»[...] Am Ende der Tage war sie krank von den Madonnen-Bildern, die ihre männlichen Nachkommen auf den Knien halten, die Heiligen, die ihre blutende Stirn aufstützen, konnte sie nicht mehr sehen, all die Märtyrer, die ihre verwundeten Köpfe halten, die Engel mit erhobenen Fingern, die Herzoginnen, die ihre Gewänder raffen, die Herzöge mit ihren Falken auf der Hand, die Soldaten mit Waffen, Löwen mit Bannern, die Jungfrauen mit Spiegeln. >Alle Geschichten handeln von Verführung und Tod<, dachte sie. Dann dachte sie an ihre eigene Situation, und Resignation überkam sie. Aber sie wußte, sie würde nicht resignieren. Früher oder später gäbe es eine Konfrontation mit ihm – oder einfach ein Ende. Seiner Kollektion zweifelhafter Freundschaften würde sie ihren Namen nicht hinzufügen.«
Yvonne Rainer, in: Film about a woman who…, Kamerafrau Babette Mangolte, New York 1974»Künstler sublimieren nicht. Daß sie ihre Begierde weder befriedigen noch verdrängen, sondern in sozial wünschbare Leistungen, ihre Gebilde, verwandeln, ist eine psychoanalytische Illusion; übrigens sind legitime Kunstwerke ohne Ausnahme sozial unerwünscht. Vielmehr zeigen Künstler heftige, frei flutende und zugleich mit der Realität kollidierende, neurotisch gezeichnete Instinkte. [...]Ihr Teil ist vielmehr hysterisch outrierte Hemmungslosigkeit über allen erdenklichen Ängsten; Narzißmus bis an die paranoische Grenze getrieben. Gegen das Sublimierte haben sie Idiosynkrasien.« Theodor W. Adorno, Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Frankfurt/Main 1951.

Als uneheliches Kind wird Madge GILL (1882 - 1961, England) von Mutter und Tante aufgezogen. Ihre Existenz wird jahrelang geheim halten. Um 1903 wird sie von ihrer Tante in den Spiritismus eingeweiht. Als eines ihrer drei Kinder 1918 bei der Geburt stirbt, erkrankt Gill schwer und erblindet auf dem linken Auge. Ein Jahr später fängt sie an zu zeichnen, zu sticken und zu schreiben. Madge Gill arbeitet stets in Trance, in hohem Tempo und oft die ganze Nacht hindurch in halbfinsteren Räumen. Sie behauptet, ein Geist namens „Myrninerest“ führt ihre Hand; manche Werke sind mit seinem Namen signiert. Ihre Tuschezeichnungen reichen von Postkartengröße bis Papierrollen von 11 Meter Länge. Frauen, gefasst in einem Netz von dichten, unruhigen Linien, füllen ihre Zeichnungen. Perspektiven, Dimensionen und Formen sind nur schwer zu entziffern und verwirren den Betrachter.

Als Tochter eines Geigers begleitet Martha GRÜNENWALDT (*1910, Belgien) ihren Vater auf Bälle und Dorffeste und besucht nur unregelmäßig die Schule. Sie heiratet, bekommt eine Tochter, wird 1937 geschieden und spielt nun selbst Geige auf Terrassen, begleitet von ihrer kleinen Tochter. Mit 71, ihre Tochter kümmert sich schon lang um sie, fängt Grünenwaldt an auf der Rückseite von Plakaten und Tapeten mit den Farbstiften und Kugelschreiber ihrer Enkel zu zeichnen. Vor allem zeichnet Sie surrealistisch anmutende Frauen die sich in Blumen verwandeln oder in Tiere oder Vögel.
Der Polarkreis war erwacht, die Auroras hinweggeweht, der Himmel klar, das Eis darunter geschmolzen und einem wogendem Blütenmeer gewichen. Der neue Ort, das Leben, das Sein, am Ende der Welt, das jetzt ein Anfang und eine neugeborene Mitte war. Sie betraten ihn, Aida und die ihr nun sehr Vertraute, blickten sich in die Augen und verweilten. „Ich habe dich gehört, gefühlt, ich kenne dich mein Leben lang, spreche mit dir und höre dir zu und küsse dich endlos lange.“ „Ich sehe sie, höre sie, sie sind mir neu und ich mag ihre weiche Hauttextur, ich versinke in ihnen, ihren Armen und den Seelenleibern.“ Sie flüsterten, lachten, rannten hinweg und entkamen nicht. Körper neben Körper, Brust über Brust und Vulvenhügel an Vulvenhügel. Lebendig wogendes Blütengeflecht, die Köpfe der Sonne entgegengereckt und die Wurzelfüße umeinander verschlungen und bis in die feuchte Erdenmitte hineingetaucht und dort vom gurgelnden Milchgrund genährt. „Ich fühle sie und ich möchte sie und auch dich.“
Sie umfassten sich und rieben sich an Blätterstauden, stöhnten laut und gaben feuchte Küsse weiter. Sie wandelten, wandten sich vor Lust, tauchten in purpurfarbene Kelche ein und saugten ihren honigsüßen Nektar aus. Haut an Haut und Leib an Leib, nebeneinander miteinander und in fremden Arme gefangen. Sie ließen ihre Finger kreisen und die Münder schmatzen, sie flüsterten, sie sangen, sie jubilierten und das eigene Fleisch war bebend weit geöffnet wie zu nass gewordene Blätterhöhlungen. Sie, sie, Sie …, sie versanken in ewigen AugenBlicken, pressten stöhnend und gebaren dann blutig duftend klebrige Rosensprosse. [...]
Körper an Körper und Leib über Leib, tief in das wogende Blütenmeer eingetaucht, lustvoll ineinander verschlungen, über-, neben, untereinander; und Aida, sie zählte die Sterne und die ihr Vertraute rechneten ihre Tangenten aus.
@claudia
Die verbundenen Frauen in den Bildern zeigen doch eindeutig die Sehnsucht der Künstlerinnnen nach Frauen.
Nach der Fraulichen Seele.
Das stimmt schon die meisten Künstlerinnen müssen sich warscheinlich in ihrer eigentlichen Kunst dem was aktzeptiert ist anpassen.
Ganz allgemein zu Kunst:
Die meisten sind aber schon auf eine liebenswerte Art nicht alle Geisteskrank,aber das müssen sie sein bzw. werden sie es durch die Einschränkungen die Ihnen leider naja bei einigen sage ich das es zum glück vorgegeben sind.
Weil da gibt es echt ziemlich gestörte.
Die kennen dann keine Grenzen mehr und das finde ich dann nicht mehr schön sondern gefährlich.
Aber zum Verarbeiten solcher Gedanken finde ich es faszinierend das in Bildern umzusetzten.
Also es sind meistens auch viel feinsinnigere und empfindsamere Menschen die Kunst erschaffen.
Doch oft sind Sie annormal was aber wiederum kein wunder ist!
Das was du gedichtet hast ist doch Frauensexliebe oder?
also Sex ist ja immer interessant TierTrieb….haha
weder gut oder schlecht!
also ich bin so plump und absolut undichterisch das mich das total verzaubert so einen schön geschriebenen text der mich in diese Empdinungswelt miteintauchen lässt zu lesen.Also ich wünschte ich könnte sowas schreiben bei mir heißt sowas dann ganz direkt und undichterisch ich bin da triebhaft.
das ist über ein paar Augen die ich mal sah,
Wasser des Meeres tiefes Wasser das so dunkel ist das ich den Grund nicht mehr sehe.Doch plötzlich wird es so klar als ich hinsehe und es schwimmen riesige Fische mit großen silbern schimmernden Flossen in orangenem Kleidern vorbei Sie Tanzen miteinander im Wasser und funkeln mich freudig an und sprechen zu mir komm herein zu mir tauch in meine Welt.
Nur blicke ich verschlafen und meine ach das kann doch nicht echt sein.
Vorbei färt ein Uboot die Tür geht auf und es schreit komm rein in meine Welt trete ein.
Das boot lässt Musik von sich hören es ist ein großese auffallend grünes helles boot es strahlender glanz umrundet einen leuchtenden Farbenkranz.
Es fährt vorbei.kleine Seepferdchen in rotem Gewand mit leuchtenden pünkten auf dem körper und terrakottafarbenen Äuglein reichen mir wohlwollend und sanft wie weicher Kuchenteig die Hand.
Mit funkelden Haaren und Lilanen Strähnchen verbreiten Sie licht in der Meeresgegend.
Das Licht wird immer mehr und mehr und stärker und die Sonne ist zu sehen so warm und so lieb das Sie alles der Welt in sich vereint.
Das Licht lässt nicht los komm herein und wärme dich.
Jedes Detail an deinen Augen ist wie durch die Zauberhand einer Künstlerin gemalt.
Die Unendlichkeit vereint.
Werde ich sie wiedersehen?
Diese Augen.Von Ihr.Sie.Nie vergeseen werde ich Sie.
@natalie: der Text ist der Schluss meines Romans „Herzensfleisch“. (Gestern bin ich endlich fertig geworden :))
Ich wollte urprünglich eigentlich was über die Künsterinnen aus der „Prinzhorn Sammlung“ schreiben und bin bei der Recherche auf diese beiden hier gestoßen und war überrascht, wie sehr ihre Bilderwelt meinen Vorstellungen ähnelt. Scheint wohl was Universelles zu sein, oder so eine Art Utopie wohin sich die Beziehungen von Frauen entwickeln könnten.
@claudia
kann Frau diesen Roman mal lesen oder ist es zu persönlich?
wow du hast einen ganzen Roman geschrieben das muss ja ne Ewigkeit gedauert haben!
Eine Tschechische Künstlerin malt Innenwelten von Augen.
Also die Bilder finde ich sehr explosiansartig und erinnern mich an das Universum.
Dagegen ist mein geschreibsel über Augen Luft.
Aber ich bin da absolut drückeplatschig das gebe ich auch zu.
hier der Link zur Künstlerin.
http://de.www.renata-dvorakovava.de/index.html
nochmal der Link:
http://www.renata-dvorakova.de/index.html
also was Die an Farben in Augen erkennt.
Das sind voll die Welten die Sie malt.
Es sind ganz viele Universen und so explosionsartig kraftvoll und so intensiv farbenreich.
was meinst du zu den Bildern?
ja ganz nett, aber lustig ist, dass die Malerin so eine ähnlich Biographie wie ich hat. Nur umgedreht. Ich habe eine tschechische Mutter und einen deutschen Vater.
@Claudia
das ist witzig.
und ihre bilder sind doch auch fraulich also Frauenliebend was meinst du?
die Bilder sind zwar von einer Frau, aber als „Frauenliebend“ empfinde ich sie nicht. Sie erinnern mich so ein wenig an Seidenmalerei.
Interessanter sind da schon Agnes Richter oder Maria Kraetzinger aus der Prinzhorn Sammlung in Heidelberg:
http://www.prinzhorn.uni-hd.de/galerie/agnes-richter.shtml
http://www.prinzhorn.uni-hd.de/galerie/maria-kraetzinger.shtml
@claudia
was ist Seidenmalerei?
einfach mal bei google eingeben…
@claudia
Schon gekukt.
Also jetzt weiß ich was das ist das habe ich in der Schule mal vor Ewigkeiten mal gemacht.
Auf Seidentüchern malen.
Also ich finde das die Farben ausdruckskräftiger sind wie sie malt,aber du meinst das Sie so sanft auf die Leinwand wie auf Seide malt das kann sein.
Also es erinnert mich eher an Expressionistinnen von der Farbstärke her und von der Form geht das in so eine Richtung.
@claudia
Agnes Richter ist interessant das stimmt.
Eigentlich ist sie ja eine Frau die erschaft und deshalb wird Sie für verrückt erklärt?!
Also was das für eine wahnsinnig feine Arbeit ist soviel in eine Anstaltsjacke einzunehen nur um Ihre Identität zu bewahren das Sie Ihr weggenommen wurde.
Aber vielleicht sind die normalen in der Irrenanstalt und die gestörten laufen frei rum?!
es gibt aber auch echt voll gestörte künstler die so zerfleischte tiere fotografieren und töten und echt böse sind.
es gibt aber eben auch die Künstlerinnen die einfach so viel sehen und so eine wache Wahrnehmung haben das Sie eben deshalb für Verrückt erklärt werden.
Und die Maria Kraetziger hat einfach einen Liebeswahn und Sie wird für Schizopren erklärt?
aber selbst wenn sie Schizopren ist dann erlebt Sie vielleicht einfach viel mehr als andere Menschen und hat eine viel sensiblere Wahrnehmung!
Aber vielleicht landen deshalb auch viele Künstlerinnen in der Klapse weil sie einfach mehr sehen und sich nicht anpassen eben die echten normalen sind wenn frau das so sieht.
Eine Bekannte, die als Sozialarbeiterin arbeitet, hat mir mal erzählt, dass die Psychiatrischen Abteilungen der Krankenhäuser voll von jungen Frauen um die 20 wären. Sie betreut die Frauen danach und oft verlieben sie sich dann in sie. Wenn dann dieses lesbische Begehren festgestellt wird, wird es oft mit der psychischen Labilität in Verbindung gebracht. D.h. die Frau ist/wird lesbisch/begehrt eine andere Frau weil sie labil ist und so. Aber ich glaube es ist genau andersrum. Sie wird labil weil sie (unbewusst) fesstellt, dass sie in einer Männerwelt lebt und sie als Frau in diesem System garnicht vorkommt…
@claudia
ja das kann ich mir gut vorstellen!
denn die jungen Frauen bemerken erstmal so richitg das Sie agrnicht vorkommen in der Männerwelt.
Sie spüren dann ihr eigenes Ich und empfinden dann Ihre Liebe nicht nur weil die andere Frau Ihnen die Aufmerksamkeit gibt sondern weil Sie die Frauliche Seelische allesdurchfliesende Sonnenmächtigste stärkste mütterlichste Liebe bekommen.Nachdem sich letztendlich fast jede oder sogar jede Frau sehnt nach einer anderen Frau.