Zur Zeit lese ich ein interessantes Buch, „Gynökologie“ von Mary Daly, welches die wahre Beschaffenheit patriarchaler Religion und Mythen aufdeckt. Hier eine kurze Zusammenfassung, einzelne Ausschnitte aus dem Buch werden noch folgen.

In den Siebziger und Achtziger Jahren hat es bahnbrechende Erkenntnisse zum Thema Frauen und authentischer weiblicher Identität gegeben. Feminismus war damals nicht nur die Forderung der Frauen, gleiche Rechte und Möglichkeiten wie die Männer zu bekommen, er ging weit darüber hinaus. Es entstand ein ganz neues Weltbild, eine Art weibliche Utopie, welche leider an der Umsetzung scheiterte. Dennoch sind die Theorien und Bücher, welche in dieser Zeit veröffentlicht wurden revolutionär, doch sind sie leider nie in das Allgemeingut übergegangen.

Die Theologin Mary Daly hat sich dieser Utopie auf eine theologische Art und Weise angenähert indem sie in ihrem Buch „Gynökologie“ die Bedeutung von patriarchalen Mythen, Märchen und Religionen und ihren Einfluss auf das Indiviuum, die Frau, untersucht. Dabei kommt erstaunliches heraus, nämlich, das wir durch die Mythen (wie sie z.B. in den Medien erzeugt werden) und durch die Religion weit mehr beeinflusst werden, als wir glauben. Denn auch bei Menschen, die sich selbst als atheistisch bezeichnen sind immer religiöse Handlungsmuster zu finden, sie werden nur auf ein neues Gebiet übertragen. So ist z.B. im modernen Zeitalter die Rolle des Beichtvaters von der des Psychotherapeuten abgelöst worden – gesündigt haben heißt heute psychisch krank/labil sein. Oder auch der Mythos des Aschenputtelmärchen lebt heute immer noch in den vielen Casting-Shows weiter und bringt Millionen von Frauen dazu, auf „den Richtigen“ zu warten anstatt ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Eine der Grundthesen des Buches ist, dass der Kern aller Religion (egal ob Christentum, Islam, Judentum oder Buddismus) die Zerstörung/Elimnierung der Frau/des weiblichen Prinzipes ist und dass an ihrer/seiner Stelle eine männlich-identifizierte/geschlechtslose und körperlose Projektion gesetzt wird, denn nichts anderes als das ist z.B. der „allabwesende“ Gott des Christentums (er wird deswegen auch OMEGA genannt). Denn fast in allen archaischen Kulturen unserer Vorfahren gab es keine Götter, sondern ausschließlich Göttinnen. Man glaubte, dass die Frau ohne das Zutun des Mannes Leben hervorbringe, dass sie der Ursprung allen Lebens sei und in enger Verbindung mit dem Kosmos und der Natur stehe. Diese Göttin wurde auch durch einen Baum symbolisiert, den „Baum des Lebens“, der immer wieder Früchte hervorbringt und der in sich sowohl die Erde als auch den Himmel vereint (es gibt keinen Dualismus). Noch vor den Griechen wurden fast überall in Europa Mutter-/Erdgöttinnen verehrt und diese wurden oft in einer weiblichen Trinität (z.B. Jungfrau, Mutter, alte Frau) zusammengefasst, welche, als sich das Patriarchat weiter durchsetzte, mit einer männlichen dreifachen Gottheit verheiratet und dann entgültig durch die männlich/schwule Dreifaltigkeit (Vater, Sohn, heiliger Geist) abgelöst/ersetzt wurde*. Auch der „Baum des Lebens“ war immer wieder mythologischen Umwandlungen unterworfen – er mutierte über den paradisischen Baum mit der verbotenen Frucht der Erkenntniss, durch welchen Eva (!) die Menschheit in die Erbsünde stürtzt, zum Baum des Todes, dem Folterkreuz Jesu, wichtigstes Symbol des Christentums.

Schon in der Mythologie der Griechen, eine Übergangszeit von Matriarchat zum Patriarchat, ist zu erkennen, dass sich zu den vielen weiblichen Gottheiten immer mehr männliche gesellen – zwar ist Gaia noch die Urmutter/der Ursprung aller Göttinen und Götter, doch wird sie bald durch den Göttervater Zeus/Apollon und dessen Gegenstück, Dionysos, den feminisierten/transsexuellen Gott, mit pseudoweiblichen Eigenschaften abgelöst. Was ursprünglich die Große Göttin war, wird in der griechischen Mythologie immer wieder vergewaltigt, getötet und entfredet und es werden künstliche, dem Körper des Mannes entsprungene Pseudo-Göttinen geschaffen, wie z.B. die Athene, welche aus dem Kopfe des Zeus geboren wird und schon komplett die patriarchale Ideologie verinnelicht hat, oder der aus seinem Schenkel entsprungene Dionysos, der sich später selbst wiedergebährt (an wen erinnert uns das?). Dieses Motiv der Pseudofrauen/Transen findet sich auch im Christentum wieder, z.B. die aus der Rippe Adams erschaffene Eva oder der unkriegerische (also unapollinische), sich selbst opfernde und später wiedergeborene Jesus, welcher mit Dionysos gleichzusetzen ist. Und auch Maria, eine der wenigen Frauen, die das Christentum noch zulässt, ist lediglich die leere Hülle einer Frau, vom heiligen Geist geschwängert -“So bedeutet der extremen Geistesreligion des Christentums die Jungfrau nichts als in Reinheit harrende Schale, zur Hegung des Heilands bereit.“ Maria ist also tatsächlich das Überbleibsel der ursprünglichen zur mythologischen Parthogenese fähigen großen Muttergöttin, wenn auch in pervertierter und vergewaltiger Form.

Mary Daly beweist, dass das Christentum und alle anderen patriarchalen Religionen lediglich eine Perversion (Umwandlung) des ursprünglichen weiblichen Mythos sind und das es ihr Ziel ist, die Frau zu eliminieren/töten und sie durch pseudoweibliche, männliche, gebährfähige, also Göttinen spielende Götter zu ersetzen. Sie wollen eine tote, männliche/schwule Welt, also eine Welt, welche in der Lage ist, ohne Frauen zu existieren.

Dies ist die grobe Zusammenfassung von Mary Dalys Lebenswerk „Gynökologie“, von kleinen Fehlern ist abzusehen. Ich werde in den nächsten Wochen immer wieder Kapitel zu den einzelnen Thematiken vorstellen.

PS: Für die, die sich wundern – Mary Daly wurde später aus der Kirche wegen Ketzerei ausgeschlossen ;-).

*Vorläufer des mohammedanischen Gottes Allah war übrigens die Göttin Allat, auch sie verkörperte die drei Göttinen: „Auch werden Al-Lat, Al-Uzza und Manat als 3 verschieden Aspekte einer einzigen Göttin gedeutet. Der „Schwarze Stein“ in der Kabaa soll ein Symbol dieser Göttin darstellen. So werden die 7 Priester in Mekka auch als „Beni Shaybah“ (die Söhne der alten Frau) bezeichnet. Das siebenmalige Umschreiten der Kaaba steht in Verbindung mit der babylonischen Göttin Ischtar welche durch die 7 Tore der Unterwelt reiste um zu ihrer Schwester Ereshkigal, auch Allatu genannt, zu gelangen. Allatu wird als älterer Name von Al-Lat gedeutet.“
Quelle: Al-Lat – Wikipedia

Meiner Meinung nach werden Frauen in der arabischen Welt verschleiert, da der Islam chronologisch gesehen im Vergleich zum Christentum näher am Zeitalter des Matriarchats dranliegt und die arabischen Frauen somit noch ursprüngliche weibliche Energie besitzen – im Gegensatz zu den westlichen Frauen, die durch das Christentum geprägt (vor allem in protestantischen Ländern) stark vermännlicht/assimiliert (oder sie fallen auf pseudoweibliche Trugbilder, die nicht Weiblichkeit, sondern von Männern erschaffene Feminität verkörpern herein) und somit für das Patriarchat nicht mehr gefährlich sind.