In meinem Artikel “Kokons- oder im Spiegelkabinett verloren” habe ich mich damit beschäftigt warum viele Frauen, die nach einer anderen und emotionaleren Welt suchen, sich lieber mit schwulen Männern/Künstler anstatt mit ihrem eigenen Geschlecht identifizieren- und was das für Auswirkungen auf ihre weibliche Identität haben kann. Ich stellte fest, dass sie in eine Art “Dionysosspiegelfalle” tappen können, d. h. an eine vermeidliche Weiblichkeit glauben, sie imitieren, die eigentlich eine von Männern geschaffene Feminität ist und sich durch sie voneinander irgendwie isolieren. Diesem Phänomen bin ich (u. a. mit Hilfe von Camille Paglia) noch weiter auf den Grund gegangen und mich bis zu den ganz tief in die Zeit reichenden Anfängen hinabbegeben.
Am Beginn der Menschheit (ca. vor 2,5 -3 Millionen Jahren) gab es nur die Natur, die allmächtig, grausam und unergründlich war- und es gab die Frau, das Weibchen, dass wie die Natur fruchtbar war und in ihrem Körperinneren neues Leben erschaffen konnte. Immer wieder und wieder wie durch einen magisch-dämonisch-undurchschaubaren Zauber. (Erst auf dem Entwicklungsstadium des Ackerbaus wurde der Zusammenhang zwischen Geschlechtsverkehr, Zeugung und Schwangerschaft entdeckt.) Die Menschen fühlten und dachten sich daher nicht von der Natur getrennt, sondern als ein Teil von ihr – und der Mann dachte und fühlte sich somit als ein Teil der Frau, sowie auch jeder Embryo im Mutterleib am Anfang weiblich ist und erst durch die Freisetzung männlicher Hormone nachträglich vermännlicht wird.
Da die Abhängigkeit von der Natur-Frau so groß war und daher riesige Angst machte, wurde irgendwann die Religion erfunden, die in diesem Stadium noch Mythos und ihre Ausübungen Kult genannt wird. In vielen Teilen der Welt entstanden so Vorstellungen von einem ursprünglichen Wesen, dass sämtliche Gegensätze in sich vereint, alles umfasst, was ist und sein kann und allmächtig-hermaphroditisch-bisexuell ist, d. h. es sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsorgane besitzt, eine Art SchöpferIn des Weltenraums.
Das höchste Symbol dieser Mythen, jener Fruchtbarkeitsreligion war die Große Mutter, eine Gestalt von doppelgeschlechtlicher und ursprünglicher Macht, grausam und gebend zugleich bestimmte sie über das Leben und den Tod und war jungfräulich im Sinne von: in ihrem Zeugen und Empfangen vom Mann unabhängig (z. B. die ägyptische Isis, die kretische Gaia und Rhea, die zyprische Aphrodite, die babylonische Ischtar usw., siehe auch Abbildungen von Venus von Willendorf oder Göttin Kali). Das Männliche wurde ihr nur in Form von Knabengöttern, Sohn und Liebhaber beigefügt, phallische Begleiter, Drohnen der Bienenkönigin, denn das Männliche wurde nur als ein Schemen, der im ewigen Zyklus der Natur umhergewirbelt wahrgenommen; und Mutterschaft umfasste die ganze Existenz.
Die Große Mutter wurde der Erde zugeordnet und es wurden Rituale zu ihren Ehren veranstaltet und Opfer gebracht um sie zu besänftigen, das nennt man dann MUTTER- ODER ERDENKULT. Und da sie, die Natur/Erde/Mutter eben grausam-allmächtig-schöpfend war, waren auch die Rituale blutrünstig, lebendige Tiere wurden zerrissen, Brüste aufgeschlitzt, Männer kastrierten sich und/oder glichen sich ihr transvestitisch an:
Die Priester der Großen Mutter wechselten das Geschlecht, um ihr gleich zu werden. Transsexualität war die radikale Lösung, Transvestitentum die abgeschwächte Version. Bei Zeremonien in Syrakus vollzogen die Männer die Initiation im Purpurgewand der Demeter. Im alten Mexiko wurde einer Frau, die die Göttin verkörperte, die Haut abgezogen, die sich dann ein männlicher Priester anlegte. Der priesterliche Eunuch der Großen Mutter wurde “sie” genannt; nachdem Attis sich kastriert hat, wechselte das Fürwort, mit dem er bei Catull bezeichnet wird, von der männlichen zur weiblichen Form.
(Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens sich mal den schwarzen Stein/Meteorit, der sich in der Kaaba, dem Allerheiligsten der Großen Moschee von Mekka befindet und die heiligste Reliquie des Islams darstellt, anzuschauen. In der Kultstätte, dem Orakel von Delphi im antiken Griechenland befand sich ebenfalls ein formloser, schwarzer heiliger Steinmeteorit, er markierte den Omphalos, also den Nabel der Welt und stellte das primitive Bild der Muttergöttin Kybele dar. Hat der Islam noch Reste des alten Mutterkultes und befindet er sich daher im Übergang zwischen Erden- und Himmelskult? Und das Phänomen Transsexualität könnte man so auch mal wieder neu überdenken.)
Als die Menschheitsgeschichte dann voranschritt und die Rolle des Mannes bei der Zeugung entdeckt wurde, begannen sich die Männer so ihre eigenen Gedanken über ihre Abhängigkeit von der Natur und Frau zu machen. Da sie nicht mit Kinderkriegen und sie Aufziehen beschäftigt waren, hatte sie auch mehr Zeit dazu. Nach und nach begannen die Männer sich also in ihren Vorstellungen und Gedanken von der Natur/Erde/Frau als alleiniges Schöpfungsprinzip zu lösen- und verlagerten die Schöpfung, das Göttliche von der dunklen und unheimlichen Erde (Körper der Frau) in den hellen Himmel (Geist des Mannes) hinein. Dieses nennt man dann VATER- ODER HIMMELSKUT. Das Göttliche, also das Leben Gebende wurde vom Körper in den Kopf verlagert und Gott, der Schöpfer wurde männlich- der Triumph des Geistes über die Materie- und somit die westliche Kultur und Identität erschaffen.
Diese Entwicklung begann im alten Ägypten und erreichte im antiken Griechenland einen vorläufigen Höhepunkt. Die wahren Götter lebten dort nicht mehr in der Erde (Hades), sondern hoch oben im Gebirge Olymp nahe dem Himmel; und die Schöpferisch-bisexuell-weiblichen wurden, nach und nach, durch Schöpferisch-transvestitische-männliche ersetzt, z. B. Aphrodite, Dionysos oder Athene. Die Kultur, die daraus vor allem in Athen entstand und die Grundlage für unsere ist, ordnete Freundschaft und Liebe (diese nicht als zwei getrennte Bereiche gesehen wurden) den Männern zu- war also offen männlich-homosexuell- und die Frau somit abgewertet und ohne Rechte. Dort entwickelte sich dann auch eine neue Vorstellung von Vergötterung- weg von der Erde und den alten (weiblichen) Muttergottheiten- hin zum Himmel und Mann und es entstand die Idee des “schönen Knaben”, eine Art Bindeglied zwischen weiblich-männlich, als Schönheits- und Sexualobjekt für den Mann:
Die athenische Wendung von den Frauen zu den Knaben war ein großartiger Akt der Ideenbildung. Mochte er noch so ungerecht und in letzter Instanz auch selbstzerstörerisch sein, für die Ausbildung der Kultur und Identität des Westens stellte er einen entscheidenden Schritt dar.
Der Stadtstaat Athen wurde nicht trotz, sondern wegen seiner Frauenfeindlichkeit groß. Die männliche Homosexualität spielte eine ähnlich katalytische Rolle wie im Florenz der Renaissance und im Elizabethanischen London. In solchen Augenblicken wird das Männerbündische von einem libidinös aufgeladenen, intensiven, Selbstvertrauen getragen, von einer kurzlebigen Gewissheit, über die Mütter und die Natur triumphiert zu haben. 2500 Jahre lang hat die westliche Kultur von den ungeheuren Leistungen der homosexuellen Hybris gelebt, den Leistungen kleiner Gruppen von Männern, die sich in wenigen ereignisreichen Jahren der Begeisterung und des Trotzes zu visionären Höhenflügen emporschwangen.
Die ganzen (westlichen) Kulturleistungen, die Geschichte (gehört “alles” zu: Architektur, Philosophie, Mathematik, Politik, Kunst ect.) ist also letztendlich nichts anderes als der stete und über die Jahrhunderte-Jahrtausende hinweg sich ziehende männliche Versuch, sich von der Frau und Natur zu lösen und eine eigenständige und von ihr unabhängige Identität zu entwickeln. Und die männliche Homosexualität ist nur die extremste und wirkungsvollste Ausprägung davon.
Aber dieses “von der Natur weg” ist natürlich nicht gradlinig vonstattengegangen, sondern in hin- und zurück Bewegungen, in zwei Prinzipien, die sich den Göttern APOLLON und DIONYSOS zuordnen lassen. Apollon ist der helle, neue Weg in die naturentfernende Zukunft hinein- Dionysos ist die “Regression”, jenes magisches Zurück in den dunklen Mutterschoß. Um es besser verständlich zu machen, habe ich hier mal ganz intuitiv Begriffe gesammelt, die mir zu den beiden Götterprinzipien einfallen und man wird recht schnell merken, dass sie sich auch den Klischees “männlich-weiblich” zuordnen lassen:
Himmelslicht, Rationalität, Kultur, männliche Homosexualität, trocken, sonnig, gerade, harte Muskeln, Mann, Verehrung des schönen Knaben, Bildung, Disziplin, Olympia, Fußball, Hochhäuser, Stahl, Börse, Mathematik, Blaugrau, Gefühle verbergen, cool sein, ein ganzer Kerl…
Dunkle Erde, Magie, feucht, nass, verschlungen, Verehrung der Großen Mutter, weiche Formen, Zauber, irrational, Frau, Femme fatale, Venusfalle, Operndiva, weiblicher Star, Party machen bis zum Umfallen, Theater, Gärten, Samt, Seide, Morast, Orgie, Weinen, Lachen, Hysterie…
Weiblich und männlich sind also männliche Definitionen, wie sie sich selbst in Bezug auf die Natur sehen und sie haben die Frau dafür stets als Allegorie benutzt, als Bildnis sie mal völlig der Natur zugeordnet und mal sie ihr entzogen, ihnen selbst ähnlicher gemacht. Und auch Schwule und besonders diese, da sie wie schon erwähnt nur eine besonders ausgeprägte Variante des kulturellen Mannseins darstellen, schwanken hin- und her. Sie wollen von der Frau weg und schaffen es doch nicht so wirklich, Lederkerl und Tunte, Butch und Femme, Apollon und Dionysos. Sie machen die Frau z. B. durch das kaum erreichbare Schönheitsideal des dünnen Models zu schönen Knaben – oder verehren sie als Diva und geben ihnen dadurch das Gefühl einer “göttlichen Einzigartigkeit” (Kokon!), vereinnahmen sie für ihre Zwecke, zur Festigung einer Männergemeinschaft und isolieren sie somit voneinander; denn jede Frau will ja DIE einzige einzigartig Göttliche sein: (Das das Nacheifern von knabenhaften Modelmaßen Selbsthass verursachen kann, muss ich hier wohl nicht noch extra erwähnen.)
Männliche Homosexuelle veranstalten auch heute noch einen Kult um weibliche Stars wie z. B. Maria Callas, Kiley Minogue oder Lady Gaga. Kreischanfälle, Massenstürme, Blumensträuße und Auftritt im “Fummel”, das sind nichts anderes als moderne orgastische Eunuchenrituale und Dionysoskulte im Heiligtum der Großen Göttin.
Die Frauen aber identifizieren sich immer mit diesen von Männern geschaffenen Bildern, was zu Verwirrung und Selbsthass führen kann, da diese Bilder, Mythen, Rollen eben oft die Angst, Ambivalenz und die Abkehr vom “Weibe und der Natur” ausdrücken. Aber Frauen- die natürlich auch nicht nur Natur sind (!)- haben in der gesamten Menschheitsgeschichte kaum einen eigenständigen Versuch unternommen, sich selbst- also ihr Geschlecht- in einem Verhältnis zu Natur zu definieren und eigene Bilder und Vostellungen zu schaffen, dagengenzusetzten. D. h. wie sehe ich mich als ein weiblich-menschliches Wesen, das durch die Möglichkeit des Kinderkriegens im eigenen Körper irgendwie intuitiv-spirituell-körperlich in das Geheimnis der Schöpfung eingeweiht, an sie gebunden ist. Kann für mich das frauenliebende-lesbisch-weibliche Begehren auch eine Möglichkeit sein ein weiblicher Mensch zu werden, an der Kulturentwicklung endlich teilzuhaben, eine Eigene zu schaffen. Und so weiter und so fort.
(Alle Zitate aus dem Buch „Die Masken der Sexualität“ von Camille Paglia)
P. S.: Das auch Mutterkulte nichts über die reale Situation der Frau aussagen, kann man an der islamischen Welt sehr gut beobachten.
Mehr zu dem Thema:


Ich hatte als Kind und als Jugendliche eigentlich schon immer den konfusen Eindruck, dass das, was mir die Erwachsenen (oder auch älteren Kinder) an Vorbildern zu bieten hatten irgendwie falsch war. Es ist wie, als würde man dich in eine Käseglocke aus Glas einsperren (seen but not be heard).
Mein großer Bruder hat mich praktisch zu einem kleinen Bruder erzogen und als er dann in die Schule kam und andere Freunde hatte, hat er sich gemeinsam mit seinen Freunden darüber lustig gemacht, weil ich mich wie ein Junge benehme(n würde). Haha, sehr witzig. Das hat mich damals sehr verwirrt, weil ich nicht verstanden hatte, warum er mich plötzlich nicht mehr lieb hatte und mich verstieß (nicht, dass ich es heute verstehe, woher bekommen die Kinder die Idee, sie müssten das jeweils andere Geschlecht [und insbesondere kleine Geschwister] plötzlich Iiiiiiiih finden?!). Die größten Streitereien gab es dann in den Situationen, in denen ich dann nicht mehr das machen wollte, was er wollte (wenn anscheinend grad kein anderer Freund zur Hand war).
Tut mir leid, das ist jetzt alles ziemlich wirr, das ganze Thema ist so vertrackt.
Oha
Ich finde diesen Text Naiv und Problematisch, auch wenn die These/Idee für mich nachvollziehbar ist, die Argumente die du anführst sind teilweise schlicht falsch oder zu pauschal.
Die These am Anfang, das der Zusammenhang zwischen Sex und Fortpflanzung erst mit dem Ackerbau, also der Sesshaftwerdung, entdeckt wurde, finde ich äußerst gewagt. Es gibt zu Beispiel Völker die nie wirklich sesshaft wurden und auch nie Ackerbau betrieben haben (Urwaldvölker oder Steppenbewohner). Somit ist die Verknüpfung dieser These mit dem erwachen des männlichen Bewusstsein/Geistes in der in der Menschheitsgeschichte auch sehr fraglich.
Von diesem Punkt einmal abgesehen kann ich Dir in der ersten Hälfte folgen, wenn ich auch die Entstehung von Religionen nicht nur auf die Angst vor der Natur zurück führen würde und es etwas schade finde das du nur auf den europäischen Kulturkreis schaust und Asien und Amerika vollständig außen vor lässt.
Aber dieser Absatz hat mich dann doch schockiert
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Die ganzen (westlichen) Kulturleistungen, die Geschichte (gehört „alles“ zu: Architektur, Philosophie, Mathematik, Politik, Kunst ect.) ist also letztendlich nichts anderes als der stete und über die Jahrhunderte-Jahrtausende hinweg sich ziehende männliche Versuch, sich von der Frau und Natur zu lösen und eine eigenständige und von ihr unabhängige Identität zu entwickeln. Und die männliche Homosexualität ist nur die extremste und wirkungsvollste Ausprägung davon.
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Zum einen Unterstellst du hier pauschal “allen” etwas (“der Versuch der Loslösung von der Natur/Frau”) was so vllt für einzelne teile zutrifft aber ebnend bei weiten nicht für alle. Was bitteschön hatte Mathematik mit der “loslösung von der Natur” zutun. Mathe ist doch (wie alle anderen Naturwissenschaften auch) der Versuch diese mit der Menschlichen (ausdrücklich Menschlichen nicht Männlichen) Logik zu erklären. Sicherlich gab es immer auch Strömung in den verschieden Naturwissenschaften die den Mensch als nicht zur Natur gehörig darzustellen aber diese Standpunkte das wurde spätestens nach Darwin, nur noch von Außenseitern und pseudo Wissenschaftlern vertreten.
Den letzte Satz in diesen Absatz aber empfinde ich als schon fast abstoßend, den du sagst dort (bewusst oder nicht das kann ich nicht beurteilen) das männlich Homosexualität etwas unnatürliches ist. Den wie soll man das anders verstehen wenn du sie als “extremste … Ausprägung” vom “männliche Versuch, sich von der Frau und Natur zu lösen” bezeichnest.
Du ignorierst dabei das völlig das Homosexualität (speziell auch männliche) inzwischen bei fast allen Säugetier arten beobachtet wurde teilweise in erheblichen Ausmaßen. Ich könnte hier jetzt noch weitermachen mit dem üblichen Vortrag den ich sonst bloß ignoranten Party Besuchern antue (bzw. tat inzwischen fehlt mir dazu immer häufiger die Lust und Kraft), aber ich glaube das ist nicht nötig.
Alles im allen bin ich Recht enttäuscht bzw. glaube immer noch an ein Missverständnis da ich solche Standpunkte von diesem Blog nicht gewohnt bin
hannes
@hannes
das mit Wissen über den Zusammenhang von Koitus und Schwangerschaft lässt sich überdenken, allerdings führt nicht jeder Sex zur Schwangerschaft, setzt die Regel häufig danach ein und dauert es eine Weile, bis die Schwangerschaft sichtbar wird. Daher denken ich schon, dass diesbezüglich einige Verwirrung geherrscht haben muss.
Aber was ich aber an deinem Kommentar bedenklich finde ist dieses Wort “natürlich”. Die ganze Kultur ist nicht natürlich, da von Menschen und nicht von der Natur gemacht. Auch der PC und das Internet von dem du schreibst sind nicht natürlich, das du lesen und schreiben kannst, nicht deine Wohnung, deine Heizung, deine Kleidung… das einzige was angeblich immer “natürlich” sein soll/bleiben soll ist der Sex. Und zwar der zwischen Mann und Frau, da die Frau der Natur zugeordnet ist/bleibt, sie nichts anderes ist; und alles andere ist dann Kultur und der Mann. Die Frau ist somit für den Mann eine Art “Naturreservat” und ihm untergestellt wie ein Haustier.
Und ja ich kenne die ganzen Argumente von homosexuellen Männer, dass sie nur so sind weil sie biologisch nicht anders können, da zb sie in der -was auch immer Schwangerschaftswoche- zu wenig männliche Hormone abbekommen haben sollten ect. oder an irgendeiner psychischem Intersexualität leiden. Aber so sehe ich das nicht, bzw trifft das für Frauen nicht zu- und auch im antiken Griechenland war die Homosexualität mehr ein kulturelles Konzept. Was in der Tierwelt vorkommt halte ich nicht für so interessant, denn dort sind alle Möglichkeiten rudimentär angelegt, auch das Verspeisen des Männchens nach dem Koitus ;) Und ach ja, in der Tierwelt begehrt das Weibchen nicht das Männchen, es lässt den Akt nur irgendwann zu. Das wäre dann Natur und natürlich.
Zu dem Thema habe ich mir hier schon mal Gedanken gemacht:
http://femininelesbians.wordpress.com/2009/04/22/natur-und-naturlich/
@Lisa,
“Ich hatte als Kind und als Jugendliche eigentlich schon immer den konfusen Eindruck, dass das, was mir die Erwachsenen (oder auch älteren Kinder) an Vorbildern zu bieten hatten irgendwie falsch war. Es ist wie, als würde man dich in eine Käseglocke aus Glas einsperren (seen but not be heard).”
Ja, mir ging es auch so, deswegen habe ich mich damals mit meiner Freundin zusammen in die klassische Musik und unsere Geigenlehrerin reingesteigert, weil wir der erdrückenden Normalität, die uns unsere Eltern vorgelebt haben, entfliehen wollten. Die Mutter meiner Freundin hat sie ständig terrorisiert und von ihr erwartet, dass sie viel ausgeht und einen Freund hat und meine Eltern haben es auch nicht gerne gesehen, dass wir so viel zusammen machten (wir haben den größten Teil der Zeit damit verbracht zusammen zu üben und uns Violinkonzerte anzuhören, aber vielleicht ahnten sie, dass das Verhältnis mit unserer Lehrerin eine erotische Komponente hatte). Aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass unsere Geigenlehrerin, die wir so bewunderten, selbst unter solch einer “Käseglocke” lebte und auch nicht so idealistisch war, wie sie es vorgab zu sein. Sie war verheiratet mit einem älteren Mann, über den sie sich ständig bei uns beschwerte und dem sie auch nicht erzählte, dass sie abends nach dem Unterricht oft mit uns wegging. Sie überlegte immer wieder sich von ihm scheiden zu lassen, tat es aber nicht. Sie hat selbst genug verdient, dass sie hätte unabhängig leben können, hatte aber so ihre “Ansprüche” und ihr Geld lieber für teure Klamotten ausgegeben.
Für mich war die klassische Musik zuerst eine Befreiung und die Frauen die sie ausgeübt haben waren meine Vorbilder. Ich wollte so sein wie sie, habe ihren Idealen nachgeeifert, später habe ich sie dann auch begehrt und Erfahrungen in der Liebe gemacht. Ich merkte bald, dass die klassische Musik sehr unkörperlich und vergeistigt ist und die Frauen dort deswegen Probleme mit Sexualität haben, bzw. diese sehr stark verdrängen. Es gibt dort viele schwule und klemmschwule Männer, die Musik als Medium benutzen um sich so eine von Frauen/der Mutter unabhängige Identität zu erschaffen. Und viele Frauen eifern diesem unkörperlichen, vergeistigten Ideal dann nach, vielleicht, weil sie Sex mit Männern nicht mögen und auf der Suche nach etwas anderem sind. Sie verlegen all ihre Leidenschaft in die Perfektionierung des künstlerischen Ausdrucks, sie suchen Gott in der Kunst und werden zu verklärten Mystikerinnen und laufen damit aber in die Falle das Geschlechtliche zu verleugnen.
Mir fällt an dieser Stelle wieder ein Zitat von Simone de Beauvoir ein:
“Der Vorteil, den der Mann besitzt und der für ihn von Kindheit an spürbar ist, besteht darin, dass seine Berufung als Mensch keinen Widerspruch zu seiner Bestimmung als Mann darstellt. Durch die Gleichsetzung von Phallus und Transzendenz ergibt es sich, dass seine sozialen oder geistigen Erfolge ihm ein männliches Prestige verleihen. Er ist nicht gespalten. Von der Frau dagegen wird verlangt, dass sie sich, um ihre Weiblichkeit zu erfüllen, zum Objekt und zur Beute macht, das heißt, auf ihre Ansprüche als souveränes Subjekt verzichtet. Eben dieser Konflikt charakterisiert in besonderer Weise die Situation der befreiten Frau. Sie lehnt es ab, sich auf ihre weibliche Rolle zu beschränken, weil sie sich nicht verstümmeln will. Würde sie aber auf ihr Geschlecht verzichten, wäre dies ebenfalls eine Verstümmelung. Der Mann ist ein geschlechtlicher Mensch. Die Frau kann nur dann ein vollständiges Individuum und dem Mann ebenbürtig sein, wenn auch sie ein geschlechtlicher Mensch ist. Auf ihre Weiblichkeit verzichten hieße, auf einen Teil ihrer Menschlichkeit verzichten.”
Du hast recht das Wort “natürlich” ist irreführend, weil es in der Natur nicht die eine “Verhaltensweise” gibt sondern, tatsächlich alles vorkommt.
Ich bin auch nicht der Ansicht das man entweder schwul oder hetero geboren wird, genauso wenig wie ich glaube das man als dummer/kluger, selbstlos/egoistischer, ernster/fröhlicher Mensch auf die Welt kommt.
Meiner Meinung nach sind all die menschlichen Charakterzüge (und die Sexuelle Ausrichtung zähle ich dazu) in jedem/er angelegt (das diese bei Frauen und Männer andere sind hab ich inzwischen eingesehen :D ). Was daraus wird hängt maßgeblich von den ersten 20 Lebensjahren ab. In diesem Zusammenhang ist mein erster Kommentar zusehen.
Ich halte es für legitim wenn am Ende einer solchen Entwicklung ein bekennender Homosexueller Mann steht. Deswegen glaube ich nicht das männliche Homosexualität nur eine kulturelle Erscheinung ist, sondern viel mehr eine von der Natur angelegte Möglichkeit der männlichen Entwicklung die ihren evolutionären Zweck erfüllt (welcher das dann auch immer ist darüber lässt sich dann wieder wunderbar streiten).
Ich stimme dir zu das es durchaus auch ein kulturelles Phänomen ist (speziell in Europa) aber eben nicht nur.
P.S. “Charakterzüge” gibt es übrigens auch bei Tieren (z.B. Hunde die obwohl von der gleichen Art besonders aggressiv oder friedliebend seien können)
@claudia
bin vor kurzen auf euren sehr spannenden blog gestoßen ich freu mich!
die vorherrschende “hochkultur” geht schon mannschheitsgeschichtlich in eine männerliebende richtung aber geben tut es unter dieser gattung auch alles mögliche.
was weder gut noch schlecht ist!neutral!
alles neutral gesehen!
nur frage ich mich ob ihr andere nicht queere z.b.rollenlose usw..unendlichen fraktionen z.b.
die a u b hörnchen fraktionen die nur vom mensch ausgeht oder die superhypermegalieben oder neutralen sonstigen in alle richtungen gut schlecht neutral gemischt besonders alian kaka usw..alllesmögliche und unmögliche charakterlichen und die tendenz neutralen oder asexuellen oder sonstigen allesmögliche wesenscharakterlichkeiten fraktionen auch noch aus differenzierten ansichten sieht?!
also in anderen worten ob ihr auch noch generell zwischen den gattungen mann und frau unterschiedet?!ganz egal welcher charakterlichen arten und welcher sexueller tendenzen oder nicht tendenzen bei asexuellen es sich handelt?!
und ob ihr auch wenn ihr unterscheidet kein passend oder unpassend sieht sondern es neutralisiert aber von eurer tendenz eben auch mehr oder auschlieslich in die frauenliebende richtung geht?!
oder ob es euch nur um das geschlechterollen und qeere geht was euch nicht gefällt?
und alles andere als frauenfreundlich sieht?!
was ich dazu meine das ist nicht wichtig und ich möchte in der öffentlichkeit nichts dazu sagen.aber ich will wissen was euch wichtig ist da ihr einen sehr kreativen spannenden blog habt!
herzliche grüße martha
@claudia
ist es in einer frauenkultur überhaupt nötig männlich zentrierte kulturwelten also gottheiten also rollenverdreht göttinnen zu haben??
oder ist es für dich wichtig dann eben den anderen nicht queeren rollenlosen neutral fraktionen die gemeinsam was altes neues usw auch frauenkulturelles enwickeln wollen miteinzubeziehen?
also ich sage nichts was ich von denen denke.
oder ist für dich frauenkultur nur was was nur ausschlieslich mit frauenliebe und frauen zu tun hat?!ich will wissen was du dazu empfindest!