Das ist doch längst ein alter Hut, werden viele sich denken, war vielleicht in den 80er Jahren noch ein Tabu, heute gibt es sie doch überall zu kaufen, in allen Formen und Farben, aus Glas, Gummi oder Silikon – und man kann sie sogar anonym im Internet bestellen. Wozu also darüber schreiben?
Das stimmt, denn die Generation um die 20 (im Unterschied zu der Feministinnen-Generation) scheint schon um einiges lockerer mit dem Thema umzugehen, sie gibt sich abgeklärt und diskutiert auch in öffentlichen Foren darüber. Doch ich glaube, diese Offenheit ist nur eine scheinbare, denn mir ist ebenfalls aufgefallen, dass auch heute noch sehr viele Frauen sich nur recht dürftig mit ihrem eigenen Körper auszukennen scheinen und teilweise große Angst vor dem Eindringen haben. (Penetration)
„Wozu was reinstecken, ich habe doch 10 gesunde Finger“
„Ich mag das irgendwie nicht, es tut mir weh.“
„Ich bin doch lesbisch, nein, sonst könnte ich mir ja gleich einen Mann nehmen.“
Denn das Eindringen scheint hier das wahre Tabuthema zu sein, der Sinn und Zweck etwas in sich „reinzustecken“ wird nicht verstanden und mit „Heterosex“ und auch „Gewalt“ gleichgesetzt.
Warum also beim Sex (mit sich und mit anderen) was in sich drin haben wollen? Was bringt es mir, und sind die Gefühle andere als bei einer rein klitoralen Stimulation? Und hier komme ich auf den berühmten G-Punkt zu sprechen, er spielt eine maßgebliche Rolle (wobei ich persönlich nicht das Gefühl von einem Punkt, sondern eher von einer Fläche habe, so eine Art Nervengeflecht.) Was ist der G-Punkt also? Wenn man durch das Netz surft und Informationen über ihn sucht, stößt man zumeist auf zwei Kategorien, (Medizinische) Informationsseiten und Forumsbeiträge von Frauen. Auf den ersteren findet man oft Erklärungen wie diese: „Bei der Gräfenberg-Zone, auch G-Zone sowie G-Punkt oder G-Spot handelt es sich um eine erogene Zogen in der Vagina , deren Existenz allerdings umstritten ist. Bei manchen Frauen soll ihre Stimulation sehr schnell zu einem Orgasmus führen, andere empfinden diese jedoch als wenig oder nicht erregend. Sie ist nach Ernst Gräfenberg benannt, einem deutschen Arzt, der 1950 in einem Artikel von einer „erogenen Zone in der vorderen Vaginalwand, entlang der Harnröhre die bei sexueller Stimulation anschwillt“ schrieb.“ (Quelle Wikipedia) Bei den Forumsbeiträgen dominiert die meist erfolglose Suche nach ihm (auch bei Heterofrauen, die sich mit dem Eindringen eigentlich auskennen sollten …).
Ich war sehr erstaunt über diese öffentlich vorherrschende Unsicher- und Unwissenheit, und daher habe ich mich entschlossen hier mal eine kleine „Gebrauchsanleitung“ zur effektiven Benutzung von Dildos reinzustellen:
Am besten legt man sich auf die Seite, die Knie angewinkelt, und macht sich durch die Stimulierung der Klitoris erst einmal genügend nass. (Kann auch noch zusätzlich die Brustwarzen etwas zusammendrücken denn es gibt, so glaube ich zumindest, eine direkte Verbindung zwischen ihnen und da „unten“ ;)) Wenn man das Gefühl hat genügend nass und offen zu sein, kann man damit beginnen langsam den Dildo (am besten einen leicht gebogenen und mit glatter, Oberfläche + aus nicht zu weichem Material) in sich reinzuschieben (von hinten in die Vagina), und wenn man dabei den Rücken etwas durchdrückt geht es noch etwas besser. Wichtig dabei ist, sich wirklich zu entspannen, und sich vielleicht schon vorher lustvoll vorzustellen, dass gleich etwas in einen reingeht (also ohne Verkrampfung und Angst, Schmerzen entstehen nur durch Verkrampfungen, denn „zu eng“, oder so was, ist kaum eine Frau, immerhin soll da ja ein Kind durchpassen).
Jetzt kann man entweder damit beginnen den Dildo langsam in der Vagina zu bewegen (vor und zurück)- oder ihn auch drinnen lassen und durch, „Hohlkreuz machen“, noch mehr Druck auf den G- Punkt (oder eben diese Nervenfläche auf der Innenseite der Vagina, gleich hinter dem Schambein) auszuüben – und wer will, kann noch zusätzlich die Handfläche auf den Po pressen, verstärkt das Ganze noch. Aber wichtig ist, die ganze Zeit weiter die Klitoris zu stimulieren, denn es ist ein Zusammenspiel dieser beiden Dinge, (innerer Druck und äußere Stimulation) welches dann den „inneren Orgasmus“ erzeugt.
Wichtig: Die übliche „Missionarstellung“ (auf dem Rücken liegend) bringt kaum Ergebnisse, sie ist also eher wenig dazu eingeignet Frauen zum Orgasmus zu bringen. Und: Die eigenen Finger sind meistens zu kurz und zu dünn und – so mein Gefühl – wenn auf dem Höhepunkt der Muttermund sich senkt und den Dildo berührt, verstärkt dieses noch zusätzlich die Intensität der Kontraktionen.
Es ist nicht einfach, es hier so theoretisch zu beschreiben, aber wenn man sich genügend darauf eingelassen hat, können Gefühle entstehen, die weit über ein körperliches Empfinden hinausgehen. Ich kenne mich im Tantra nicht aus, aber wohlmöglich ist mit dieser Art von Orgasmus die „göttliche Verbindung“ gemeint. Wie auch immer. Ich denke aber, dass es schade ist, wenn Frauen sich – durch Unwissenheit oder Angst – diese Art von Orgasmus zu erleben selbst rauben.
Auch drängt sich mir der Gedanke auf, dass das Tabu/die Angst vor dem Eindringen etwas mit: „Du musst bis zur Heirat Jungfrau bleiben“, denn „Frauen(Körper) gehören Männern“ zu tun haben könnte. Patriarchal archaische Einstellungen, die sich (unbemerkt) in den Köpfen der Frauen bis in die Neuzeit hinein erhalten haben. In vielen afrikanischen Ländern werden Frauen auch heute noch beschnitten und zugenäht, damit sie bis zur Heirat unberührt bleiben. Die Unterschiede zwischen diesem grausamen Ritual und unserer Angst sind nur graduelle und entspringen derselben Quelle, demselben Bewusstsein, die Frau gehört dem Mann. Aber nein, sie gehört nur sich alleine (und anderen Frauen ;))
Als Anhang noch ein link auf ein Prosatext, er ist aus meinem Roman und zeigt eine andere Möglichkeit auf, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen, nämlich in literarischer Form:
was war das denn jetzt für ein kranker text?! hab gut gelacht :-))) wie wärs wenn einfach jede selber rausfindet ob und wie es für sie schön ist?? so hört sich auf jeden fall nicht nach spaß an.meine meinung!
…wieso kranker text?
eher ein kommentar von jemandem, der sehr schamhaft ist…
also ich fand diese erläuterungen sehr interessant und werde das auf jeden fall ausprobieren!
Claudia,
Nun auch zu diesem Thema eine Antwort.
Was Du über das „Eindringen“ schreibst hatte ich ja schon anderer Stelle bezüglich der analen Penetration beschrieben.
Egal ob vaginal oder anal: in jedem Fall hilft es, für orgasmischen Sex, möglichst entspannt zu sein. Viele Menschen, und davon sicher ganz viele Frauen, sind aber „tight-assed“ (geizig, sic!). Der amerikanische Begriff ist hier bezeichnend, weil er von obszöner Bildlichkeit ist aber etwas Charakterliches ausdrückt.
Und wirklich: so wichtig es ist seine Schließmuskeln zu kräftigen, so wichtig ist es sie entspannen zu können – wenn man nicht „verklemmt“ durch’s Leben gehen möchte. Das ist sicher für ganz viele Menschen ein Problem, und ich möchte hier mal ganz salopp die These formulieren, dass unsere Welt eine andere wäre wenn es nicht so viele „tight-asses“ gebe.
Ich habe an anderer Stelle schon auf das Buch „Demonic Males – Apes and the origins of human violence“ hingewiesen. (Zu Deutsch heißt das Buch unsäglicherweise „Bruder Affe“ – „Schwester Affe“ wäre angemessener gewesen – und ist nur gebraucht zu bekommen.) Es ist eine wissenschaftliche Zusammenfassung über die Primatenforschung, geschrieben von den Dale Peterson und Richard Wrangham.
Die Implikationen dieses Buches sind hoch interessant und wer das Buch ganz liest wird entdecken wie wichtig eine entspannte Sexualität für eine friedliche Existenz ist. Die einzigen nicht-mordenden Primaten (inklusive des Menschen) sind die Bonobos. Homosexualität (eigentlich Bisexualität) ist sehr verbreitet und die weibliche Homosexualität sehr ausgeprägt. Lesben kann ich dieses Buch nur dringend empfehlen.
Für uns gilt es uns von dem ganzen tabuisierten Ballast zu befreien. Wie ich meinem Körper sexuelle Lust zuführe hat Niemand zu kritisieren so lange „Niemand“ nicht gegen ihren/seinen Willen in Mitleidenschaft gezogen wird.
WIE, da stimme ich Jessica zu, Frau/Mann am Besten zum Orgasmus komme ist allerdings sehr unterschiedlich weil, wie wir wissen, der Kopf (der verkopfte) dabei ein große Rolle spielt. Manche müssen es aus sich herauspeitschen andere müssen sich „einfach nur“ gehen lassen. Allerdings können technische Ratschläge manchmal helfen den Ball ins rollen zu bringen.
Aber wichtig bleibt immer wieder laut zu sagen: Deine Lust ist Dein Recht und alles was Du tust um sie zu erleben ist GUT ( solange Niemand… siehe oben)… Lust ist im Endeffekt ein „sich-drauf-einlassen“ und es hilft dabei möglichst wenige Ängste zu haben.
Und da komt die Politik ins Spiel. Denn es gibt eine Wechselwirkung zwischen Gleichberechtigung und entspanntem Sex. Erst wenn ich mich sicher fühle kann ich mich auch wirklich gehen lassen. Und wenn ich erlebt habe wie schön es ist mich gehen zu lassen dann kann ich dies auch anderen zugestehen etc.
Sexuelle Toleranz und Friede sind untrenntbar.
Meine Erfahrungen mit dem G-Punkt sind übrigens recht eindeutig. Er lässt sich, nach meiner Erfahrung, bei der Partnerin am Besten mit den Fingern (aber auch mit dem Dildo) im Liegen stimulieren. Zusammen mit einer flinken Zunge ist das Ergebnis immer wieder – SCHÖÖÖN!
Und was die Abneigungen gegen das „Reinstecken“ angeht: Manche Menschen lassen halt gar nirgendwo irgend etwas in sich ‘reinstecken. Das fängt schon beim Küssen an. Sie sind, mit einiger Wahrscheinlichkeit, einfach nicht entspannt. Vielleicht verpassen sie was – vielleicht aber auch nicht – wer will das schon wissen…
„sie gehört nur sich alleine (und anderen Frauen ;))“
Idiotie. Rein entwicklungstechnisch muss bei homosexuellen ja was nicht stimmen(Muschi + Muschi = keine Reproduktion != Sinn des Lebens).Und heutzutage haben Männer viel mehr Angst vor Frauen als umgekehrt. Red’ doch bitte keinen Unsinn, wenn du keine ahnung hast! Könnte mich jeden Tag bei meinem Freund dafür entschuldigen, was wir Frauen unseren Männern heutzutage antun! Mein Freund respektiert mich als eigenständigen Menschen, genauso umgekehrt.
Da ich mir denke, du weissts eh nich: „!=“ <– heisst „ungleich“.
Meine liebe „HeteroZumGlück“,
alleine die Tatsachen, dass du auf unserer Seite gelandet bist (der Name „feminineLesbians“ sagt auch bei google schon alles…) lässt mich an deinem Nickname etwas zweifeln.
Nun denn, rein gefühls- und erfahrungsmäßig schätze ich dich und deinen wütenden und nicht zum eigentlichen Thema sich äußernden Kommentar so ein, dass du selbst noch nie/oder zumindest noch nicht mit deinem (männlichen) Partner einen Orgasmus erlebt hast. Habe ich Recht oder nicht?
LG Claudia