Welche Frauen liebende Frau kennt nicht die berühmte Szene aus dem Film “The Hunger”, in welchem Catherine Deneuve eine Liebesszene mit Susan Sarandon spielt – wunderbar untermalt vom lesbisch konnotierten „Flower Duet“ aus der Oper „Lakmé“ von Léo Delibes.

« Sous le dôme épais
Où le blanc jasmin,
Ah! descendons
Ensemble!
Sous le dôme épais
Où le blanc jasmin
À la rose s’assemble
Sur la rive en fleurs
Riant au matin
Viens, descendons ensemble. »

Selbst die lesbische Serie « The L-Word » hat dieses berühmte Duet von Lakmé und ihrer Sklavin Malika in einer Folge verwendet.
Inspiriert durch diese Musik und durch Erfahrungen, welche ich Verlauf meines bisherigen Lebens im künstlerisch/musikalischen Berreich sammelte, stelle ich mir folgende Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Frauen liebenden Frauen und typisch weiblichen Künsten, dem Gesang, dem Tanz, der Musik im Allgemeinen?

Als ich mit Anfang 20 an die Musikhochschule kam und mein Musikstudium begann, fiel mir folgendes auf: Es gibt im künstlerischen Bereich, vor allem im Bereich der Oper, sehr viele schwule Männer, aber keine lesbischen Frauen. Ich fühlte mich sehr alleine und ich begegnete zwar sehr interessanten, attraktiven Frauen, die mich künstlerisch und auch in meiner inneren Einstellung sehr stark prägten, doch waren diese ohne Ausnahme heterosexuell und ich verliebte mich unzählige Male sehr unglücklich und mit aller Dramatik, die dazu gehört.
Vor ca. einem Jahr lernte ich dann die erste feminine lesbische Frau in meinem Leben kennen und sie war genauso wie ich – Sängerin. Sie hatte schon ihr Studium abgeschlossen und sie erzählte mir, dass es gerade im Bereich des Gesanges viele Lesben gäbe, welche sich aber so gut wie nie outen würden. Schöner Trost, dachte ich, denn sie waren mir noch nie über den Weg gelaufen, ich fragte mich, ob ich einfach blind sei und ich sie nicht erkennen würde.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir ein paar mal schon Gedanken über die ein oder andere Frau gemacht, ob sie nicht vielleicht doch „andersrum“ sein könnte, doch ich traute mich niemals, diesen so „sündhaften“ Gedanken zu Ende zu denken. Ich hatte, als ich noch zur Schule ging, eine sehr aparte Gesangslehrerin (sie sah ein bißchen so aus wie Lilli Palmer), welche mir erzählt hatte, dass sie als sie jünger war in lesbische Bars gegangen ist. Sie traf sich außerdem, als ich etwas älter war, regelmäßig mit mir und meiner besten Freundin, führte uns in Bars aus und bezahlte uns die Cocktails, machte uns betrunken und wehrte dann lachend unsere Küsse ab… Einmal hatte sie selbst einen Auftritt und meine Freundin küsste sie auf den Mund – sie hielt ganz still und wartete ab, was meine Freundin als Nächstes tun würde, aber sie war genauso unsicher wie ich und traute sich nicht zu mehr. Wir waren damals beide zu jung, um zu begreifen.

Jetzt, im Jahre 2008, fand ich zufällig einen interessanten Artikel auf der Seite afterellen.com, eine Seite, welche sich den Outings von prominenten Lesben widmet. Es haben sich tatsächlich vor kurzem zwei amerikanische Opernsängerinnen geoutet. Sie sind beide sehr feminin, attraktiv und sind seit 10 Jahren ein Paar. Patricia Racette und Beth Clayton lernten sich 1997 in Santa Fe bei den Proben zur Oper „La Traviata“ kennen. Es war wohl das erste mal, dass sich die Heldin Violetta, gespielt von Patricia Racette, nicht in Alfredo verliebte, sondern in ihre beste Freundin Flora. Beide Frauen haben bis jetzt in ihren jeweiligen Fächern (Racette ist Sopran und Clayton Mezzosopran) eine beispiellose Karriere hinterlegt, welche sie sogar an die New Yorker Metropolitan Oper führte.
„Wir sind nicht die einzigen Lesben in Bereich der Oper, doch die einzigen, welche sichtbar sind“ Sie kündigten ihre Hochzeit bei einem Pride Event in New York an, wo sie beide sangen und frenetisch bejubelt wurden.

Dieses postive Beispiel zweier Frauen, die sich inniglich lieben und genauso, wie ich selbst, ihr Herz an den Gesang verlohren haben, lässt mein Herz höher schlagen und ich würde mir auch in Deutschland Opernsängerinnen wünschen, die zu ihrer Liebe zu Frauen stehen.
Es hat sich zumindest vor kurzem die Schlagersängerin Ramona Leiß dazu bekannt, Frauen zu lieben, und hat ebenso die verstorbene Sängerin Hanne Haller zwangsweise mitgeoutet, mit welcher sie eine langjährige, geheime Beziehung hatte.
Ich weiß selbst nicht, ob ich gezwungen sein werde, meine Liebe zu Frauen geheimzuhalten, oder ob es mir möglich sein wird, eine Gesangskarriere „out of the closet“ machen zu können, es wird sich zeigen.