„Da ist was falsch gelaufen. Frauen werden immer erfolgreicher – und immer unglücklicher“, lautete neulich eine Überschrift in der Süddeutschen Zeitung. Sie bezog sich auf eine neue, von Betsey Stevenson, Justin Wolvers und der Universität Pennsylvania/USA durchgeführte Studie über Glück. (The Paradox of Declining Female Happyness). Diese kommt eben zu jenem Schluss, dass „Frauen zunehmend unglücklicher geworden sind, sowohl absolut als auch im Verhältnis zu Männern. Frauen haben traditionell stets einen höheren Grad an Zufriedenheit angegeben als Männer, jetzt jedoch geben sie Werte an, die ähnlich oder gar niedriger sind als die der Männer.“ Und das, obwohl (oder gar gerade deswegen …) sie emanzipatorisch gesehen so weit wie noch nie in der Menschheitsgeschichte gekommen sind. Sie sind reicher, gesünder und freier, können Studieren, Arbeiten, Kinder bekommen oder keine, sind sexuell befreit (…), usw. Nun ja, in vielen anderen Blogs wurde diese Untersuchung auch erwähnt und mehrheitlich hallte dann der entsetzte Aufschrei: „Wir wollen doch nicht wieder an den Herd zurück…!“ durch den virtuellen postfeministisch und queeren Raum. Herd-Job sind da die beiden Dualismen, die so viel Schrecken bereiten, Job-Herd-Job-Herd. Klar, zurück will, wie so viele Frauen, auch ich nicht. Aber dennoch die Unzufriedenheit, sie bleibt.
Szenen- und Themenwechsel. Literaturinstitut Leipzig und sein neuester „Star“ heißt Verena Roßbacher und hat einen viel beachteten Debütroman geschrieben „Verlangen nach Drachen“. Hier ein Auszug aus der ebenfalls in der Süddeutschen erschienenen Kritik: „[...] Klara ist, wie ihr Name nahelegt, ein reines Wesen und mithin eine geräumige Projektionsfläche für Männerträume. Nur in der Perspektive ihrer wechselnden Liebhaber, zu denen im übertragenen Sinne auch ihr Vater zählt, nimmt sie überhaupt Gestalt an, und da es sich bei diesen Herren ausnahmslos um fantasiebegabte und verhaltensauffällige Individuen handelt, setzt der Liebesreigen eine Flut von Bildern und Einbildungen, Aus- und Abschweifungen, abstrusen Palavern und grotesken Szenen frei, in der literarische Referenzen als fröhliches Treibgut tanzen. [...]“ Und dann werden die verschiedenen Herren nacheinander aufgezählt.
Was hat aber nun die vorangegangen erwähnte Untersuchung mit dem Werk von Frau Roßbacher zu tun? Wieder nun, ich denke so einiges. Ein Künstler oder auch eine Künstlerin ist eine Person, die sozusagen die Befindlichkeiten/den Zustand einer Gesellschaft in Worte oder Bilder fassen kann. Und Frau Roßbacher fasst den Zustand/das Bewusstsein/die Identität von Frauen in Worte bzw. ihren NichtZustand, das NichtBewusstsein und die fehlenden eigene Identität. Sie beschreibt Klara nur durch den Blick der Liebhaber, der Männer. Sie nimmt einen männlichen Blick auf die Frauen an, einen für sie fremden Blick, einen durch Jahrhunderte (männlicher) Literaturgeschichte geprägten Blick, der Mann sieht die Frau als ein ihm ungleiches und rätselhaftes Wesen. Eine Frau wird durch den Mann erst zum Leben erweckt und sie, Frau Roßbacher, kann es auch nur durch den Mann und seinen fremden Blick. Eine Frau ist kein Mensch, sondern eine Frau, und wenn sie menschlich werden will, muss sie zum Mann werden. Und dieses Phänomen ist mir bei fast allen Neuerscheinungen (deutscher) Autorinnen aufgefallen, diese Unfähigkeit authentische Frauengestalten zu schaffen, sie kreisen um den Mann, den Vater wie um den Heiligen Gral, männlich ist heilig und alleinig auf der Welt. (Als ob es z. B. Virginia Woolf nie gegeben hätten, aber vielleicht wird sie auf dem Literaturinstitut und in der ganzen Bildung auch nur am Rande erwähnt und auch nicht die Notwendigkeit, dass Frauen ihre eigene Sichtweise auf die Welt und ihr eigenes Geschlecht entwickeln müssen. Aber klar, warum auch, denn Frauen sind, Menschen und der Mensch=der Mann. Und nur als Mensch/Mann kann man in der Welt was schaffen und als eingenständige Existenz wahrgenommen werden, denn Frauen existieren offiziell ja gar nicht.)
Und hier schließt sich der Kreis und der Zusammenhang zwischen, der Untersuchung über weibliche Unzufriedenheit und der Schriftstellerin und ihrem fehlenden (eigenen) Blick auf ihr Geschlecht, wird nur allzu deutlich. Denn wenn es schon eine Künstlerin nicht hinkriegt, Frauen eine eigene Identität zu geben, wie sollen es dann die vielen anderen und nicht so schöpferisch begabten? Aber sie spüren etwas, das da was Grundlegendes nicht stimmt in der Welt, der Ema(n)nzipation und mit der Gleichstellung von Frauen. Frauen dürfen zwar beruflich bei den großen Jungs mitmischen, aber nur wenn sie selbst zu Jungs/Männern werden, müssen ihre Werte annehmen, sich selbst verleugnen, ihre Erfahrungen und Wünsche. Sie haben kein Recht darauf die Welt nach ihren Wünschen zu formen, sie müssen dies in der Verkleidung/Maske des Mannes tun, seine Wünsche und Sehnsüchte erfüllen und auch sein Geschlecht übernehmen. Und dies ist gleichzeitig wohl auch der Grund für die steigende Zufriedenheit des Mannes, seine Werte und sein Geschlecht gewinnt zunehmend die Oberhand und die Frau verschwindet und wird zum Pseudomann.
@claudia
du bringst es auf den punkt eine unechte freiheit wird propagiert.denn frauen dürfen nur die vorgegebenen strukturen der herrschenden männerwelt nach spielen aber keine eigenen strukturen miteinbringen!
die frauen können ja alles machen und es ist eine so freie gesellschaft das ist nicht wahr denn alles läuft nach dem gleichen prinzip das frauen sich dem manne gefälligts anzupassen haben also zu einem mann werden müssen denn nur der mann the men,lhomme,el hombre ist als mensch zu sehen!
so ist es leider!