Was ist das Begehren, und begehren Frauen/Lesben eigentlich?
Diese Frage habe ich mir leider allzu oft gestellt wenn ich z. B. in öffentlichen Foren unterwegs war, Diskussionen verfolgt habe, offensichtlich belesen und mit eine Menge Fachbegriffen um sich werfend, was ist eine Lesbe, wie hat sie zu denken, zu handeln, auszusehen, zu sein. Viele Vorgaben, viele Theorien, viel, viel – aber etwas hat mir zumeist gefehlt, die Freude daran eine Frau zu lieben, ihren Körper, ihren Geist, ihr Sein. (Weibliche Schönheit ist heteronormativ, Schminken und auf das Aussehen zu achten oberflächlich und dumm, Pornos sind nur für Männer da und per Se Frauenfeindlich, Lebensfreude was unreflektiertes)
Leidenschaften/Begierden, wer hat da nicht gleich ein vor gefestigtes Bild vor Augen, ineinander verschlungene Leiber, kaum voneinander lassen könnend, das Herz pocht und die Sinne sind getrübt. Sich ein Objekt der Begierde suchen, es lieben, es wollen. In aller Freiheit.
Aber es gibt auch andere Lieben, sich einer Aufgabe zu widmen, mit all seinem Können und Herzensblut, sich zu engagieren, für sich, für andere, für eine Sache, Wünsche haben, Träume, in die Welt hinausgehen und etwas ändern wollen, mit Kunst, mit Sachverstand, mit Können. Mit Leidenschaft.
Aber wie hängen diese beiden Bereiche zusammen, auf den ersten Blick so augenscheinlich unterschiedlich? Kann ein Defizit in einem Bereich auch den anderen in Mitleidenschaft ziehen? Er kann.
Mir sind bei Frauen/Lesben in beiden Bereichen Leerstellen aufgefallen, wie ein Fehlen im Sein. Wer wenig fähig ist ein positives, aktives Liebesbegehren zu artikulieren/zu haben, kann auch kaum anderen Leidenschaften entwickeln, er sieht wohlmöglich gar nicht die Notwendigkeiten das zu tun.
Die Welt, sie ist nicht die meinige, ich habe keinen Einfluss auf sie, also interessiert sie mich nicht. Nur ihre Ablehnung. Da ist die, auch hier über lange Zeiten arrangierte Heirat nicht so fern. Die Frau, eine Sklavin ohne Begehren, Jahrtausende lang, ohne Einfluss und ohne Träume, nur die nach dem Manne der ihr die Welt offenbart. Für sich selbst kann sie es nicht.
Das sind meine Überlegungen zum Thema Leidenschaft/Begehren bei Frauen/Lesben, ein Mangel daran kann den Zugriff auf die Welt behindern, sie zu ändern, in ihr zu leben, nicht im „Anti“, in einer endlosen Spirale gefangen und bis in ihre innersten Gedankengänge versklavt.
Das Begehren, es ist also notwenig, überlebensnotwendig sogar.