Was mich zu diesem Beitrag veranlasst hat, sind zwei Dinge. Zunächst ein interessantes Gespräch, das ich mit einer Bekannten geführt habe, wie man lesbische Frauen jenseits der Szene kennnelernen kann – sie war der Meinung, dass man komplett die Finger von Frauen lassen soll, die sich nicht als offen lesbisch definieren – und dann noch etwas, was sich gerade an meinem Arbeitsplatz abspielt …
Ich nenne sie mal hier Gülsen, sie ist mir als Praktikantin zugeteilt worden, und vom ersten Tag an versuchte sie meine Familienverhältnisse zu erkunden. „Bist du verheiratet und hast du Kinder?“ Frage sie immer wieder. „Nein ich war es, jetzt bin ich geschieden und Kinder habe ich keine.“ „Aber einen Freund, den hast du doch?“ „Ja klar, aber der lebt in Köln und wir sind auch nicht so eng…“ „Wie nicht eng?! Du liebst ihn doch oder?“ „Naja die andere Stadt, das ist irgendwie blöd, diese Distanz und so und dann passen wir nicht wirklich zusammen …“ Notlügen, sie nickte ließ aber nicht locker. Tagaus, tagein erzähle sie mir dann von ihrer geplanter Hochzeit, (ihr Freund ist gut 10 Jahre älter, 33, Gülsen ist 21), sie hat sich ihn selbst ausgesucht, die Mutter und ihre 5 Schwestern wissen Bescheid, der Vater muss aber noch „überredet“ werden.
Sie versuchte sich dann mit mir zu verabreden und sie erzählte mir, dass Türkinnen in Berlin mitnichten bis zur Ehe Jungfrauen bleiben. „Die tun nur so, aber nur um sich dann von ihrem Freund in den Arsch ficken lassen, das finde ich nicht ok, ich meine, so was mache ich nicht. Und dann sind die Türkinnen schon viel schlimmer als die Deutschen geworden, so mit ihrem Styling und so, Kopftuch auf und dann voll die knallengen Jeans an.“ Dann begutachtete sie meine Figur: „Wenn ich abnehme, möchte ich werden wie du.“ „Wie, wie ich?“ „Naja du bist schlank, hast aber dennoch Po und so.“ Ich schluckte und wendete mich wieder meiner Arbeit auf dem Bildschirm zu. Aber dann fuhr sie eines Tages noch härter Geschütze auf. „Kennst du eigentlich Lesben und hast du welche in deinem Freundeskreis?“ „Was, wie, wo!?“ „Ja bei meinem letzen Praktikum gab es eine Frau, die war lesbisch und die wollte ihre Freundin sogar heiraten. Und eine andere war bisexuell.“ Ich ignorierte ihre Frage gekonnt, da ich in dem Moment vor den anderen nicht geoutet werden wollte.
Meine Erfahrungen aber sind, dass die interessantesten Begegnungen wohl weit jenseits der Lesbenszene stattfinden, und offensichtlich ist es viel leichter Frauen kennenlernen, wenn man sich nicht als lesbisch definiert. (Sein Äußeres dementsprechend verändert oder es laut ausspricht) Frauen kommen aber dennoch auf einen zu – oder gerade deswegen – sie „erfühlen“ es auf irgendeine Art und Weise, eine Aura oder Energie – oder wohlmöglich fällt es auch nur auf, wenn man mit Anfang 40 noch alleine und kinderlos ist.;) Durch meine beruflichen Zusammenhänge bin ich viel mit muslimischen Frauen in Kontakt gekommen, habe sie lieben und schätzen gelernt, und auch einige Vorurteile abgebaut. Hier sind noch zwei Geschichten, die ich so erlebt habe:
Szenenwechsel Sommer 2006, irgendwo an der Ostsee: Es war der erste Morgen und ich und Haze saßen zusammen beim Frühstück. „Hm Claudia sag mal, was heißt das eigentlich, wenn eine Frau zu einer anderen Frau sagt: Ich liebe dich. Ich meine bedeutete es nur Freundschaft, oder auch mehr?“ Ich verschluckte mich fast an meinem Käsebrötchen. „Wie meinst du das jetzt genau …?“Ich rutschte unruhig auf dem Stuhl hin und her. „Zu mir hat das eine deutsche Frau gesagt und ich habe nicht verstanden, wie sie das meinte. Kiffah und Eshar auch nicht, wir haben da nächtelang darüber geredet, Eshar meinte es bedeutet mehr – Kiffah meinte nur Freundschaft.“ Ich überlegte. „“Ja, wie hat sie es denn zu dir gesagt, ich meine in welchem Zusammenhang, in welcher Stimmlage, wie hat sie dich dabei angeschaut, war sie verlegen dabei gewesen …?“ Sie erzählte mehr und ich kam zu dem Schluss, dass die Frau in Haze ernsthaft verliebt gewesen sein muss, und teilte es ihr auch mit. „Das verstehe ich nicht“, antwortete sie mir, „bei uns (arabischer Raum) ist es ganz anders, ich meine wir Frauen verbringen immer viel Zeit zusammen, das ist traditionell so – auch ich und Kiffah – aber Liebe, das kann es doch nur zwischen Mann und Frau geben. Nein, ich glaube nicht, was du mir da so erzählst.“ Ich schwieg und dachte mir so meinen Teil.
Erneuter Szenenwechsel, Sommer 2005 in einer osteuropäischen Hauptstadt: Die Busfahrt hatte an die sieben Stunden gedauert und das Hotelzimmer hatte uns zwei Einzelbetten zugewiesen. Zu meinem (und wie ich später feststellte, auch zu ihrem) Bedauern. Wir gingen gleich los, Ikram und ich. Untergehakt durch die Altstadt, die Geschäfte, die Touristen, die Festung und dann eine Schifffahrt auf der Moldau. Ikram zog auf dem Deck ihr T-Shirt bis auf ihr Spaghettiträger Top aus und sonnte sich. „Das kann ich zuhause nicht, habe immer Angst, dass mich jemand aus der arabischen Community sieht.“ Am Abend trank ich Wein und sie Cola light. Sie redete über ihre bevorstehende Heirat (mit einem Deutschen wegen des Passes), ich versuchte sie davon abzuhalten, weil ich ihn für einen Betrüger hielt. (Was er, wie sich später herausstellte, auch wirklich war. Ein Spieler, der seine Schulden auf sie abzuwälzen versuchte.)
„Ich finde Lesben und Schwule unnatürlich“, haute sie so ungefähr am dritten Tag unseres Aufenthaltes unvermittelt raus. Ich fragte nach. Das lesbisch- schwule Stadtfest in Berlin, sie hatte es sich gründlich angeschaut und war zu diesem Schluss gekommen. „Nur Frauen, das ist doch so schrecklich langweilig …“
Und auch am letzten Abend schaute sie wieder den Zigeunerinnen nach, ganz junge Mädchen, sie waren überall in der Stadt und verdienten sich ihr Geld, indem sie Touristen zu einem schnellen têt a têt mit sich in Seitengassen zogen. Ikram folgte ihnen, mich mit sich zerrend. Auf einem Boulevard entdeckte sie dann eine größere Gruppe von ihnen. „Schau, schau, was die nur da machen!“ Sie war ganz aufgeregt. Eines der Mädchen hatte ein anderes (und Jüngeres) huckepack genommen und rannte mit ihm lachend die Straße auf und ab. „Schau, schau!“ Es war offensichtlich seine Freundin, die es vor den anderen vorführte. Besitzerstolz in aller neonhellen Öffentlichkeit.
Wie nahmen die letzte Straßenbahn in unser Hotel zurück. Arm in Arm betraten wir den Aufzug in den 5ten Stock empor… (Und ein Jahr später habe ich dann eine Affaire mit ihr angefangen.)
Ich habe mir lange überlegt, ob es eine Rolle spielt, dass diese Begegnungen weit jenseits von lesbischen Zusammenhängen mit muslimischen Frauen stattgefunden haben (allesamt mit eher femininem Erscheinungsbild) – oder ob es mehr damit zusammenhängt, dass sie eben noch mehr in die Familie eingebunden sind und somit nicht so schnell mit der Szene in Berührung kommen. Ich denke aber das Zweite, denn als ich über eine (lesbische) Internetplattform eine Türkin kennengelernt habe, war auch sie völlig assimiliert und kerlig.
*Sihaq ist übrigens der arabische Begriff für lesbische Liebe
Dies ist ein interessanter Artikel zu dem Thema:
http://www.bzw-weiterdenken.de/index.php?m=artikel&rub8=&tid=92
Den Artikel von Angelika Hassani finde ich sehr interessant, nur leider unterscheidet sie zu wenig zwischen Männern und Frauen. (In diesem Fall zwischen Schwul/Trans und Lesbisch) Denn auch wenn „queer“ uns weismachen will, dass es eigentlich keine Geschlechter gibt (weder geistig noch körperlich), so glaube ich gibt sie doch, zumindest meiner Lebenserfahrung nach…
Und wenn man sich dann noch die Griechischen Mythen anschaut/durchließt wird einem auch einiges über den „Krieg zwischen den Geschlechtern“ klar. Verwirrend, ja aber zumindest das habe ich begriffen: Die Frauen haben nicht gewonnen in dieser Jahrhunderte/tausende währenden Schlacht der Geschlechter, aber ihre Chancen liegen in der Zukunft. Denn, so wie der Mann sich von der Natur (und damit von der Frau als gebärendes /naturabhängiges Wesen) befreit hat- so muss sich die Frau von dem Mann (als dem die Natur zerstörendes/unfruchtbares Wesen) befreien. Alle Frauen werden lesbisch?? Wer weiß was dann wird, wir werden sehen…. ;)
hierzu möcht ich auch kurz meinen kommentar abgeben *g*, jaja, ich hab viel hier gelesen heute ^^
aaalsooo… ich kann zwar nicht so viel zu muslimischen lesbischen frauen sagen, obwohl ich mir vorstellen kann, wie es ist, aber dafür zu indischen frauen.
vor 10 jahren ungefähr hat eine mir sehr ans herz gewachsene indischstämmige filmregisseurin Deepa Mehta einen film rausgebrauch „fire“ in dem es um eine indische familie geht. dort wird der sohn der familie mit einer frau verheiratet, die zu ihm und seiner familie ins haus zieht. die ehe verläuft sehr unbefriedigend und auch die ehe der schwiegereltern ist nicht die beste. im laufe der zeit entwickelt sich zwischen schwiegermutter und schwiegertochter eine sehr zärtliche, sinnliche liebe. ein sehr schöner film, kann ich nur empfehlen, aber worauf ich eigentlich hinaus wollte ist, dass in indien selbst einige kinos, die den film zeigen wollten in brand gesetzt wurden und viele proteste usw. entstanden gegen den film, die schauspieler und vor allem die regiseurin. bis heute ist es in indien verpönt. die schwule bewegung ist am laufen, während die lesbische bewegung SEHR auf sich warten lässt. immerwieder lese ich in indischen zeitungen allerdings von doppelselbstmorden usw. von lesbischen frauen, die von ihren familien verstoßen oder nicht akzeptiert werden. offiziell existieren lesbische frauen in indien gar nicht, sie werden als krank angesehen. schwule werden zwar auch nicht akzeptiert, aber wenigsten gilt ihre existens als erwiesen.
hallo,
aus persönlichen gründen recherchiere ich dieses thema in letzerzeit öffters. ich lebe genau so ein leben wie ihr es hier zu beschreiben versucht. als muslime die frauen liebt verschließe ich mich vor allen. meine familie darf es nie erfahren und meinen freunden traue ich mich nichts zu sagen. sie raten einem immer kopflos sich zu outen ohne wirklich zu wissen was es für mich bedeutet, kann ich das doch selbst kaum überblicken. mich quält die frage ob dies denn auch richtig ist und fühle mich nicht ernst genommen. es ist als wäre ich ganz alleine auf diese welt.
@claudia
du bestätigst es nocheinmal es ist allgemein unmöglich zu sagen frauenliebend zu sein.und die notlüge einen freund zu haben um inruhe gelassen zu werden fast schon ein diskriminierender zwang.
und es stimmt das die interessantesten frauen nicht in der szene kennenzulernen sind.wobei ja die szene ein absichtliche abgrenzung macht.
denn es gibt viel mehr frauenliebe viel mehr sihaq überall nur wird sie nicht ernst genommen und kann nur versteckt bzw.in wenigen gebieten ein bishen offener gelebt werden.
aber letztendlich ist es überall so.
@sofi
an deiner stelle würde ich auch angst haben mich mehr zu zeigen.aber was du vielleicht machen kannst also so mache ich das wenn menschen mich nicht so anehmen dann versuche ich es schon denen klar zu machen das es so nicht geht in dem ich auch ihnen zeige wo ihre rechte sind und wo meine sind.d.h.ich würde langsam deine eltern daran gewöhnen und deine freundin erst so als freundin vorstellen auf der anderen seite ist es dein leben und wenn du einfach kontakt abrichst solange bis sie dich aktzeptieren.also ich bin enzwischen der meinung das ich eine einzelne person für mich bin und ich alles für mich entscheiden kann und will und ich weiß das frau trozdem an der familie hängen kann aber ich in einer glücklichen beziehung garnicht an meine familie denke.
also familie ist herkunft und frau mag seine eltern das wars aber auch schon.
also wenn du es kannst würde ich sie langsam damit konfrontieren und dann wenn sie probleme damit haben dann würde ich den kontakt abrechen bis sie dann angekrochen kommen und dich an deinen füßen um entschuldigung anflehen sorum muss frau es machen.
oder du sagts garnichts geht niemanden was an!
das kannst du auch machen.
also ich habe damals einfch gesagt das ist meine freundin und fertig meine eltern haben das garnicht verstanden.und heute tun sie auf tolleranz aber in wircklichkeit halten sie nichts davon.aber damit mag ich meine eltern auch weniger und sie sind mir einfach gelichgültiger geworden.
und ich erzähle nichts privates mehr was in die richtung geht nur abunzu aber sonst nicht.
abfinden und am popo vorbeigehen lassen und nur leben wie du es magst in deinem herzem fühlst.
und ich habe die erfahrung gemacht nicht in der öffentlichkeit und leider nicht in der familie über frauenliebe oder frauenrechte nichts zu sagen.
notlügen hetero zu sein ist das beste und fast schon ein zwang und was in deinen 4 wänden passiert sind deine privatsache!
und was du mit wem und wann und wo machst ist deine angelegenheit und geht solche „freunde“ familie und andere nichts an.
aber bei dir ist es noch schwerer frauenlieben zu leben leider weiß ich nicht was ich an deiner stelle machen könnte nur das was ich eben oben gesagt habe.
@claudia
obwohl einmal habe ich mal wen interessantes in der szene kennenglernt aber du hast schon recht.
es bedarf eigentlich keiner szene den die frauenwelt ist eine große frauenliebende aber leider versteckte gemeinschaft.
eigentlich muss frau alles verdreht machen:
dunkel wars der mond schien helle.
als ein wagen blizesschnelle
langsam um die ecke fuhr.
drinnen saß ein stehend männchen
stumm in ein gespräch vertieft.
während drausen auf dem eise ein
toter hase schlittschuh lief.
und ein blondgelockter jüngling
mit kohlraben schwarzen haar
lehnte sich an eine grüne bank
die rot angestrichen war.
@sofi: das mit dem sich immer und überall sich zu outen finde ich auch als Nichtmuslimin problematisch, und ich selbst habe es daher auch nur einigen meiner besten Freundinnen und meiner Mutter erzählt. Die Gesellschaft ist noch nicht weit genug, die Liebe zwischen zwei Frauen als etwas Schönes und Alltägliches zu akzeptieren. Mein Eindruck ist außerdem, dass dieses „Outen“ meist die Forderung beinhaltet, sich von der Ursprungsfamilien zu lösen um dann einer neuen beizutreten, nämlich die der (Lesben) Szene. Und abgesehen davon, dass viele Frauen dieses garnicht wollen, weil sie ihre Mutter, den Vater, die Schwestern, Brüder usw. lieben – entpuppt sich dann diese neue Szenefamilie oft als genauso repressiv und intolerant wie die biologische, der man gerade mit vielen Mühen entflohen ist. Nur sind die Regeln da eben umgedreht (wie die andere Seite der Medaille), und diese zu durchschauen und sich ihnen erneut zu widersetzen – dazu fehlt den meisten Frauen dann oft die Kraft zu.
@claudia
aber die sophi kommt aus einem anderem kulturkreis und da stelle ich es mir schon schwieriger vor als bei uns stinknormalen europäern.
die szene an sich damit hast du recht ist auch wieder ein schwules männer bild.
was ein absichtliches abgrenzen oder besonders machen des stinknormalen beabsichtigt.
du meinst die familie bildet auch eine szene?
also sie ist teil der gesellschaft und lebt in ihren strukturen ist es nicht viel mehr so das die meisten eltern nur ein kleiner teil des gesammten sind.
also es eher das grundlegende ansich ist.
das wir einfach in einer männer hetero schwulen welt leben.wo die frauenliebe nicht echt existieren darf wenn sie nicht zu gunsten dr gattung mann ist.
wie siehst du das?
@natalie: lass doch bitte einfach sofi mal selbst darauf antworten.
Und dann nein es ist andersrum – die Szene macht die Familie (die Stukturen) nach, also: Szene= neue Famlie.
@claudia
ja ich lasse sie doch zu wort kommen!
achso meinst du das ja sie macht die strukuren einfach nach das stimmt schon.
also ich habe es mehr so gemeint das durch die allgemeine herschende struktur die einzelne familie dann so ist und du dann eben recht hast das eben dadurch das fast alle so leben es dann an jeder einzelnen familie=szene liegt.
ich bin mir nicht ganz darüber im klaren worauf ich antworten soll.
@natalie
dein rat ist leider genau jener den ich eingehend als kopflos bezeichnet habe. ich habe nicht vor meine familie zu verlassen, weil es ihnen vielleicht durch ihre erziehung und der gesamten lebenserfahrung nicht gegeben ist mich so zu akzeptieren, doch mir ist es gegeben sie weiterhin zu lieben. gegenwärtig zweifle ich selbst daran ob es denn der richtige weg für mich ist.
mir stellt sich die frage ob ich mir das recht nehmen darf meine familie unglücklich zu machen und aber auch umgekehrt ob sie das recht haben mich unglücklich zu machen.
im übrigen ist diese szene, die ihr immerzu negativ erwähnt, der einzige ort an dem ich mich frei fühle und bislang konnte ich kein begrenztes chema darin ausmachen. auch finde ich es wenig sensibel wie manche versuchen diese wie mit der axt zurecht zu stützen und in eine form zu zwängen. für mich macht es die szene aus sich wohl zu fühlen, sich angenommen und akzeptiert zu wissen – und dabei ist es egal ob schwul, lesbisch oder bi. geht es letztlich nicht nur darum sich wohl zu fühlen? und wenn es ein maskuliner körper ist in einem karierten holzfällerhemd mit herber stimme ist – ist man dann falsch unterwegs?
ich finde es erschreckend das wir uns schon selber von den sogenannten normalos abgrenzen und dann auch noch unter einander. wir sind doch alle normal und wir sind alle mit einander und für einander da. dieses sich abgrenzen und tun und lassen was man will – wenn man das konsequend zu ende denkt endet man bei anarchie und wir aufgeklärten wissen heute das dies keine geeignete lebesform für die menschheit ist.
nun führe ich zu weit aus und weiß immernoch nicht ob ich anworten dabei hatte. ich danke euch in jedem fall für diesen austasch und will mit meiner meinung niemanden gekränkt oder beleidigt haben.
@sofi: Es ist schön für dich, dass du dich von der Szene nie ausgegrenst gefühlt hast, ich habe da leider völlig andere Erfahrungen machen müssen, da ich in einem sehr liberalen und emanzipierten Elternhaus aufgewachsen bin und wahrscheinlich deshalb andere Ansprüche an Freiheit stelle. Meine Mutter kommt aus Tschechien, war quasi alleinerziehend und hat sich schon Ende der 60er Jahre aus „den Fängen der Familie“ befreit – und hatte, als eine der sehr wenigen Nichtdeutschen Akademikerinnen hier einen recht schweren Stand. (Nach der Judenauslöschung haben Deutsche aus Angst/Minderwertigkeitsgefühlen keine gebildeten Nichtdeutschen mehr reigelassen und die wenigen, die da wurden/werden üblelst diskriminiert.) Meine Erfahrung ist also, dass in der deutschen Lesbenszene völlig die weiblichen Elite fehlt (die sehr oft jüdisch war- und das ist jetzt keine Ausspielung Juden vers. Moslems, sondern einfach nur eine Fesstellung), es gibt zb kaum attraktive, intelligente Frauen ab 40 und Jugend, Männlichkeit und Mittelmäßigkeit dominiert.
Und glaube mir, die Szene ist äußerst repressiv, auch wenn es dir im ersten Rausch der Freiheit noch nicht so aufgefallen ist.
ok claudia… ich muss mich nun sehr wundern, das du hier von meinem angeblichen ersten rausch der freiheit zu schreiben weißt. auch habe ich nie behauptet das ich in der szene keine ablehnung erfahren hätte; ich fühle mich vergleichsweise dort wohler. nur finde ich deine haltung anderen gegenüber ebenso ablehnend. ich rufe alle auf damit aufzuhören einzelne mit vorurteiln in gruppen zu weisen. dies ist eine diskriminierung innerhalb diskriminierter.
im übrigen denke ich bald das ich hier auch völlig falsch bin mit meinem anliegen denn mein thema ist nicht die szene obgleich es alles auch mit diskriminierung und akzeptaz zu tun hat. ich hatte gehofft frauen zu lesen denen es ählich geht damit ich mich nicht mehr wie ein alien fühle.
hallo sofi,
ich bin selbst eine muslimin. habe die ganzen erfahrung genauso durchgemacht wie du. nach jahren wurde ich von meinen eltern aktzeptiert und von meinen freunden werde ich so geliebt wie ich bin.
nur dass ich nach diesem ganzen lebenskampf auch in den letzen 3jahren eine Beziehung hatte auch mit einer Türkin. Sie war absolut nicht geoutet. durch dieses hin und her, ihre angst die familie zu verlieren, hat sie am ende diesen kampfes alles aufgegeben was wir zusammen aufgebaut und aufbauen wollten. ich denke wir haben sehr ähnliche lebensablaufe…
@sofialso wenn du dich in der szene wohl fühlst ich habe ja da auch hin und wieder freundliche menschen kennengelernt aber für mich ist es enzwischen auch eine art peergroup das ist in gewisser weise irgendwie jede gruppe auf eine andere art bildet.aber hier eindeutig wieder mit dem gleichen rollenprinzipien so das frauen wieder die Arsch karte ziehen müssen/mussten.tschuldige mein ausdruck aber es ist leider so.blos aussuchen durften sie es ja leider nicht weil es ja grundsätzlich so ist.
@claudia
mal eine neugierige frage wenn ich das fragen darf?
kommst du aus einer tschechisch jüdischen familie?
aber wie kommst du daruaf das die weibliche frauenliebende elite jüdisch war?
aber kannst du das anhand der herkunft eines menschenfestlegen?
ist es nicht ein klischee zu sagen jüdische menschen sind intelligent?!es wird doch immer von allem alles geben oder sehe ich das falsch?
also ich bin echt nicht intelligent sonst hätte ich weit aus mehr im leben erreicht und mir so manche wunderschöne lebenschangsen nicht entgehen lassen und ich bezeichne mich als absolute ateistin.
und ich bin bei dem thema das klischelosen klischee;)
mehr sage ich nicht weil jedes mal wenn ich da was von mir erzählt habe sofort es mit der aktuellen politik und die vergangenheit und so eine art mitleid auf einen zukommt weil die geschichtsbücher ja voll sind davon und auch in den medien andauernd immer wieder ns berichte kommen und viel weniger von der jetztigen lage und politik.
ich will nicht bemitleidet werden oder auf irgendeine seite geschoben werden also schweige ich lieber so wie mit der frauenliebe.mir ist aufgefallen das muslimische meschen weniger ansehen in der gesellschaft als jüdisch stammige haben das finde ich auch ungerecht.weil jeder mensch zählt und die herkunft zwar kulturelle verschiedenheiten haben aber es doch von jedem menschen überall alles gibt.
@sofi: was ist denn dein Thema? Meines/dieser Seite ist auch nicht die Szene, aber sie repräsentieren eben die lesbischen/frauenliebenden Frauen an der Öffentlichkeit- und somit ist sie schon relevant. Sie geben das Bild vor, wie eine lesbische Frau auszusehen, zu leben und zu sein hat, nach diesem sich dann leider die allergößte Mehrzahl der Frauen richtet. Und wie schon gesagt, in meinem Alter (43) gibt es kaum lesbische Frauen, die nicht Szenegestört sind, sie sehen kerlig aus und haben massive Selbstwert- und Identitätsprobleme. (Schön zu sehen, wenn man sich mal durch die Profile bei lesarion klickt.) Und ich persönlich wäre auch dafür, dass das Frauenlieben völlig normal werden würden und das dann nur nach der Persönlichkeit der Frau unterschieden – und nicht nach ihrer sexuellen/emotionalen Ausrichtung.
@natalie: Intelligente Menschen gibt es natürlich überall, aber es gibt eben unterschiedlichen Zugang zur
Bildung, und dieser wirkt sich über Generationen hinweg eben aus. Und in Deutschland/Europa waren die Juden definitiv die Elite, die dominierten die Wissenschaften und die Kunst. (Du musst dir nur mal anschauen wer von den Wissenschafltern, Schriftstellern und Künstlern vor dem Krieg alles jüdisch war…) Und daraus schließe ich, dass es wohl auch die jüd. Frauen waren und außerdem habe ich schon etliche Bücher über das lesbische Berlin der 20ger Jahre gelesen – das waren teilweise völlig andere Frauen als die heutigen Szenelesben gewesen.
Hallo Sofi,
diesen Satz von Dir „ich habe nicht vor meine familie zu verlassen, weil es ihnen vielleicht durch ihre erziehung und der gesamten lebenserfahrung nicht gegeben ist mich so zu akzeptieren, doch mir ist es gegeben sie weiterhin zu lieben.“ finde ich wunderschön. Er zeigt, welche Verbundenheit Du zu Deiner Familie fühlst. Diese Liebe hast Du in Deiner Familie gelernt, also kann Deine Familie bestimmt auch lernen, Dich so zu lieben wie Du bist.
Raten kann Dir niemand so richtig in dieser Situation. Auch ich bin nicht überall geoutet – es wäre Wahnsinn, das zu tun. Deine Situation ist um vieles schwieriger, aber vielleicht gibt es Beratungsstellen, die Dir ganz konkret Hilfe bieten können. Hast Du Dich da schon mal umgesehen?
Ich wünsch Dir die Kraft, Deinen eigenen Weg zu gehen. Der wird bestimmt nicht einfach sein. Aber eines ist ganz sicher: Du bist kein Alien! Ganz sicher nicht!
Liebe Grüße
Yorinde
@antje schrupp
Also ich habe mir deine Seite angesehen und den Text mal gelesen.Es kann sein das solche Gedanke am Anfang hilfreich sind aber ein Queerer Gott ist eigentlich auch nichts anderes als ein Männervergötternder Gott nur mit einem anderen Namen.Es ist doch viel sinnvoller Gott=Mannsysteme generell abzuschaffen.
Da es aber viel Zeit braucht bis sich solche Strukturen verändern ist vielleicht anfangs nur so möglich.