Unterwerfung- ein komplexes Thema, hier meine ersten Überlegungen dazu:

Wir werden von klein auf dazu erzogen, zu funktionieren. Mit wir, meine ich vor allem die Frauen. Viele werden mir an dieser Stelle widersprechen: Ja, es hat zwar eine Frauenemanzipation gegeben, eine Frau denkt heute in erster Linie nicht mehr daran, sich in die Abhängigkeit eines Mannes zu begeben. Sie möchte berufstätig und unabhängig sein. Sie ist sich ihrer Selbst sicher, ihre Vorgängerinnen haben schon alles für sie geregelt und sie hat jetzt „freie Bahn“. Aber freie Bahn für was, frage ich mich. Denn wenn man näher nachfragt, was sie im Leben erreichen möchte und was ihre Leidenschaft ist, dann steht dort oft ein großes Fragezeichen. Dieses Fragezeichen lässt sich natürlich verschieden einkleiden… Karriere machen, einen gut bezahlten Job bekommen, anderen Menschen helfen, usw. Und wenn ich dann doch einmal etwas Konkretes höre, dann habe ich den Eindruck, dass in den Worten keine Begeisterung, keine Schaffensfreude mitschwingt. Es ist überhaupt schwierig mit Frauen ein Gespräch zu führen, dass nicht um Männer (ob sie jetzt geliebt oder gehasst werden, das ist das Selbe), bzw. Beziehung oder um Nebensächlichkeiten wie Styling, Klamotten (also im Endefekt auch um Männer) usw. kreist. Bei Männern funktioniert es umgekehrt – sie können einem stundenlang begeistert von einer Sache, einem Projekt erzählen, bis man manchmal nicht mehr ganz versteht, worum es jetzt genau noch mal geht, doch wenn es um das Thema Beziehung, Gefühle usw geht, stößt man bei ihnen auf Granit.

Männer haben eine konkrete Vorstellung davon, was sie erreichen wollen und wie sie es erreichen wollen, denn sie gehen selbstverständlich davon aus, dass die Welt ihnen gehört. Frauen (egal ob hetero oder lesbisch) kreisen in ihren Gedanken meistens um Beziehung. Es haben sich zwar die Umstände verändert – eine Frau darf heute berufstätig sein und sich unabhängig von einem Mann machen – doch innerlich kommen sie nicht davon weg, einen Versorger, einen Herren für sich zu suchen. Der Glaube an die große Liebe ist in Wirklichkeit eine Kette, eine Fessel, die eigenständiges Denken verhindert. Zwangsheterosexualität heißt nicht, dass die Beziehung zwischen Frauen und Männern grundsätzlich schlecht ist, es ist aber das System, das schlecht ist, nämlich für Frauen.

Dieses System spiegelt sich vor allem in der Arbeitswelt wieder, denn sie hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. In den fünfziger, sechziger Jahren war sie traditionell, der Mann arbeitete, versorgte Frau und Kinder, die Frau war für den Haushalt und die Kinder/das Kinderkriegen zuständig. Es gab also zwei Welten: Die Berufswelt und die… häusliche Welt, wenn man sie in Mangel eines Wortes so nennen möchte. Also Mann gleich Welt und Frau gleich Familie/Beziehung. Und heute, nach einer Frauenemanzipation, die angeblich alles geregelt hat, werden Frauen mit einer Berufswelt konfrontiert, die nicht auf sie eingestellt ist. Frauen werden benachteiligt, wenn es um das Kinderkriegen geht, sie werden schlechter bezahlt und in Spitzenpositionen sitzten meistens immer noch die Männer (es gibt keine einzige Frau in den Vorständen aller DAX-Unternehmen). Die meisten Frauen suchen sich immer noch traditionell weibliche Berufe (Geisteswissenschaften, soziale Tätigkeiten) und werden in diesen auch noch schlechter bezahlt. Denn es herrscht ein patriarchales Wertesystem, in dem eine Arbeit, je näher sie am Menschen ist, um so weniger Geld einbringt und bei technischen und naturwissenschaftlichen Berufen um so mehr. Dringen Frauen in eine „traditionell männliche“ Berufsdomäne vor, so sinkt automatisch das Einkommen (Beispiel: Ärzte).

Die Berufswelt ist eine frauenfeindliche, eine menschenfeindliche Welt, denn sie ist unfexibel und auf Rationalisierung ausgerichtet.
Doch wie reagieren Frauen darauf? Ein prominentes Beispiel ist Eva Herrmann: Ihre Lösung heißt “zurück an den Herd”… Und hier spiegelt sich das, was ich mit Unterwerfung meine: Sie nimmt die Berufswelt so wie sie ist als gegeben an, sie ist nicht in der Lage diese zu hinterfragen. Sie geht davon aus, dass sie nichts daran ändern kann und obwohl sie eine Karriere gemacht hat, sieht sie diese als wertlos an. Dies ist ein Paradebeispiel für die Überzeugung von der eigenen Minderwertigkeit, denn Frauen tendieren im Allgemeinen dazu, die Schuld bei sich selbst zu suchen, anstatt einen kritischen Blick auf die Welt zu wenden. Doch darf man Eva nicht so schnell verurteilen, denn sie hat zumindest emotional auf eine Problematik reagiert, die der Knackpunkt unserer westlichen Gesellschaft ist und ein Thema zur Sprache gebracht, dass gerne ignoriert wird – von Männern, da sie ihre Vorteile nicht aufgeben wollen und von Frauen, da sie Angst haben sich einer weiteren Stufe der “Emanzipation” zu stellen.

Es geht um eine Grundsatzdiskussion, denn eine Berufswelt, in der es immer längere Arbeitszeiten gibt, die auf einen männlichen Konkurenzkampf zurückzuführen sind (wer länger bleibt, kann den anderen noch übertrumpfen), wo angehende Mütter mit beruflichen Nachteilen rechnen müssen, und ganze Berufsparten schlechter bezahlt werden, wenn Frauen in die leitendend Positionen aufsteigen, wird in keinster Weise hinterfragt. Im Gegenteil: „Wer zwei Mütter in ein Zimmer sperrt, die eine berufstätig, die andere nicht, kann von zehn runterzählen, bis die Fetzen fliegen. Die Männer stehen dabei vor der Tür und klatschen sich feixend ab. Super, wieder mal gut rausgekommen aus der Nummer“ (Zitat Süddeutsche-Magazin, „Alles beim Alten“, 20.04.2008)