Ich habe hier schon öfters erwähnt, dass Frauen in der Männerwelt auf der symbolischen Ebene, d. h. in der Ebene der Vorstellungen und Mythen nicht existieren, bzw. laufend verdrängt werden. Es gibt sie also offiziell eigentlich gar nicht, denn es gibt kein Rollen-Modell für den Menschen “Frau”. Wenn sie (eine Frau) also am Kulturprozess “Menschsein” oder auch nur am bewussten-transzendenten Sein und Handeln teilhaben will, muss sie sich als ein Art Mann lesen/definieren/sehen. Wenn sie dieses aber nicht will oder kann und sie sich als Frau sehen möchte, betritt sie entweder das dionysische-Trans-Spiegelkabinett der Männer (Männer, die sich feminin/weiblich/Tans sehen und daher definieren, was eine Frau ist) – oder wenn sie diese Maskerade durchschaut- findet sie nur dunkel chthonische Natur vor, das Tierweibchen, das gebärende Alles und Nichts, die Bilderflut vor den Worten und die archaische Nacht.
Das erste Modell (sie sieht sich als [geistiger] Mann bis hin zum körperlichen Trans) führt oft zu Entfremdung, Misogynie/Frauenhass und Selbsthass. Dieses Phänomen kann man nicht nur bei sich an der männlichen Homosexuellenszene und Identität orientierenden Lesben und Transmännern beobachten- auch viele Heterofrauen spielen dieses seltsame Trans-Spiel. Dieses passiert z. B. sehr oft in politisch bewussten/aktiven, queer-/feministisch-(links) intellektuellen Räumen, die Frauen dort biedern sich den Männern an, eignen sich ihr mackerhaftes Verhalten an, übernehmen unreflektiert deren Sexismus, hängen sich an Äußerlichkeiten (Frisur und Kleidung) fest und verachten alle Frauen und alles Weibliche. Sie wollen keine Tussi sein sondern eine von den Jungs, eine die ernst genommen wird und sie wollen auch gaanz weit weg von allem “Weiberkram”. Wie kerlige Lesben eben, nur in hetero. Auch Frauen, die ihre Identität ausschließlich aus ihrer Berufsrolle schöpfen übernehmen damit eine Männerrolle, die sie dann letztendlich daran hindert auch außerhalb dieser Rolle aktiv zu werden und als Frau zu handeln. Sie lähmt sie. Unvollständiges Trans.
Das zweite Modell, das dionysische Spiegelkabinett, dem ich mich hier schon ein paar Mal anzunähern versucht habe z. B. in: Kokons- oder im Spiegelkabinett verloren oder Kokons- Frauen, Schwule und Kultur, führt ebenfalls zu Selbstentfremdung und Verwirrung- aber auf eine viel perfider und nur schwer zu durchschauende Art und Weise. Frauen kopieren Männer, die Frauen kopiere, sie vereinnahmen und Sie SEIN wollen. Doppeltrans, Trans-Trans sozusagen.
Zum dritten Modell-der intuitiven Innenschau-greift sie meistens wenn sie sensibel, künstlerisch, intuitiv begabt ist, eine gesellschaftliche Außenseiterin- oder verzweifelt, psychisch labil und kurz vor der Psychiatrie…
Aber bei vielen Frauen herrscht einfach nur ein wirres/irres Durcheinander im Kopf vor, sie schweben sozusagen alle einzeln und ohne Bewusstsein und der Fähigkeit sich zu artikulieren im (frauen-) kulturlosen Raum. Denn die meisten von ihnen sind sich in keinster Weise darüber bewusst, dass Frauen auf der symbolischen Ebene beseitigt sind/werden, sie sehen sich als Menschen und wissen nicht, dass Menschsein an sich an die Abgrenzung des Mannes von der Natur und der Frau geknüpft ist. Sie haben kaum Kenntnisse von der Bedeutung von Mythen und identifizieren sich mit männlicher Kultur/Mythen, deren eigentliches Ziel es ist sich von der Frau zu lösen, um sich dann deren Gebärfähigkeit anzueignen. Und in diese frauenbereinigte Welt soll dann die Frau wieder hineingeholt werden, sei es in einer Berufsrolle und das Kind ganz schnell in die Krippe abschiebend, oder eben als homosexuelle Trans-Lesbe. Das macht viele Frauen irre oder Trans. Und dieser Prozess ist in der westlichen Welt am meisten fortgeschritten, daher ist Sexismus auch sehr eng mit Rassismus ect. verknüpft, d.h. in nicht so “zivilisierten” Kulturen ist der (symbolische) Frauenmord noch voll im Gange, die Männer dort sind also noch näher an der Natur und Frau dran- und somit minderwertiger als die westlichen Männer und auch Frauen, die ja schon mehr Mann sind. Aber das nur am Rande.
Das ist jetzt ein recht langes Vorwort zu dem eigentlichen Text, den ich hier auf die Seite gestellt habe: einen Auszug aus einem Buch von Kirsten Armbruster, den sie selbst ins Internet gestellt hat. Er fasst sehr schön die verschiedenen mythologischen Stadien des symbolischen Mutter/Frauenmordes und die zahlreichen männlichen Trans-bzw. Gebährfähigkeitsaneignungsversuche zusammen.
Er ist weder vollständig noch teile ich gänzlich die Auffassung der Autorin, dass es einmal eine Frauenkultur/Matriarchat gegeben hat, d.h. eine von Frauen gemachte und dominierte Kultur. (Ich denke da fährt sie sich ein wenig Filme.) Es gab zwar in allen Kulturen Muttergottheiten, die dann zugunsten des Vaters (Gottvater!) entmachtet wurden, aber ich denke, dass auch diese Stufe der Religion/Mythen von Männern erfunden wurde und Frauen da kaum etwas beigetragen haben. Ich halte also dieses sich unreflektiert in hetero- oder asexuelle Mutterkulte reinzusteigern (wie manche ältere Feministinnen es tun, z.B. Doris Lessing in ihrem 2007 erschienenen Buch “Die Kluft”) für genauso einseitig, wie dieses die Geschichte und Mythologie leugnendes und die schwule_trans_Männermatrix 1:1 kopierendes Ding einiger jüngerer queer-gender-Feministinnen. Das eine führt in zwangsheterosexualisierte Mütter-nur-Gebär-Dümmlichkeit und das andere in Selbsthass und Entfremdung.
Aber was ich für sehr wichtig halte, ist die Kenntnis von Mythen und historischen Zusammenhängen, damit man als Frau etwas bewusster wird, sich besser in der (fehlenden) Geschichte verorten, sie eventuell in Zukunft selber schreiben/gestalten kann, also nicht nur die Möglichkeit sieht “Trans”, “Trans-Trans” und/oder “Irre” zu werden. Und es dadurch vielleicht auch besser mit der Frauenliebe jenseits der Rollen hinkriegt …jedenfalls mehr ein Gespür dafür zu kriegt, was vielleicht nicht so gute Ansätze sind…Und wie wirksam Mythen sind kann man sehr schön an der Serie “The L-Word” sehen, nach deren Ausstrahlung fingen plötzlich ganz viele lesbische Frauen an sich weiblich zu stylen oder Shane zu kopieren. Wie wirksam und tief im Unerbewusstsein verankert dann erst die “großen” Menschheitsmythen sind (die ja z. B. immer wieder und wieder auch in modernen Bildern, Texten, Kunstwerken, Musik, Filmen, Medien ect. reproduziert werden…) kann man daraus erahnen.
Der Muttermord:
Den ersten, in der Mythologie schriftlich festgehaltenen Muttermord, finden wir im Heldenepos Enuma Elish beschrieben, das zwischen 1100 und 1000 v. u. Z. von babylonischen Priestern verfasst wurde. Die Mutter aller GöttInnen Tiamat, die auch oft als Drachin dargestellt ist, wird von ihrem Sohn Marduk zerstückelt. Wir finden im Enuma Elish den Muttermord folgendermaßen beschrieben:
In einer glänzenden Rüstung auf seinem mit vier Pferden bespannten Streitwagen zieht Marduk gegen die verteufelte Mutter aller GöttInnen in den Krieg, bewaffnet mit Pfeil und Bogen, Kampfnetz und Keule. Marduk wirft sein Kampfnetz über Tiamat und schießt einen Pfeil in ihren Mund, der das Innere der GöttInnenmutter zerreißt und ihr Herz spaltet. In Siegerpose stellt sich Marduk auf ihren Leichnam und zertritt (oder zertrampelt) ihren Unterleib, mit seiner Keule zerschmettert er ihren Schädel und ihre Blutbahnen durchschneidet er. Sodann zerteilt der „Held“ die GöttInnenmutter in zwei Hälften: Aus der einen Hälfte macht Marduk den Himmel, aus der anderen die Erde. Ab diesem Zeitpunkt wird Marduk als König der Götter und Schöpfer der Welt bezeichnet (Übersetzung Heidel, nach Bott, S. 458).
3500 Jahre nachdem die ersten patriarchalen Strukturen historisch nachgewiesen sind, in Form einer patrilinearen Abstammung, in Form einer veränderten hierarchischen Bestattung, in Form erster mit Streitwägen durchgeführter kriegerischer Überfälle (Kurganeinfälle in Alteuropa, siehe Marija Gimbutas), in Form erster männlicher Götter und schließlich, mit Aton in Ägypten 1500 v. u. Z., in Form eines ersten monotheistischen Gottes, geschieht der Muttermord: Dieser Muttermord ist der schwerste Tabubruch der Menschheitsgeschichte. Die Mutter, die alles Leben geboren und wieder zu sich genommen hat, wird zerstückelt und getötet. Damit ein solch immenser Tabubruch überhaupt möglich ist, muss die Mutter und die Symbolik, für die sie steht, unsichtbar gemacht und/oder dämonisiert werden. Symbolisch wird die Mutter, die Urmaterie, die Urmater oft durch die in der Tiefenpsychologie vielfach zitierte Drachenmutter, die Schlange, die Kröte repräsentiert, und der in unserem Kulturkreis weit verbreitete Drachenkampf ist der Kampf gegen die Mutter.
Den Muttermord finden wir bei den Indoeuropäern, in Ägypten, im gesamten kleinasiatischen Raum, in Griechenland, in der germanischen Edda, in der Nibelungensage des Drachentöters Siegfried, bei den christlichen Drachentötern Georg und Michael im tibetischen Buddhismus, im indischen Hinduismus und in der Alchemie. Doris Wolf schreibt dazu:
„Das Thema des Muttermords findet sich… im arischen Iran, wo der erste erschaffene Mann, „Gayo Ma-reta“ zum Mörder der Kuh- bzw. der Muttergöttin wird, aber auch im arischen Indien, wo der Kriegsgott der Eroberer, Ind-Ra, in einer Hymne des Rig Veda die Göttin Danu und ihren Sohn tötet, worauf diese ebenfalls als Kuh und Kalb wieder erscheinen“ oder auch im Alten Ägypten. (Wolf, 1994, S. 203)
Dort erscheinen mit Ra, Osiris und Horus drei Sonnengottheiten, die sich auf mesopotamische Ursprünge zurückführen lassen. So wird der babylonische Gott Marduk gleichgesetzt mit dem Namen „As-Ari“ und erscheint unter dem griechischen Namen Osiris in Ägypten. Der ägyptische Gott Ra oder Re wiederum, lässt sich auf den babylonischen Sonnengott „Ria“ zurückführen, und der in der mesopotamischen Mythologie verehrte Sonnenfalke „Har“, wird in Ägypten zu „Hor“ und verkörpert den mit der Sonne assoziierten Falkengott Horus, der später als Sohn der Isis fungiert (Wolf, 1994, S. 193-197). In Ägypten finden wir den Muttermord, aufgrund des ungeheuerlichen Tabubruchs natürlich patriarchalisch versteckt im Kampf des Seth mit Horus, in dessen Folge Horus seiner Mutter Isis den Kopf abschneidet. Doris Wolf beschreibt nach einer Darstellung von Brunner-Traut, 1988, 21 diesen Kampf, der folgendermaßen endet (S. 201):
„Doch die Majestät des Horus wurde wütend gegen seine Mutter Isis wie ein oberägyptischer Panther. Sie floh vor ihm, aber Horus schnitt Isis den Kopf ab, worauf sie mit einem Kuhkopf als „Erste der Kühe“ erschien“.
Der im ägyptischen Loskalender beschriebene Kampf zwischen Horus und Seth wird als der „schrecklichste Tag“ in der Geschichte Ägyptens bezeichnet. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass dieser Kampf in der ägyptischen Mythologie mit Babylon in Verbindung gebracht wird. So ist festgehalten, dass der Kampf zwischen Horus und Seth „am Tore der Götter von Babylon“ stattfand. In dem Namen des vermännlichten Gottes Seth steckt der Wortstamm S-t, der in der babylonischen Göttin Ishtar vorkommt, die von den Phöniziern Astarte, von den Hebräern Astoret oder Ashera, bei den Basken oder Germanen Ostara und von den Ägyptern wahrscheinlich ursprünglich I-Set/Isis genannt wurde. Ishtar, deren Name Stern bedeutet, war der Stern Sothis geweiht, der identisch ist mit dem Sirius. Sothis/Sirius war der Morgenstern. Das erstmalige Erscheinen des Sothis-Sirius, wenn er kurz vor dem Sonnenaufgang am östlichen Himmel aufging, markierte den Anfang des ägyptischen Jahres. Hierdurch wurde die jährliche Überflutung des Landes durch den Nil angekündigt, von der die Fruchtbarkeit des Landes abhing. Schon Mitte des 3. Jahrtausends wurde ein Sothischer Kalender erstellt. Hinter dem Kampf von Horus und Seth und dem anschließenden Mord an der Muttergöttin I-Seth/Isis, versteckt sich also zum wiederholten Mal die Ablösung der kulturellen Mutterstufe durch eine gewaltbereite von der Mütterlichkeit losgelöste patriarchale Männlichkeit. Immer einher geht das Patriarchat mit einer Hinwendung zur Sonne bei einer gleichzeitigen Herabsetzung der Mondin, was 67. v. u. Z. schließlich in der Überführung des Mondinnenkalenders in den Sonnenkalender des Kaisers Julius Caesar gipfelt.
Nach der Einführung des Sonnengottes Ria/Ra und dem Sonnenfalken Har/Horus erfährt Ägypten eine noch stärkere Hinwendung zum Sonnengott in Gestalt des Aton und zwar erstmals in monotheistischer Form, unter dem Pharao Echnaton, der fast zeitgleich mit Mithras aus Kleinasien auftaucht. Irene Mariam Tazi-Preve beschreibt diesen kulturellen Umbruch folgendermaßen:
„Eine radikale Veränderung des altägyptischen Weltbildes strebte in der Folge Pharao Echnaton um die Mitte des 14. vorchristlichen Jahrhunderts an. Aton, der Sonnengott, sollte zum zentralen Hauptgott erklärt werden. Wie die im ägyptischen Museum in Kairo dargestellte Plastik zeigt, ließ sich Echnaton als Frau darstellen, mit weiblichen Brüsten, breitem Becken, einem dezent die Schwangerschaft andeutendem Leib, starken Oberschenkeln und weiblichen Genital. In der Ägyptologie wird Echnaton als „androgyn“ bezeichnet. In der Beschriftung zur Statue im Ägyptischen Museum in Kairo ist von seiner „unerklärlichen“ Gestalt die Rede (die Körperformen seien „übertrieben“ dargestellt). (Tazi-Preve, 2004, S. 102)
Der Sonnenkult des Mithras, der ursprünglich aus Kleinasien stammt, sich dann aber wohl im gesamten römischen und griechischen Gebiet ausbreitet, spiegelt diesen Wandel zum männlichen Gott, der mit dem Muttermord einhergeht, ebenfalls wieder. Der Kult des Mithras, der ca. 1400 v. u. Z. erstmals auftaucht, war, wie die monotheistischen Theologien um Jahwe, eine antiweibliche Religion, die sich durch Askese auszeichneten und deren Priesterschaft nur aus unverheirateten Männern bestand, wobei Frauen das Betreten von Mithrastempeln nicht gestattet war. Die rigide Disziplin und die lebhafte Kampfesdarstellung des Mithraskultes erschienen gerade auch dem römischen Militär als besonders geeignet für die Soldaten. Mithras entwickelte sich daher unter Kaisern wie Julian und Commudus zum vorherrschenden Schutzheiligen der römischen Armeen. (Walker, 1995, Stichwort: Mithras) Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Geburtstag des Mithras, der mit dem 25. Dezember in die Zeit der Wintersonnenwende fällt, wo die Sonne und das Licht wieder zunehmen. Die Christen haben später viele Attribute des Mithraskultes für sich übernommen, nicht zuletzt den Geburtstag von Jesus am 25. Dezember, den wir in unserer Kultur bis heute als Weihnachtsfest mit einem ausgeprägten Lichterkult feiern. Das Bild wiederum, das bis heute am meisten mit dem Mithraskult assoziiert wird, ist das, wo Mithras den weißen Urstier tötet und damit die Welt erschafft. Nun gehört aber gerade der Stier, durch die Lunarsymbolik der Hörner und ihrer Entsprechung in den mütterlichen lebensspendenden Organen, zu den heiligsten Tieren der kulturellen Mutterstufe. So können wir in der Tötung des Urstiers in Verbindung mit einem männlichen Schöpfungsakt eine enge Parallele sehen zur Tötung der Urdrachenschlange Tiamat, die alle Wasser verkörperte durch ihren Sohn Marduk. Denn Marduk beanspruchte ja aus dieser Tötung heraus ebenfalls für sich den Akt der Schöpfung, denn er behauptete, er habe die Welt durch die Trennung der himmlischen Wasser von den Wassern des Abgrunds geschaffen. Genau diesen männlich okkupierten Schöpfungsakt finden wir natürlich auch im Alten Testament in der patriarchalen Schöpfungsmythe des Jahwe. (Walker, 1995, Stichwort: Marduk)
Die Opferung der Frau, die Opferung der Mutter wird auch von anderer Seite beschrieben, denn auch Marija Gimbutas berichtet von diesem Brauch bei den Indoeuropäern. Sie schreibt: „Das Pferdeopfer war ein wichtiger Bestandteil der indoeuropäischen Religionsausübung, besonders im indischen, römischen und keltischen Kulturkreis“ (Gimbutas, 1996, 362), und sie fährt fort:
„Die Grabfunde enthüllen uns zwei Charakteristika des indoeuropäischen Weltbildes … Die Fundorte bezeugen, dass in der religiösen Überzeugung der indoeuropäischen Kurganvölker das Pferd als heiliges Tier verehrt wurde und dass die Frau oder weibliche Gefährtin eines Stammeshäuptlings nach dessen Tod geopfert wurde“.
Auch im Hinduismus und Buddhismus finden wir den Muttermord oft in Verbindung mit einem Feueropfer. So wird die indische Göttin Sati zerstückelt und auf sie gehen die zwar offiziell verbotenen, aber immer wieder praktizierten Witwenverbrennungen in Indien zurück. Im Buddhismus kennen wir die Annagelung der tibetischen Landschaftsahnin Srinmo, die mit Phurbas, Ritualdolchen festgenagelt wurde und im Guhyasa-Maya-Tantra werden Göttinnen zu einem feurigen Lichtball verschmolzen, um als Opfer für den Höchsten Buddha zu dienen.
Die Opferung der Mutter, vorzugsweise durch das Feuer zum Zwecke der Okkupierung weiblicher Energien, finden wir auch im Bereich der Alchemie, wo auffallende Parallelen zu den beschriebenen Opferriten im Buddhismus/Hinduismus zu finden sind. So finden wir nämlich in den Prozessen der Alchemie auf der Suche nach dem Gold und dem Stein der Weisen – ganz ähnliche, die Farben Schwarz/Weiß/Rot okkupierende Elemente -, wie im Buddhismus. Die Alchemie kennt die Prozesse der Schwärzung (Nigredo), der Weißung (Albedo) und der Rötung (Rubedo), und die Alchemie benutzt als Ausgangssubstanz die prima materia, was ein Symbol für die Schwarze Erdmutter ist, die durch den Prozess der Schwärzung geopfert, respektive ermordet wird.
Das Ehepaar Trimondi schreibt dazu:
„Das Herumexperimentieren mit dem Urstoff hört sich für einen Uneingeweihten recht harmlos an. Dahinter verbirgt sich jedoch ein symbolischer Mord. Die schwarze Materie als ein Symbol des Urweiblichen und der machtvollen Natur wird verbrannt oder je nach Fall auch verdampft, zerschnitten oder zerstückelt“.
Die AutorInnen zitieren Gaston Bachelard, der in seinem 1990 erschienen Buch über „Die Psychoanalyse des Feuers“, folgendes Vorgehen eines französischen alchemistischen Adepten aus dem 18. Jahrhundert beschreibt:
„Öffne den Schoß deiner Mutter mit einer stählernen Klinge, grabe in ihren Eingeweiden und dringe zu ihrer Gebärmutter vor, dort wirst du unsere reine Materie (das Elixier) finden“. (Bachelard zit. in Trimondi, 1999, S. 153)
Bei dem begehrten Elixier handelt es sich einerseits um die weibliche Gynergie, um die mütterliche Schöpfungskraft, aber andererseits ist das patriarchal Männliche auch immer auf der Suche nach der mütterlichen Weisheit, nach der buddhistischen Weisheitsgefährtin Prajna, nach der Wissensfrau Vidya, nach der hebräischen Chokmah, nach der altägyptischen Maat, nach der griechischen Metis und der christlichen Sophia. Die Kombination von mütterlicher Schöpfungskraft und mütterlicher Weisheit ist der „Stein der Weisen“, das geistige Gold, den sich patriarchale Männer durch Magie aneignen wollen. Dieser magische Prozess soll eine Auflösung des eigenständig Weiblichen bewirken und zu einer Transformierung der weiblichen Kräfte innerhalb des Männlichen führen. Dies ist also eine widernatürliche Umkehrung der Mutter, die ja, wie wir gesehen haben, das Männliche in Geborgenheit in sich trägt. Ziel der Magie durch tantrische Rituale oder alchemistische Prozesse ist der doppelgeschlechtliche Hermaphrodit. Trimondis schreiben in diesem Zusammenhang auf S. 156:
„Da die symbolische Opferung der Frau in beiden Fällen durch das Element Feuer geschieht, handelt es sich bei der Alchemie ebenso wie beim buddhistischen Tantrismus um einen androzentrischen Feuerkult. Durch magische Riten wird hier wie dort ein doppelgeschlechtliches, egozentrisches Wesen produziert – ein „geistiger König“, ein „Großer Magier“ (Maha Siddha), ein „machtvoller Androgyn“, der „universelle Hermaphrodit“.
Das Wort Alchemie stammt aus dem Alten Ägypten. „Al“ ist ein arabischer Artikel und „kemet“ oder „Chemi“ ist der ägyptische Ausdruck für „das Schwarze“. Es bedeutet auch „Schwarze Erde“. Dies entspricht dem Namen mit dem die alten ÄgypterInnen selbst ihr Land bezeichneten und lässt sich wiederum von Khemennu, „Land des Mondes“ ableiten, der ebenfalls ein alter Name Ägyptens ist. (Walker, 1995, Stichwort: Alchemie) Der ägyptische Gott Thot, der Gott der Magie, der Gelehrsamkeit, der Medizin und okkulten Weisheit ist das Produkt dieses alchemistischen Prozesses, der die mütterlichen Schöpfungs- und Weisheitsenergien im Männlichen absorbiert hat. Seine griechische Entsprechung ist Hermes, von dem sich das Wort Hermaphrodit ableitet. Seine mütterlich okkupierten Symbole sind zwei Schlangen, die sich um einen Stab als Phallussymbol winden, der Aesculapstab, der heute noch das Symbol der Mediziner ist.
Auch in der griechischen, eigentlich der hellenischen Mythologie finden wir den Muttermord, einmal in dem Schlangendrachentöter Apollon, dann in der Genealogie der griechischen Götter, wie Hesiod sie in seinem Lehrgedicht ca. 700 v. u. Z. beschreibt, aber auch in der griechischen Tragödie, der Orestie wie sie von dem Dichter Aeschylos 458 v. u. Z. festgehalten ist. Kein Wunder, denn Griechenland, dem in der patriarchalen Geschichtsschreibung ironischerweise das Attribut „Wiege der Demokratie“ zugeschrieben wird, bezieht sich schon im Namen auf den Sonnengott Helios, der manchmal auch mit dem Sonnengott Apollon gleichgesetzt wird. Der Legende nach war Apollons erste Tat die Tötung der Drachin Phyton in Delphi. Delphi bedeutet „Schoß oder Gebärmutter“ und es war das berühmteste Orakel Griechenlands, wo Mutter Erde als Göttin Gaia und ihre Schlangendrachin Phyton kultisch verehrt wurden. Dieses Heiligtum wurde nach der Tötung der Drachenschlange durch Apollon selbst okkupiert. (Walker, 1995, Stichworte: Apollon und Delphi)
Hesiod setzt, wie wir bereits gesehen haben, in seinem berühmten Lehrgedicht „an den Anfang der Göttergeschichte weibliche Gottheiten: Nyx, die Göttin der Nacht, und die Erdgöttin Gaia, die Hesiod „Mutter aller Götter“ nennt. Doch diese Göttinnen des Anfangs werden in Hesiods theologischem System von männlichen Gottheiten überstrahlt, deren Macht vom Vater auf den Sohn übergeht; vom Himmelsgott Uranos an Kronos, den Gott der Zeit, und von ihm auf seinen Sohn Zeus, der zum Hochgott und Göttervater des Olymp proklamiert wird. Dafür hatte Zeus seine eigenen Vorfahren, das Titanengeschlecht, in einem mörderischen Kampf vernichtet und sich die Schöpferkraft und die „chthonischen“ (erdhaften) Mächte, die bis dahin vor allem in den Händen großer Göttinnen lagen, gewaltsam angeeignet. So verschlang Zeus die Weisheitsgöttin Metis, als sie mit ihrer Tochter Athene schwanger ging, um dann mit Hilfe von Hephaistos, als schädelspaltender Hebamme, die Göttin Athene als Kopfgeburt seinem Haupte entspringen zu lassen. Damit war ein Dreifaches geschehen:
„Erstens hatte Zeus die weibliche Weisheit annektiert, zweitens bewies er sich als gebärender Göttervater, und drittens stellte er damit die alte Ordnung buchstäblich auf den Kopf. War doch nach alter Überlieferung Athene mindestens 1000 Jahre vor Zeus eine Große Göttin auf dem griechischen Festland“…, analysiert Carola Meier- Seethaler die Beschreibungen des Hesiod. (Meier-Seethaler, 1993, S. 139)
Zeus verschlingt die alte Weisheitsgöttin Metis und eignet sich dadurch die Fähigkeit an, die nur Müttern vorbehalten ist: Er gebiert Athene, allerdings durch den Kopf, da ihm natürlicherweise die lebensspendenden mütterlichen Organe fehlen. Diese Aneignung des weiblichen Geburtsaktes legt dann schließlich den endgültigen psychologischen Keim zur Rechtfertigung des Muttermords und der tabuisierten Verdrängung der kulturellen Mutterstufe. Während im Alten Griechenland, nach der alten Ordnung der Erinnyen, Muttermord die einzig ewig unsühnbare Sünde war, wird der Mord von Orest, der seine Mutter Klytämnestra tötet, in der Trilogie von Aeschylos 458 v. u. Z. durch einen Freispruch des Sohnes gerechtfertigt. Im letzten Teil der Orestie finden wir folgende Worte:
„Die man wohl Mutter heißt, ist des Gezeugten Zeugerin nicht, ist Amme nur des frisch gesetzten Keims. Es zeugt, der sie befruchtet; sie hütet Anvertrautes nur, dem Gut des Gastfreunds gleich… Ich gebe gleich Euch den Beweis, dass Vaterschaft auch ohne Mutter sein kann: Als lebendiges Zeugnis steht vor Euch die Tochter Zeus. Kein dunkler Schoß hat sie gebildet, und doch ist sie so herrlich geschaffen wie kein Götterkind“. (zit. in Meier-Seethaler, 1993, S. 140)
Interessant ist die etymologische Ableitung der Worte zeugen oder auch Zeugnis von dem Namen des Gottes Zeus. Ab diesem Zeitpunkt, als Zeus die Herrschaft über das griechische Pantheon übernimmt, fällt die Mutterschaft unter den Tisch und der männliche Zeugungsakt rückt in den gesellschaftlichen Mittelpunkt. Ab sofort zählt nur noch die väterliche Abstammung, Frauen und insbesondere Mütter werden aus der politischen Öffentlichkeit gedrängt und mythologisch und spirituell ins Abseits gedrängt. Griechenland gilt als Wiege der Demokratie, als Beginn der Zivilisation, als Beginn von Vater Staat, alles bis heute hochgeachtete gesellschaftliche Attribute. Verdrängt und tabuisiert ist der, dieser neuen patriarchalen Lebensform zugrundeliegende Muttermord. Unsere scheinbar so hoch entwickelte Zivilisation ist auf dem Mord an der Mutter aufgebaut. Niemand soll dies registrieren. Deshalb wurden möglichst viele der darauf hindeutenden Spuren beseitigt. Aber ein solches ungeheuerliches Vergehen hinterlässt seine posttraumatischen Spuren, die wir an unseren Früchten erkennen können. C. G. Jung soll den Muttermord als die weltschöpferische Befreiung des männlichen Logos bezeichnet haben.
(Der Text „Der Muttermord“ entstammt Ausschnitten aus dem Buch von Kirsten Armbruster „Das Muttertabu oder der Beginn von Religion“, 2010.)



Und, wo stehen wir heuten nach 6500 Jahren Patriarchat ? Es ist an der Zeit, unsere mütterliche Geschichte wieder öffentlich zu machen, den Muttermord zu benennen, ebenso wie das Versagen des Patriarchats, und es ist an der Zeit, dass Mütter wieder ins Zentrum der Gesellschaft rücken, als Trägerinnen der Seinsmacht, die der patriarchalen Habensmacht etwas entgegen zu setzen haben. Mit diesen Sätzen beendet Kirsten Armbruster eigentlich das Kapitel im Orginal. Ich habe sie weggelassen, da sie auf einen sehr umfangreichen Themenkomplex anspielen und es daher diesen Artikel hier spengen würde. Also z. B. dass das symbolische Wegdrängen der Natur/Frau/des Konkreten zur materiellen Ausbeutung der Welt geführt hat (Umweltproblematik), zu diesem Handeln/Spekulieren mit dem Nichts (Börse), zur Aufteilung der Welt in Privat=Frau=Unwichtig und Öffentlich=Mann=Wichtig (das Mann- und Frausein sind dank gender auch nicht mehr ans biologische Geschlecht gebunden) und damit einhergehend ein Pflege/Carenotstand, der mit billigen Arbeitskräften/Frauen aus weniger entwickelten Ländern zu flicken versucht wird ect.
“Doppeltrans, Trans-Trans sozusagen.” ja… :) <3 lol xD ich bin 1. und 3. Kategorie, vielleicht und "kurz vor der Psychiatrie", bloß sehr bewusst.^^ schade xD Ich lese über Katholizismus und Homosexualität… Freimaurerei und Transmänner, Okkultismus und Alchemie, Feminismus und Maskulinismus. Carl Gustav Jung. Das alte Ägypten. Das Männliche und das Weibliche. wir sind verloren.. letzenendes… und wir sind göttlich.
“The O.T.O. is a sort of freemason offshoot that women are allowed to join” vielen Dank. @Claudia du schreibst über all das, was ich in den letzten Monaten gelesen habe. Wundervoll. <3 Ich wollte zu einem Informationsabend der Freimaurer gehen, aber Frauen sind nur in Begleitung ihrer männlichen Partner erlaubt. :(
@S.
…ja das ist das Komische an Frauen, einerseits sind sie irgendwie auf einer Zwischenstufe zwischen Tier und Mensch stecken geblieben und andererseits haben sie ein Potenzial in sich über den Mann/Menschen hinaus zu gelangen. Und der Mann hat und hatte immer ein ambivalentes Verhältnis zu Frauen, einerseits verehrt er sie (Göttinnenanbetung)-und andererseits hasst und beneidet er sie und versucht sie zu zerstören (Göttinnenmord). Und das tun sowohl hetero als auch schwule Männer, bei Schwulen fällt das Verehren nur mehr auf, man denke z. B. an die Musikvideos mit Lady Gaga, die ja eine inszenierte Schwulen-Diva ist. (Das Hassen und Beneiden äußert sich bei Schwulen in perfider Gehässiggkeit, die sich oft hinter ihren Pseudokomplimenten zum Aussehen und zur Figur versteckt.) Und ich glaube, dass diese Ambivalenz viele Frauen in den Wahnsinn treibt, weil sie sie nicht verstehen, da ja die moderne Ideologie lautet “alle sind Menschen” und “Mann und Frau sind gleich und lieben sich” und auch “alle haben männliche und weibliche Anteile” usw. Sie verdrängen diese Ambivalenz der Männer den Frauen gegenüber, spüren sie aber unbewusst und glauben dann oft, dass sie ein Einzelschicksal haben, immer die falschen Männer kennenlernen oder selbst irgendwie falsch sind, da ihre Mutter sie nicht geliebt hat, oder so ähnlich.
Und ich werde hier demnächst auch versuchen noch mehr Mythen zu erklären/dekonstruieren, weil ich denke, dass dieses auch helfen kann…Als nächstes werde ich z. B. den niederen und himmlischen Eros der antiken Griechen erklären und wie sich daraus unsere (westliche) Vorstellung von Freundschaft und Liebe entwickelt hat. Oder auch wie es zu dieser homosexuellen Identität kam und was diese mit dem Ende der Ständegesellschaft und Beginn der Aufklärung/Französische Revolution (alle Menschen/Männer sind gleich) und der ebenfalls beginnenden Frauenemanzipation zu tun hat. Oder warum es diese zwei seltsam gegensätzlichen Klischéevorstellungen von Lesben gibt a) die zügellose Nutte (z. B. in Lesbenpornos für Männer im Internet und b) die männliche Frau, die Erste geht nämlich auf die französischen Décadence (Schriftsteller) zurück und die Zweite auf die Sexualwissenschaftler, die sich wiederum an den Schriftstellern orientiert haben. Und ich werde auch aufzeigen, warum ich weibliche Transsexualität (Transmänner) für eher idiotisch halte und das es männliches Trans (von Transvestitentum/Fummeltrine bis hin zur Selbstkastration/Transsexualitä) seit Anbeginn der Geschichte gegeben hat und es immer eine kultische/religiöse Bedeutung hatte:
Die Selbstkastration war ein irreversibler Weg zur rituellen Verkörperung der Gottheit. Der Priester der Großen Mutter wechselte das Geschlecht, um ihr gleich zu werden. Transsexualität war die radikale Lösung, Transvestitentum die abgeschwächte Version. Bei Zeremonien in Syrakus vollzogen die Männer die Initiation im Purpurgewand der Demeter. Im alten Mexiko wurde einer Frau, die die Göttin verkörperte, die Haut abgezogen, die sich dann ein männlicher Priester anlegte. (Man denke an den Film “Das Schweigen der Lämmer”…!) Der priesterliche Eunuch wurde “sie” genannt; nachdem Attis sich kastriert hat, wechselt das Fürwort, mit dem er bei Catull (römischer Dichter) bezeichnet wird, von der männlichen zur weiblichen Form. (Auch heute ist es noch üblich den Transvestiten als weiblich zu behandeln und ihn, selbst wenn er männliche Kleidung trägt, als Tunte oder Fummeltrine zu bezeichnen.)
Spirituelle Erleuchtung zieht beim Mann stets Feminisierung nach sich. (…) Frazer schildert, dass die Stadien der sexuellen Umwandlung des Schamanen (Priester); sie gleichen denjenigen, welchen die Kandidaten für chirurgische Eingriffe zur Geschlechtsumwandlung heute durchlaufen. Die religiöse Berufung kann im Traum erfolgen, in dem ein “weiblicher Geist” vom Mann Besitz ergreift. Er legt sich weibliche Redewendungen zu, Frisur und Kleidung und nimmt sich schließlich einen Mann.
Rituelles Transvestitentum ist heute wie damals eine dramatische Darstellung weiblicher Vorherrschaft. Wo immer Männer in Frauenrollen schlüpfen, ob im Nachtklub oder im Schlafzimmer, hat dies religiöse Bedeutung. Eine Frau, die Männerkleidung anzieht, erschleicht sich (strebt nach) bloß soziale Macht. Ein Mann hingegen, der Frauenkleider anzieht, ist auf der Suche nach Gott. Er ruft sich seine Mutter ins Gedächtnis, die er bei der Toilette vor dem Spiegel beobachtet. Mütter und Väter gehören nicht der gleichen kosmischen Vereinigung an. Die Vaterschaft währt nur kurz, die Mutterschaft währt lang, denn auch die Erde ist eine Mutter in ewig wechselndem Gewand, von Grün zu Braun und wieder zu Grün.
(Camillie Paglia “Die Masken der Sexualität”)
…Und waren/sind die Freimaurer nicht auf der Suche nach dem “Heiligen Gral”? Ich glaube, dass dieser mit dem “Stein der Weisen” aus der Alchemie vergleichbar ist. Also der Suche nach dem Nigredo, der prima materia, was ein Symbol für die Schwarze Erdmutter ist, also die Gebär-und Schöpfungsfähigkeit. Das in so einem Männerklub Frauen eher unerwünscht sind versteht sich dann von selbst…
Und das in dem Film “The Da Vinci Code – Sakrileg” auch noch eine Frau mithilft den Heiligen Gral zu suchen, ist doch recht absurd und zeigt wunderbar die westliche (symbolische) Frauenverdrängung auf. Denn sie (die Frau) besitzt ihn ja sozusagen schon, müsste sich eher überlegen wie sie mit ihm (kulturell und energetisch) umgehen könnte/sollte. Also das sie diese biologisch-spirituelle Lebenserzeugungsmöglichkeit in sich trägt und als Konsequenz es entweder verdrängt, also ihr Frausein komplett leugnet, oder wenn sie es nicht tut oft im primitiven Natur/Tierweibchenstatus verharren bleibt. Sie müsste eine weibliche Kultur entwickeln, die aus dem eben erwähnten Grund andere Voraussetzungen/Beweggründe/Ziele hätte als eine rein männliche, eine Seinsmacht anstatt einer Habensmacht- Haben(wollen)Macht. Denn sie hat ja schon das Erstrebte in sich.
Was ich heute las: “Steht das homosexuelle Tun der schöpferischen Weisheit Gottes entgegen und verhindert deshalb die eigene Erfüllung und das eigene Glück”?
http://lola-zaza.tumblr.com/post/13913269511
http://en.wikipedia.org/wiki/Magnum_opus_(alchemy) “Heiliger Gral” denke ich nicht, weiß es nicht. aber der stein der weisen spielt eine rolle.
Ich fand gerade zufällig dieses photo hier ;) http://nirvikalpa.tumblr.com/post/14319310680/steven-meisel
Lady Gaga ist androgyn. Also die Verkörperung der “Gottheit”.
wahrscheinlich ist es ‘frauenfeindlich’, da es von Männern kommt. ;) sie sind ambivalent. wir Frauen sind es aber wahrscheinlich auch. Jedenfalls ist es nett, eine andere Sicht auf Alchemie etc. zu erhalten. Bloß, dass wenn einem das genommen wird, irgendwie gar nichts mehr bleibt. An irgendetwas muss man sich ja halten. Irgendetwas, dass einem Kraft gibt… sonst ist man wirklich allein… wenn ich mich damit beschäftige ignoriere ich einfach, dass ich eine Frau bin, ich klammere es aus, damit ich mich damit beschäftigen kann. Damit ich davon profitieren kann, weil sonst komme ich gar nicht weiter. Dann bleibt nur noch Depression. Und Frau und Frau kommt in diesem Ganzen sowieso nicht vor. Es geht immer um das männliche und das weibliche Prinzip. Und Jung ist irgendwie mein Ersatzvater. Ich brauche doch einen Vater. Wenn ich denke, dass alle Männer frauenfeindlich sind, dann wird mich das sehr verletzen. Ich habe vielmehr gedacht, dass die Männer, die ich traf, Teile oder Möglichkeiten meiner eigenen Psyche sind. Ich glaube irgendwie an Animus. Die Männer, die ich traf sind mein Animus. sie sind bloß ein Teil von mir selbst. Ich stehe auf spirituelle Psychologen/Psychotherapeuten. ;) Das ist ein Teil von mir selbst. Komischerweise hilft mir das, mich nicht als heterosexuell zu verstehen. Ich liebe/treffe die Männer, die in mir selbst angelegt sind. Ich liebe Männer wie ich Frauen liebe. Ich meine, an der Erkenntnis, dass alle Kultur, Religion, Spiritualität von Männern besetzt ist, die sich von Frauen emanzipieren wollen, kann man als Frau wirklich zu Grunde gehen. Wenn es irgendeine Organisation von Frauen gibt, schließe ich mir ihr sofort an. ;) d.h. schaue mir sie an. aber so… ich dachte, okay vielleicht darf ich als Transmann zu den Freimaurern kommen und es herausfinden. . wie bei Fassbinders “In einem Jahr mit 13 Monden”.
@S.
…es gibt doch auch Möglichkeiten mehr weiblicher Spiritualität, spontan fällt mir da z.b. der Hexenkult oder die Marienverehrung (tranformierte Müttergöttin) in der katholischen Kirche ein, oder auch gewisse Formen der mittelalterlichen Mystik/Spiritualität…Kenne ich mich leider nicht so aus, wäre aber ein interessantes Theman, auch für die Seite hier.
Ansonsten halte ich die Idee in einen Bruderorden einzutreten eher für sinnbefreit, aber das musst du wissen. Ich persönlich verspüre weder das Bedürfnis nach eine Vater noch nach einem männlichen Guru, den Mary Daly als dionysische Falle bezeichnet hatte. Und ich glaube auch nicht an Animus oder Anima, bzw an Amina eher schon, denn:
Anima, die innere Persönlichkeit, ist für Jung eine innere Einstellung im Unbewussten des Mannes, eine „weibliche Seite“ in seinem psychischen Apparat. Anima ist nach Jung synonym mit Seele und von Persona (äußere Persönlichkeit) abzugrenzen. „Jeder Mann trägt das Bild der Frau von jeher in sich, nicht das Bild dieser bestimmten Frau, sondern einer bestimmten Frau. Dieses Bild ist im Grunde genommen eine unbewusste, von Urzeiten herkommende und dem lebenden System eingegrabene Erbmasse“ (Jung).
Wenn man bedenkt, dass die Urform jedes Lebens weiblich ist (bei Kastration von Föten im Mutterleib werden sowohl xx als auch xy immer weiblich und alle Intersexuellenformen sind eine Störung von der Entwicklung zur Männlichkeit), zusätzlich ist jeder Mann 9 Monate ganz eng mit einer Frau verschmolzen, daher es schon möglich, dass er irgendwie eine “innere Frau” in sich zu spüren meint. Der “Animus” der Frau ist viel oberflächlicher. Sich vorzustellen man hätte einen Animus, einen inneren Mann in sich ect kann ein Hilfskonstrukt sein, um als Frau Aktivität hinzukriegen und die innere Homophobie zu bekämpfen. Aber was mich angeht, sehe ich mich einfach immer als weiblich, als Frau- egal wie ich fühle und wie ich handle.
P.S.: Nein Lady Gaga ist nicht androgyn, sie wird von schwulen Männern nur als ihre Diva benutzt, in die sie alles Mögliche reininterpretieren. Sie ist ein Produkt.
Ich sehe mich auch immer als weiblich. “es gibt doch auch Möglichkeiten mehr weiblicher Spiritualität..” aber du scheinst keine davon zu leben. Ich bin nicht katholisch. Habe auch nicht vor, es zu werden. Vielleicht gibt es ja eine Hexenvereinigung wo ich lebe. “Ansonsten halte ich die Idee in einen Bruderorden einzutreten eher für sinnbefreit, aber das musst du wissen.” warum sinnbefreit? Und wenn es ein Schwesternorden wäre? Es geht auch um das praktische Leben, um sich in einer Gemeinschaft zu einem besseren Menschen zu entwickeln. Ich kann in keinen Bruderorden eintreten, weil ich weiblich bin. Ich kann mit einem “Mutterkult” wenig anfangen. Und, dass du kein Bedürfnis nach einem Vater hast empfinde ich als sehr befremdlich. Bei mir ist es so, dass ich denke, dass Männer und Väter von weiblichen Menschen genauso benötigt werden wie von männlichen. Genauso wie Frauen und Mütter benötigt werden. Da unterscheiden wir uns grundlegend. Ich bin nur mit einer (schwachen) Frau aufgewachsen. Ich kann keine Maria oder so verehren, weil dann auch immer etwas fehlen würde. Das Männliche und Weibliche muss vorkommen. Nur wie, das ist die Frage. Es gefällt mir nicht wenn das Weibliche von Männern “ausgebeutet” wird. Es soll gleichberechtigt sein. ;D
es gibt das Göttliche. Es hat bestenfalls kein bestimmtes Geschlecht. ;)
@S.
Das ist vielleicht der Unterschied zwischen uns, ich bin mit einer eher starken und selbstbewussten Mutter aufgewachsen. Und das mit dem Vater brauchen, ich weiß nicht, vielleicht Jungs als role model fürs männlich sein, damit sie sich von der Mutter/Frau entfernen und eine eigenständige männliche Identität entwicklen können. (Alle Naturvölker haben aus diesem Grund, teilweise grausame, Männlichkeitsinitiationsriten)
Seit der Mann sich aus der Beherrschung durch die Natur gelöst hat, ist die Männlichkeit der fragilste und problematischste aller Zustände geblieben. (Camille Paglia) und: Die Beziehung zwischen Vater und Kind ist eine späte Entwicklung. Margaret Mead (Anthropologin und Ethnologin) redet von der “menschlichen Vaterschaft als gesellschaftliche Erfindung”.
Ich denke solange in Frauenkörpern die Kinder erschaffen werden, wird es keine absolute “Gleichheit” zwischen Männern und Frauen geben. Und es gibt auch einen grundlegenden Energetischen/Biologisch-Spirituellen Unterschied zwischen den Geschlechtern:
Schon kleine Entwicklungsfehler lassen den Mann wieder zur Frau werden. Eine komplizierte Kaskade von genetischen und hormonellen Programmen ist nötig, um ein männliches Wesen wachsen zu lassen. Schon kleine Störungen in der Embryonalentwicklung stellen den Schalter wieder auf „weiblich“.
Glaubt man den Ergebnissen der modernen Wissenschaft, ist es sehr viel wahrscheinlicher, daß nicht Adam, sondern Eva am Anfang stand. Die Natur jedenfalls favorisiert das Weibliche: Damit das männliche Geschlecht entstehen kann, bedarf es raffinierter genetischer und hormoneller Gegenstrategien, um “Mutter” Natur von ihrer eigentlichen Vorliebe abzuhalten. (…)
Das Y-Chromosom zählt zu den kleinsten Chromosomen. Vergleicht man es unter dem Mikroskop mit dem wohlgeformten X, erscheint es wie dessen armselig verkrüppelter Partner. Im Gegensatz zum großen X-Chromosom, auf dem zahlreiche Gene für geschlechtsunabhängige Merkmale gefunden wurden, konnten die Wissenschaftler bislang nur sehr wenige Gene auf dem Y-Chromosom identifizieren.
Ein großer Teil des Y, nehmen die Forscher an, ist wahrscheinlich einfach leer von Informationen, genetischer Müll. Angesichts solcher Befunde meint der Molekularbiologe Prof. Jens Reich vom Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin: “Ein Mann zu sein, ist der häufigste genetische Defekt in der Natur.”
http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=10092091
Und dieser materielle/körperlich-spirituelle Aspekt wird sowohl in der männlichen Religion/Spiritualität als auch in der queer-(gender) Feminismus Ideologie immer geleugnet.
Die Mythologie beginnt mit der Kosmogonie, mit der Erschaffung der Welt. Auf irgendeine Weise entsteht aus dem Chaos der Materie Ordnung. Das Ganze, eine suppenartige Fülle, scheidet sich in Objekte und Einzelwesen. Kosmologien unterscheiden sich nach den Gesellschaften, in denen sie entwickelt werden. ERDENKULTE erkennen der Natur Priorität und Ursprünglichkeit zu. Für die jüdisch-christliche Religion, einen HIMMELSKULT, hat Gott die Natur geschaffen, und nicht umgekehrt. Das göttliche Bewusstsein geht allem voraus und umfängt alles. (…)
In der biblischen Schöpfungsgeschichte ist der Kosmos ein konstruiertes Gebilde, eine planmäßig angelegte Behausung für den Menschen. Gott ist Geist, reine Gegenwart. Er hat keinen Namen und keinen Körper. Er steht jenseits der Geschlechtlichkeit und im Gegensatz zu ihr, die dem niederen Bereich zugehört. Und doch ist Gott eindeutig ein Er, ein Vater, und keine Mutter. Das Weibliche ist untergeordnet, ein nachträglicher Einfall. Eva ist nur ein aus Adams Körper herausgezogener Splitter. Männlichkeit ist Zauberkraft, das potente Prinzip der Schöpfung des Universums.
Das Buch Genesis ist eine männliche Unabhängigkeitserklärung von den alten Mutterkulten. Sein Aufbegehren gegen die Natur, das in modernen Ohren so sexistisch klingt, ist ein entscheidender Augenblick der westlichen Geschichte. Der Geist kann sich niemals wirklich von der Materie befreien. Aber nur wenn der Geist sich als frei vorstellt, ist kultureller Fortschritt möglich. Alles Große in der westlichen Zivilisation entspringt dem Kampf gegen unsere Ursprünge. Die Schöpfungsgeschichte ist hart und ungerecht, aber sie hat dem Mann als Mann Hoffnung geschenkt. Sie hat die Weltkraft männlicher Herrschaft neu geschaffen und die Macht der Mütter aufgehoben. (…)
Praktisch alle Kosmogonien außer der unseren (christlichen) sind offen sexuell..
(Camille Paglia)
Und das ist vielleicht auch die Zukunft einer weiblichen Spiritualität, das auch gebunden sein an die Materie und den Leib, Geist und Materie nicht als Gegensätzte betrachten…
@Claudia du hast wohl im Grunde Recht…, aber wir leben ja noch in einer gemischtgeschlechtlichen Gesellschaft. Männer werden noch gebraucht. ;)
was sagst du hierzu? vielleicht haben Männer dann ja wirklich ‘eine Vagina’ und sind noch vollkommener als Frauen, da sie ja als Frau angelegt sind und zusätzlich noch männlich sein können^^
http://quietgirlriot.wordpress.com/2011/12/19/5239/
@S.
Ich bestreite ja nicht, dass es Männer gibt, ich möchte auf diesem Blog nur einfach ein Bewusstsein dafür schaffen, wie die patriarchalen Mythen beschaffen sind und wie sie wirken. Und sehr oft sind es gerade diese Mythen, die Frauen daran hindern es (ohne die starre und sich an der männlichen Homosexualität orientierende Rolle Lesbe) mit anderen Frauen hinzukriegen, sie stecken deswegen oft in Idealisierung, Passivität, Selbsthass oder eben Trans fest. Habe ich schon oft genug erlebt.
…und auf diese ganzen Trans-Sachen werden ich später eingehen, bzw. noch einen Artikel zu schreiben, ich will ja in den Kommentaren nicht schon alles vorwegnehmen.
Ich kann mich doch auch als Frau von der Materie unabhängig machen wollen. Nur weil das Männer getan haben, bedeutet es ja nicht, dass das schlecht wäre. Wir möchten doch schließlich alle irgendwie unsterblich sein. Fand jetzt gerade dazu passend diesen Post: http://www.freimaurer-in-60-minuten.de/2011/11/endlich-gefunden-der-stein-der-weisen/
p.s. Komischerweise hatte ich bereits vor, zu Weihnachten einen Freimaurer-Friedhof zu besuchen.
@S.
…übrigens, den Schwanz abzuschneiden um ein “Loch zu graben” heißt noch lange nicht eine Frau zu sein, es ist dann einfach nur ein verstümmelter/kastrierter/chirurgisch veränderter Männerkörper. Und wenn du zu den Freimauerern gehen willst dann tue es, aber ich frage mich ernsthaft, warum du dann diesem Blog hier liest. Weitere destuktiven Kommentare zu diesem Thema werde ich auch nicht mehr freischalten. Man merkt übrigens an der Art wie du hier schreibst/argumentierst, dass du noch Jungfrau bist und keine sexuellen Erfahrungen gemacht hast und deshalb dir Filme fährst, du wärst eine von den “Jungs”. Und eine gehörige Portion Selbsthass spüre ich bei dir auch, eigentlich bestätigst du damit nur meinen Artikel. Danke.
P.S.: Die Kommentarfunktionen unter den (teilweise sehr anspruchsvollen) Artikeln sind eigentlich für eine konstuktive Diskussion zu den jeweiligen Themen gedacht, und nicht um frustrierten Frauen die Möglichkeit zu geben anonym ihren persönlichen-pubertären Frust hier abzuladen. Das ist sehr unangenehm für uns.