Eine Annäherung
Zuzugeben, dass man sich ab und an gerne einen Porno ausschaut, auch einen lesbischen, ist immer noch eine recht heikle Angelegenheit – besonders unter Frauen. Dann kommen oft Sätze wie: „Das habe ich gar nicht nötig mir „so was“ anzutun, ich habe doch mein eigenes (Sex) Leben“, oder: „Das ist doch purste Frauenunterdrückung und Ausbeutung obendrein, nee, nee, das unterstütze ich auf gar keinen Fall“, sehr beliebt ist auch: „Das ist doch nur was für (blöde) Männer ….“ Daher lautet meine Frage: Was sind Pornos, für welche Zielgruppe sind sie gemacht und- brauchen wir sie überhaupt?
Meine ganz persönliche „Pornogeschichte“ fing sehr früh an – noch vor den Zeiten der immer verfügbaren und alles überschwemmenden Bilderflut des Internets, als „schmuddelige“ Bildchen und einschlägige Zeitschriften nur unter dem Ladentisch “gehandelt” wurden, heimlich und mit hochrotem Kopf erstanden, noch vor, vor – und in der Zeit der Bücher. Anaïs Nin, „Das Delta der Venus“, „Die Geschichte der O“ von Dominique Aury (Pseudonym: Pauline Réage), “Wendekreis des Krebses“ von Henry Miller, sie zählten zu meinen, mit pochendem Herzen entdeckten und an unzähligen Nachmittagen verschlungenen, beliebtesten Lektüren. Erotische, pornografische und aufklärende Werke mit künstlerischem Anspruch. Es war ein buntes Sammelsurium, das meine Mutter in ihren Bücherschränken da angesammelt hatte, von Shere Hite bis Marquis de Sade war vieles vertreten.
Ich durchforstete sie nach „lesbischen Szenen“, ich fand sie, staunte, lernte und las – und ganz nebenbei bildete ich mir mein Frauenbild. Denn es war mitnichten nur der Männerblick auf Frauen der sich mir da offenbarte, Frauen kamen manchmal auch selbst zu Wort, ihr Blick auf die Welt, die Sinnlichkeit und die Erotik.
Für eine lange Zeit war ich dann gesättigt, glaubte alles zu wissen, was es zu diesem Thema zu wissen gab, bis das Internet und seine schnellen Zugänge in mein Leben traten. Angeregt durch arabische Männer (sind „Pornogucker“ sonders gleichen, das ist aber eine ganz andere Geschichte…), begann ich mich für die vielen, bunt bewegten Bilder des www zu interessieren. Und ich war von der Überfülle überrascht, von der teilweisen so offensichtlichen Erniedrigung von Frauen, ihrer allgegenwärtigen Verfügbarkeit. Als ob sich die sexuelle Revolution in einer perfiden Art und Weise gegen sie gewandt hätte, von einer ursprünglich angestrebten, selbst bestimmenden Freiheit, hin zu noch mehr Unterordnung und Dienstbarkeit.
Aber ich fragte mich auch: Gibt es auch Bilder/Filme die für Frauen gemacht sind, ihren Sehbedürfnissen entsprechen, jenseits von männerdominiertem Hardcore oder der “Mädchenromantik” eines David Hamilton? Und siehe da- ich wurde doch tatsächlich fündig. Filme von Frauen für Frauen gemacht, lesbischen Frauen, die sich weder einem lesbische Szene- und Inszenierungsideal, noch allzu sehr den Anforderungen des (wirklich sehr harten) Pornomarktes unterwerfen.
“Girlfriends Films” heißt z.B. eine kleine Produktionsfirma aus den USA, sie stellte Filme her in denen (hardcore) Sex und Emotionen eine gekonnte Liaison eingeht, Frauen begehren Frauen, lassen sich dabei zusehen ohne allzu sehr für den (leider häufig männlichen) Zuschauer zu posieren. Es gibt keine erzwungenen Positionswechsel, dem Geschehen wird in langen Kameraeinstellungen freien Lauf gelassen, ein geschlossener Handlungsfluss, dessen Choreografie die beiden Partnerinnen selbst zu bestimmen scheinen. Sie versenken sich ineinander und füreinander.
Sehr schön – und ich wünsche mir mehr davon, von diesen Filmen, von Frauen für Frauen gemacht. Als Vorbild, um einfach sinnlich zu begreifen wie es ist, weiblich und dennoch nicht passiv zu sein, zu handeln, zu begehren, als Frau – eine andere Frau.
Ich finde es auch spannend einen schönen ästhetisch gemachten Porno zu schauen. Andrew Blake (auch wenn er ein Mann ist) macht auch gute Filme auch ausschlieeslich nur mit Frauen. Ich denke, dass sie gut gelungen sind.