denen die Chefin zusammenarbeitet haben andererseits wieder Respekt vor mir (bin auch hierarchisch niedriger)… sie trauen sich kaum mir Anweisungen zu geben… usw.

Auch hier wieder soweit, so gut. Die Männer in den unteren Etagen blenden wir mal völlig aus, denn zwischen Mann und Frau herrscht Krieg, das wird in dieser besagten Kultureinrichtung besonders gut deutlich. Fokussieren wir uns also nur auf die Frauen in den oberen Räumen. Sie ahmen zwar die männlichen Hierarchien nach, doch in Wirklichkeit walten da ganz andere Dinge, ich versuche sie mal zusammenzufassen: Älter vor jünger, ich umgebe mich gerne mit schönen Frauen, Stärke vor Schwäche, das Private durchdringt das Berufliche und die Chefin bindet Frauen mit Verliebtheit an sich. „Klemmlesbentum“ wohin man auch schaut.

Ihr haltet mich jetzt für verrückt, aber das aktuelle Beispiel ist nur eines von vielen und ich habe schon in sehr vielen Bereichen gearbeitet, und glaubt mir – es ist immer das Selbe mit Frauen. Wenn sie intelligent, attraktiv sind und zu Macht gelangen umgeben sie sich gerne mit anderen Frauen, die sie auch erotisch begehren, wenn auch oft nur unter der Oberfläche. Ist das die weibliche Macht und die Zukunft?