Feeds:
Artikel
Kommentare

Sophisticated Lady

Eine blonde feine Dame um die 60. In eine höhere Gesellschaftsschicht hineingeboren, hatte ihre Mutter heiratsmäßig wohl einiges mit ihr vor. Sie aber wählte das Studium und den Job, den sie ihr Leben lang hasste, der ihr aber ein gesichertes Einkommen bescherte. Dennoch klagte sie stets über das wenige Geld und suchte weiter nach dem reichen Ehemann, Liebhaber und Fantasiebeau, der sie aushalten, sie besinnungslos lieben, eine Beziehung mit ihr führen, ein Künstler sein, ein erfolgreicher Geschäftsmann, jung und hübsch, erfahren, mit glatter Haut, wolligem Brustfell und der Seele einer Frau. Kurzum die Quadratur des Kreises, und sie suchte und suchte und (er)fand. Den in Afrika an einer exotischen Tropenkrankheit verstorbenen Ehemann, den erfolgreichen Geschäftsmann, der sie im Winter auf die Seychellen entführte, den jungen (aber noch erfolglose) Maler, dem sie zu Geld und Ruhm verhelfen wollte, und viele, viele mehr. (Und die einzige ehrliche- aber wohl komplett unsexuelle- Beziehung die sie hatte, war zu einer ebenso blonden Professorin in/aus Leipzig gewesen…Romantische Freundschaft…)

Ich hörte zu und schwieg. Vielleicht glaubte ich ihr auch zu Anfang, denn sie brachte diese zahlreichen Geschichten sehr glaubwürdig rüber- oder vielleicht war ich einfach zu lebensunerfahren, zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt und kam ihr daher nicht so schnell auf die Schliche.
Aber damals vor 15 Jahren hatten wir eine Nacht zusammen verbracht. Sie war 49, ich 29, sie zitterte, ich bekam die Erkältung meines Lebens. Sie zog ins Nebenzimmer um und gab mir am Morgen mein Geschenk (ein sündhaft teures Parfum) zurück. Ich war verliebt in sie und eine Freundin hatte mich schließlich dazu überredet (zu dieser Nacht): „Du musst es versuchen, die steht auch voll auf dich, echt…“ Wir redeten aber nie darüber, ich und die feine blonde Dame.

15 Jahre später erzählt sie immer noch allen die es hören wollen (oder eben nicht) im Ballettkurs ihre Fantasiegeschichten. Seit sie in Rente gegangen ist umso mehr. (Ja sie tanzt weiterhin und schaut dort den ganz jungen Mädchen hinterher…)

Und im Sommer diesen Jahres gab ich ihr mein soeben fertiggestelltes Buch zum lesen. Sie wollte es so, denn sie lies mich nicht in Ruhe und stichelte mich im Training unentwegt, bis ich es sie fragte. „Willst du meinen Text lesen…?“

Wir trafen uns in Cafés zum Abholen und Zurückgeben des Manuskriptes. Ihr gefiel und missfiel es, sie mochte meine Sprache und die Naturbeschreibungen und hatte Probleme mit den sexuellen Stellen. (siehe z. B. oben im Blog Rosengarten Blütenmeer – kann man draufklicken ist ein link) Sie war zwiegespalten und bekämpfte das viele Verdrängte, das nun unaufhaltsam emporzuquellen begann. Vergeblich.

Daraufhin versuchte ich sie in die Internetkommunikation einzuführen. (Nicht so einfach bei Jahrgang ca. 1945) und außerdem verband sie dieses Medium zu sehr mit dem gehassten Job.

Unsere Kommunikation:

Ich schickte ihr zunächst etwas Belangloses und dann meine gemalten Bilder – sie hat gerade selbst mit dem Malen angefangen und sich dazu sogar an einer Kunstschule angemeldet – und den Blogtext, ebenfalls link: SexFrauKunstLiebeLeben

Sie antwortete:

Liebe Claudia,

sehe nach Ansicht Deiner Bilder und Lektüre der Texte, worauf Dein Buch fußt.

Übrigens ist das Zitat von Adorno, dass Künstler nicht sublimieren, eine platte Verallgemeinerung, immerhin tun dies meine Lieblingsschriftsteller wie z. B. Thomas Mann und Marcel Proust, deren Biographie man kennen muss um das erkennen zu können, was man ja auch nicht muss, weil die Bücher auch ohne diese Erkenntnis höchst lesenswert sind. Diese Autoren, sind mir als Psychologin nahestehend, weil sie die „liebende Begegnung“ (ich weiß, das klingt etwas kitschig) zweier Menschen von ihrer Persönlichkeit und basierend auf ihrer Affektivität herleiten.

Habe gestern ein Interview mit Wolfgang Joop gehört, der sich ins Teilbereichen als Seelenverwandter von mir offenbarte: als er sich entschied seine schwule Seite auszuleben, war er entsetzt von dem beziehungslosen sexuellen Treiben, welches er in der Scene vorfand und welches nicht seine Welt ist. Für ihn ist Liebe ein Wunder, etwas Heiliges, was mit einer hohen Verletzlichkeit einhergeht. Ich würde gerne seine Biographie lesen, die mir für 150,00€ allerdings zu teuer ist.

Soviel dazu jetzt, ich muss jetzt weg vom Computer, der mich zu sehr an mein Gott-sei-Dank vergangenes Arbeitsleben erinnert.

Und dann noch:

Liebe Claudia,

fand folgenden Text bei Klaus Mann zu Deiner Thematik:
„Es ist immer dieselbe Unordnung: seit Menschengedenken das gleiche Leid, die gleiche Lustbarkeit….
Die Tiefen des organischen Lebens sind unordentlich – ein Labyrinth, ein Sumpf der tödlichen Begierden und schöpferischen Kraft. Die Wurzeln unseres Seins reichen hinab ins Trübe, ins Schlammige, in den Morast von Samen, Blut und Tränen, wo die Orgie der Wollust und Verwesung sich ewig wiederholt, unendliche Qual, unendliche Entzückung.“

Weitere Ausführungen zu diesem Thema habe ich bei ihm nicht gefunden……

Viele Grüße…

Ich schrieb:

Liebe…,

danke für deine ehrliche Antwort und die Biographie von Wolfgang Joop erscheint auch mir ungerechtfertigt überteuert. Ich konnte es zuerst nicht glauben, habe aber soeben bei Amazon nachgeschaut. Es stimmt, „Wunderkind“ für 150,-€ ! (sogar gebraucht)

Dann zu der Text- und Bilder Collage, die ich dir geschickt habe. Sie stammt von meinem/unserem Blog und ist erst nach meinem Buch entstanden. Ursprüngliche wollte ich einen Text über die Prinzhorn Sammlung in Heidelberg schreiben und habe im Internet ein wenig dafür recherchiert und bin so auf diese beiden Künstlerinnen gestoßen. Ihre Bilder erinnerten mich an den Epilog im meinem Buch, „das Blütenmeer“, sie versuchen eine ähnliche Idee, Vision – oder wie man es nennen kann- auszudrücken. Naja, dann habe ich weitergesucht (über weitere Künstlerinnen) bin auf die zwei anderen Texte gestoßen, und habe das dann intuitiv zusammengesetzt. So ist es entstanden. Und das, da hast du recht, mit dem „nicht sublimieren“ kann man natürlich nicht so verallgemeinern (Thomas Mann sublimiert z. B. auf jeden Fall), aber mein Buch sublimiert nicht, und diese beiden Frauen (sofern ich es beurteilen kann) auch eher weniger. Ich habe da eher das Gefühl von „aus Etwas Allgemeinem schöpfen“ so wie ein Medium wenn du verstehst was ich damit sagen will.

Der Textausschnitt von Klaus Mann, den du mir geschickt hast (aus welchem Werk ist er?) ist gut gewählt, und zeigt sein Lebensleit/LeidensThema (und das zahlreicher anderer männlicher Künstler) in wenigen Worten auf. Seine Faszination, sein Ekel und seine ewige Abhängigkeit von der Biologie, dem Leben und der Frau. Das Verschlungenwerden von der Natur und das Identitätsgebundensein an die Frau. (Er wird in einem weiblichen Körper geboren und auch das Embryo ist zuallererst weiblich, bevor es durch Gene und Hormone vermännlicht wird.) Was ich damit sagen will ist, dass der Mann (auch ein schwuler) viel mehr in seiner Identität von Frauen abhängt, als die Frau von Mann. (Da sind es eher soziale und materielle Faktoren, die eine Abhängigkeit erzeugen) Eine sehr schönes Beispiel ist übrigens noch die Erzählung von Thomas Mann „Die vertauschten Köpfe. Eine indische Legende“ aus dem Jahre 1940.

Ein sehr schwieriges Thema, und ich halte es übrigens auch für keinen Zufall, dass (fast) alle bedeutenden männlichen Künstler schwul, bzw. Männerbegehrend waren. Sokrates, Michelangelo, Leonardo da Vinci, William Shakespeare, Peter Tschaikowsky, Franz Schubert, Marcel Proust, Thomas Mann, W. Somerset Maugham, Oscar Wilde, Tennessee Williams, Frederico Garcia Lorca, Andy Warhol – sind nur einige in der endlos fortzuführenden Liste mit prominenten Namen und ihren, die Menschheitsgeschichte maßgeblich prägenden Werken. Hier zitiere ich mal:

„[...] Die Kunst und Kultur ist also männer- homoerotisch geprägt, auch wenn sie sich mit scheinbar heterosexuellen Themen beschäftigt und auch mit solchen Protagonisten besetzt ist. Dieses versteckte Begehren „Mann sucht Mann“, zieht sich wie ein roter Faden durch die Werke, es ist die Hauptantriebkraft und der ungelöste Lebenskonflikt vieler Künstler. Und da Künstler nicht isoliert vom Rest der Welt zu betrachten sind, sondern die Befindlichkeiten/den Zustand einer Gesellschaft in Worte oder Bilder fassen, das Unbewusste sozusagen ans Tageslicht holen, die Zukunft erfinden oder vorausahnen können, zeigen sie auch die Richtung auf, in die sich die Menschheit entwickeln wird. Weg von der reinen Heterosexualität (Natur) und hin zu dem auch gleichgeschlechtlichen Begehren (Kultur) nämlich.[...]„

Im antiken Griechenland wurde sie (die Männerliebe) zum ersten Mal benannt und zur Kultur erhoben. Der Mensch/Mann versuchte sich so von der Frau/Natur zu lösen und ein Kulturwesen zu werden, zum MannMenschen. Und dort liegt auch ungefähr die Wiege unserer (westlichen) Kultur.

So das war jetzt eine lange Ausführung und ich habe sie hier vorangestellt, da mir aufgefallen ist, dass du dich sehr mit schwulen Männern/Künstlern beschäftigst/identifiziert. Das ist auch nicht unbedingt schlecht, zumal sie eben auch die beste/zukunftsweisenste Kunst produziert haben. Die Problematik, die ich aber darin sehe ist die Tatsache, das es eben Männer sind die durch ihre Abnabelung von der Frau sich zum Menschen zu entwickeln versuchten. Es ist also immer der fremde (angstvolle, hassende, liebende, verehrende ect.) Blick auf die Frau als „die ewig Andere“ – ein männlicher Blick eben, und kein authentisch weiblicher auf ihr eigenes Geschlecht. Auch ist die weibliche Sexualität eine andere und nicht so mit Tod und Dominanz/Unterwerfung/Gewalt verknüpft. Daher halte ich für problematisch, sich als Frau unreflektiert mit dieser männlichen Sicht zu identifizieren, denn es kann eine Art Schizophrenie und latenten Selbsthass verursachen. Da aber der (authentische) weibliche Blick/Sicht leider noch viel zu wenig vertreten ist, und die Frau daher noch nicht wirklich im Menschsein angekommen, als FrauMensch. Daher zitiere ich nochmal:

„[...] Wenn das schwule Begehren so sehr die Menschheitsgeschichte, Kunst und Kultur geprägt hat (und der Mann ist eben der Mensch) – so ist es doch nur folgerichtig anzunehmen, dass wenn die Frau sich zu einem Menschen (oder eben zu etwas völlig Neuen und noch nicht Vorhersehbaren) zu entwickeln beginnt, sie das ebenso über das lesbische Begehren tun wird. Künstlerinnen (die wenigen Authentischen, die es gab und gibt) bestätigen diese Vermutung: Frida Kahlo, Colette, Tamara de Lempicka, Djuna Barnes, Virginia Woolf, Romaine Brooks, Greta Garbo, Isadora Duncan, Simone de Beauvoir,– auch nur eine kleine Auswahl in einer sicher noch viel längeren Liste. Das die meisten Ausführende und keine im eigentlichen Sinne (Werke) Schaffenden sind, liegt wohl an den Begrenztheiten, die die Frauenrolle ihnen bis heute noch auferlegt. Denn erst wenn Frauen massiv auch in die erschaffenden Bereiche (Schriftstellerin, Stückeschreiberin, Choreographin, Philosophin usw.) hineindringen und dort dann authentisch (also nicht als innerer Pseudomann) ihre Sicht auf die Welt zeigen/erschaffen- erst dann wird das lesbische Begehren* in dem gleichen Ausmaß die Welt bestimmen wie seit jeher das schwule/männer-homoerotische es getan hat. Und es wird die Welt massiv verändern und ihr eine völlig neue Perspektive geben, denn es wird die Frau sichtbar machen, sie zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte überhaupt existieren lassen. Und daher sind schwule und lesbische KünstlerInnen nicht nur eine kleine sonderbare Untergruppe, sondern wegbestimmend.

*Unter lesbischem Begehren verstehe ich nicht das, was heute im Allgemeinen unter dem „Label Lesbisch“ gelebt und öffentlich gezeigt wird. Es hat auch kaum etwas mit der doch sehr schwulendominierten/orientierten Szene zu tun, sondern kann am ehesten noch mit „emotional, sexuell aufeinander bezogen sein und sich als Maßgeblich sehend“ übersetz werden. Es ist jene (auch erotische) Anziehung, die immer zwischen Frauen besteht, eine Welt unter der Welt, die noch aufgedeckt und geschaffen werden muss. Eine neue Kultur eben. [...]“ (Das Blütenmeer ist glaube ich der Versuch einer Metapher für diese weibliche Bezogenheit – und die Audienz (Kapitel 7) kann noch am ehesten mit deinem Zitat von Klaus Mann verglichen werden.)

So das war es dann für heute, viel Text und ich hoffe du steigst da einigermaßen durch ;-)

Viele Grüße Claudia

Nachtrag: Die Antwort steht noch aus… es ist ein Experiment… (eine extreme „Klemmlesbe“ aus ihrer Verdrängung zu holen). Und meine Zitate in der letzen Mail stammen übrigens aus dem Artikel Männerliebe und Frauenliebe bestimmen die Kunst.

Pam Grier

Das ist eine Hommage an Pam Grier, in dem Film Jackie Brown von Quentin Tarantino aus dem Jahr 1997 war sie 48 und auf dem Höhepunkt ihrer Attraktivität. Ein Star aus den 70er Jahren (The Big Doll House, Coffy, Foxy Brown) und er (Tarantino) hatte sie filmisch wiederbelebt.
Jahre später holten sie die Macherinnen von The L word erneut aus der Versenkung hervor. Sie sollte zunächst die „mütterliche“ Freundin von Bette Porter (Jennifer Beals) spielen, das war den (männlichen) Geldgebern in Hollywood aber doch wohl zu krass gewesen – eine ältere Frau, die auch noch dunkelhäutig ist. Und so blieb für sie nur noch die Rolle der heterosexuellen Schwester übrig…

6a00d8345282b769e20120a4d84a61970b-600wi6a00d8345282b769e20120a52f5e2d970c-750wi

6a00d8345282b769e20120a5f175e2970b-750wi

6a00d8345282b769e20120a52f62dc970c-600wi6a00d8345282b769e20120a52f61b4970c-750wi6a00d8345282b769e20120a5011215970b-550wi6a00d8345282b769e20120a4d84f25970b-450wisonia_braga

Solomon Sappho and Erinna in a Garden at Mytilene 1864

Noch im Jahre 1908 veröffentlichte ein amerikanisches Kindermagazin eine Geschichte, in der eine Jugendliche ihrer Schulkollegin ein Liebesgedicht widmet:

Meiner Liebe Stirne ist hoch und hell
Die windverwehte Locke kastanienfarben
Fällt sanft darüber Golden und Rot
Eine Aureole leuchtet über ihrem Kopf.
Die Augen strahlen klar und bernsteinfarben
Über den brauen Augen so golden,
Fallen saft die langen Schattenwimpern…
Oh, ganz blaß vor Neid die Rose wird
Die meine Lady an ihre Wange hält!…
Und aus reinster Freude gewänne sie ihre Farbe wieder
Wenn meine Lady sie küsste.

Hätte die Autorin dies nach 1920 geschrieben, wäre sie schleunigst zu einem Psychoanalytiker gebracht und wegen Geisteskrankheit behandelt worden. Oder sie hätte zumindest ihre literarische Figur vom Blitz treffen lassen, um sie so von der stets gerechten Natur (und der Hilfe eines redlichen Heterosexuellen) für ihr Vergehen zu bestrafen. Viel wahrscheinlicher aber ist, dass nach den zwanziger Jahren eine literarische weibliche Figur kein derartiges Gedicht an eine andere literarische weibliche Figur mehr schrieb. Die Erörterung gleichgeschlechtlicher Liebe war zu der Zeit in den meisten populären, amerikanischen Zeitschriften zum Tabu geworden. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts aber behandelten triviale Erzählungen das Thema noch ohne Befangenheit und ohne das Bewusstsein, dass solche Beziehungen „krankhaft“ oder „unmoralisch“ sein könnten. Mit der Verbreitung dieser ursprünglich europäischen Haltung wurden solche Liebeserklärungen im Verlauf des folgenden Jahrzehnts auch in den Vereinigten Staaten verboten. Noch zu Beginn des Jahrhunderts aber publizierten Zeitschriften wie St. Nicholas. Ladies Home Journal und Harper’s die leidenschaftlichsten Liebesgeschichten zwischen Frauen. (…)

Quelle: „Köstlicher als die Liebe der Männer – romantische Freundschaft und Liebe zwischen Frauen von der Rennaissance bis heute“, Lillian Faderman, Deutsche Erstausgabe 1990, Eco-Verlag

Wie kam es aber dazu, dass etwas, was heute als unterdrückte und „bemitleidete“ Untergruppe abgetan wird,  einstmals als völlig normal und vom Mainstream anerkannt existieren konnte?

Das Ende des 1.Weltkrieges, welches die wachsende Autonomie der Frau aufgrund der vielen im Krieg gefallenen Männer mit sich brachte, besiegelte auch das Ende einer über 300jährigen Epoche der sogenannten romantischen Freundschaften zwischen Frauen. Da Frauen nach dem Krieg immer mehr in die bis dahin hauptsächlich Männern vorbehaltene Berufswelt hineindrängten und die Liebesbeziehungen mit ihren Freundinnen nicht aufgaben, sondern sogar bekräftigten (mit der Unterstützung einer Freundin war die von hartem Konkurenzkampf geprägt und frauenfeindliche Berufswelt besser zu meistern als mit einem Ehemann, der dies nur wenig tolerierte …), sahen Männer ihre Vorherrschaft in der Welt und damit ihre Definition der Realität auf das erheblichste bedroht – die Gesellschaft drohte zu Gunsten der Frauen auseinander zu fallen. Denn bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts lebten Männer und Frauen in zwei getrennten und völlig unterschiedlichen Welten – die Geschlechter wurden getrennt aufgezogen, da man der Überzeugung war, dass Männer und Frauen zwei völlig unterschiedlichen Gattungen angehörten. Männer verkehrten beruflich mit Männern und es herrschte so gut wie keine Kommunikation zwischen den Geschlechtern. So hatten verheiratete Frauen zum größten Teil aus der oberen Mittelschicht viel Zeit um ihre romantischen Freundschaften zu pflegen und eine Art private/weibliche Gegenkultur zu der öffentlichen Männerkultur zu entwickeln. Da die Frau durch die Ehe (welche einem rein wirtschaftlichen Zweck diente) an den Mann gebunden war, dultete die Gesellschaft (platonische) Liebe zwischen Frauen (und zwischen Männern), so wie es auch heute noch im arabischen Raum der Fall ist. Diese Liebe wurde als eine höhere Seinsform angesehen und als Vorbild orientierte man sich an der planonischen Männerliebe der Griechen und Darstellungen von Männer- und auch Frauenliebe aus der Bibel.

Da im viktorianischen Zeitalter und noch lange danach Frauen eine eigenständige Sexualität abgesprochen wurde, man also die Existenz einer aktiv begehrende Frau für schlichtweg unmöglich hielt, wurde das Potential der romantischen Frauenfreundschaften für lange Zeit unterschätzt. So war es gesellschaftlich völlig normal und akzeptiert, dass Frauen in der Öffentlichkeit Händchen hielten, zusammen in einem Bett schliefen, sich küssten und Zärtlichkeiten miteinander austauschten. Man betrachtete dies mit einem Augenzwinkern auch als Vorspiel und Übung für die Ehe – in den Mädcheninternaten und Frauencolleges hatten bis zu 80% der Frauen Liebesbeziehungen mit anderen Frauen (die übriggebliebenen 20% waren Frauen, die aufgrund einer geringen Attraktivität oder schlechten Charaktereigenschaft als Freundin nicht so begehrt waren). Vor allem in England und Amerika blühte eine regelrechte Kultur der romantischen Freundschaft und beeinflusste auch stark die anglistische Literatur – Schriftstellerinnen wie Emily Dickinson oder die Bronte-Schwestern hatten romantische Freundinnen und widmeten ihnen zahlreiche Liebesgedichte. Lillian Faderman schreibt in ihrem Buch „Köstlicher als die Liebe der Männer – romantische Freundschaft und Liebe zwischen Frauen von der Renaissance bis heute:

[...] dass es fast ein Ding der Unmöglichkeit war, den Briefwechsel irgendeiner Frau des 19. Jahrhunderts zu untersuchen, ohne irgendwann in ihrem Leben auf eine leidenschaftliche Verbindung zu einer anderen Frau zu stoßen – und nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern ebenso in Großbritanien, Frankreich und Deutschland. Und weiter heißt es: In keiner fand sich auch nur die geringste Andeutung, dass die Frauen dies als ein Vergehen, eine Sünde empfanden oder eine solche Zuneigung als Anomalie betrachtet werden könnte. Ich entdeckte weiter, dass es an verschiedenen Orten und zu verschiednen Zeiten des 19. Jahrhunderts allgemein gebräuchliche Begriffe für Liebesbeziehungen zwischen Frauen gab: The Love of Kindred Spirits – Die Liebe der Seelengefährtinnen, Boston marriage – Boston-Ehe, und Sentimental Friends – empfindsame Freundschaft.

(Quelle: ebenso Lilian Faderman)

Diese Kultur lies sich bis in die Renaissance zurückverfolgen und vermutlich entstand sie zum ersten Mal unter Nonnen, die sich leidenschaftliche und erotisch konnotierte Liebesbriefe schrieben. Und es waren vor allem die Frauen der oberen Mittelschicht, die, da sie mit wohlhabenden Männern verheiratet waren und nicht selbst arbeiten mussten, genug Zeit dazu hatten, sich ihren Freundinnen zu widmen und mit ihnen neue Gedanken zur Emanzipation der Frau zu entwickeln. In den sogeannten Salon-Nachmittagen bekamen sie Zugang zu Kunst und Kultur – es wurden Schriftsteller und Dichter eingeladen, und sie wurden dadurch inspiriert selbst zu schreiben, entwickelten dadurch eine eigene weibliche Sprache und ein langsam von Männern unabhängig werdendes kulturelles Bewusstsein.

Mit dem Aufkommen der Sexualtheorien von Krafft-Ebing und Havelock Ellis um 1909 und später Siegmund Freud, wurde Frauenliebe benannt, auf die bloße Sexualität reduziert und als Krankheit pathologisiert. So fand der Ansatz/die Möglichkeit einer autonomen weiblichen Kultur (die Frau als ein vom Mann völlig unabhängiges Kulturwesen mit einer eigenen Sicht auf die Welt/Realität), die nach und während dem ersten Weltkrieg ein Zeitfenster zum entstehen gefunden hatte, schlagartig sein Ende. Was noch vor wenigen Jahren als gesellschaftlich völlig akzeptiert galt war zum Tabu geworden und als pervers deklariert. Der Glaube an die Psychoanalyse wurde zur neuen Religion/Form der Frauenunterdrückung und in dieser Zeit wurden die Kategorien Hetero- und Homosexualität überhaupt erst erfunden. Geschichten und Gedichte von Frauenliebe verschwanden innerhalb von wenigen Jahren aus den gängigen Frauenzeitschriften und nach dem Jahre 1909 konnte keine Frau einer anderen Frau offen ihre Zuneigung zeigen, ohne das sie fürchten musste des Lesbianismus verdächtigt zu werden. Die bereichernde romantische Freundschaft wurde im größten Teil des 20. Jahrhunderts als unmöglich betrachtet, da Liebe Sex ist, und Sex zwischen Frauen Lesbianismus und Lesbianismus eine Krankheit.
(In den Vereinigten Staaten dauerte die Kultur der romantischen Frauenfreundschaft übrigens noch bis in die 20er Jahre an, da man u.a. auf Grund der geographischen Distanz nicht so stark von der deutschen Ärzteschaft beeinflusst war.)

Und zu der Frage – die sich hier sicherlich die eine oder andere stellen wird -  nämlich ob die Frauen damals auch Sex miteinander gehabt haben, denke ich, dass dies wohl gelegentlich auch vorkam. Doch leider gibt es dazu kaum Quellen anhand derer man es belegen könnte, da die meisten Frauen kaum die  Möglichkeit hatten so offen und ehrlich über ihre Sexualität zu schreiben (und wohl darüber auch nicht so reflektierten). Offensichtlich erotisch ist aber die Sprache in den zahlreichen Gedichten, die sich romantische Freundinen schrieben und ich denke, dass die übertriebene Ausdrucksweise und das emotionale und spirituelle „sich Hineinsteigern“ auch Zeugnis einer nicht ausgelebten Sexualität waren…

Unser Fazit: Wenn vom Mann finanziell unabhängige (berufstätige…?…) Frauen Liebesbeziehungen mit anderen Frauen leben und dann auch noch zusammen Sex haben, ist das eine Art Grenzüberschreitung zu einer neuen Seinsform. Dadurch wird endgültig die Barriere zwischen privater und öffentlicher Welt eingerissen und es können neue weibliche Hierarchien entstehen, die die alten Regeln des Patriarchats unterwandern. Frauen haben dann die Möglichkeit sich  – sowohl im Beruf als auch im Privatleben -  emotional und sexuell aufeinader bezogen zu unterstützen und die beiden Bereiche (der Öffentliche und der Private) werden daher nicht mehr so strikt voneinander getrennt sein und können irgendwann vielleicht ineinanderfließen.

Die Frau

Das Erdinnere birgt allerlei Schätze in sich, aber nur die, die reinen Herzens sind, können seine/Ihre wahre Pracht erkennen. Sie leuchtet am Tage und hält uns in der Nacht warm und sie, Sie wohnt im Himmel (wie Maria) und hat ein zweites Haus tief unter der Erde (siehe dazu Link Erdgöttinnen) wie der Nistplatz einer Katzenmutter. Und wenn Sie schläft, sind Ihre Lippen voll und rot wie Rosenwasser – und mit zarten Fingern streicht Sie uns im Traum durchs Haar und haucht Ihren warmen Atem uns ins Ohr und Ihr Busen bebt dabei vor Anteilnahme. Sie kocht und putzt und Sie heftet ihre Einkaufszettel immer an der Kühlschranktüre ab. Sie ist uns eine gute Mutter, Frau und hat Milch in Ihren Brüsten und Sie vergisst sich in der Nacht. Sie tanzt auf bunten Bällen und ruft fremden Kavalieren hinterher. Sie wäscht sich nicht und riecht nach moderigen Blüten und Blättern. Sie ist wie ich und ich kenne Sie nicht, denn nur den aufrichtig Liebenden zeigt Sie Ihre wahre Gestalt. Sie ist Mutter, hat ein Kind und ein verlorenes Herz. Und Sie/Ihr Herz ist kalt aber es schlägt noch, tief verborgen in seiner Höhle -  und Ich muss es suchen gehen heute Nacht.

Trotz lesbischer Kostümbildnerin (Patricia Field) wird das Drehbuch von „Sex and the City“ bekanntlich vorwiegend von schwulen Männern geschrieben, und daher ähneln die sexuellen Eskapaden der vier Hauptdarstellerinnen auch oft mehr denen von „Transen“ als denen realer Frauen. (So wie Männer sich halt vorstellen wie „sexuell befreite“ Frauen so wären und daherreden würden.) Aber als die Serie dann zu Ende ging, gab es natürlich noch die obligatorische Lesbenszene: Samantha mit der Malerin Maria (Kim Cattrall und Sonia Braga). Und nach mehrmaligem Gucken bin ich fest davon überzeugt, dass Sonia Braga in der Bettszene so einiges an eigenen Ideen und Dialogen mit reingebracht hat, alleine schon die Verwendung des brasilianisch/portugiesischen Wortes „buceta“ für Muschi… Und ich glaube mitlerweile auch, dass sie, Sonia, ähnlich wie Milva, im realen Leben durchaus die eine oder andere Affaire mit einer netten Dame hatte…

Ist Frauenliebe die Zukunft?

Frauenliebe bzw. lesbische Frauen und Kino sind zum selben historischen Zeitpunkt in der westlichen Welt in Erscheinung getreten. Selbstverständlich könnte man einwenden, dass sie sich bis zu den alten Griechen und Sappho zurückverfolgen lassen, doch taucht das moderne Phänomen der Frau, deren Identität (und nicht nur ihr Verhalten) homosexuell ist, in Westeuropa und den Vereinigten Staaten erst im ausgehenden 19. und 20. Jahrhundert auf.

(Zitat aus dem 1992 in London erschienenem Buch „Vampires & Violets. Frauenliebe und Kino“, von Andrea Weiss, Kapitel 1.)

Frauen, die öffentlich und ohne die „drohende Ehe im Nacken“ andere Frauen lieben und mit ihnen wie „Mann und Frau“ zusammenleben, Sex haben und auch gemeinsam Kinder großziehen können, sind also eine relativ neue Erscheinung/Entwicklung in der Menschheitsgeschichte und eng mit der Frauenemanzipation (z. B. Wahlrecht, Recht auf Abtreibung und Berufstätigkeit) verbunden. Ganz praktisch wurde mir dieses vor Augen geführt, als ich mal zwei Jahre in einer arabischen Kulturinstitution gearbeitet habe. Als einzige Deutsche unter lauter IrakerInnen, konnte ich mich daher nicht mit anderen Deutschen zusammen absondern, sondern „war gezwungen“ mich auf das Fremde und Neue völlig einzulassen. Und dazu gehörte auch, dass ich mich mit mehreren Frauen angefreundet habe, sie zu Hause besucht und auch gemeinsam mit ihnen in den Urlaub gefahren bin. Und dort wurde ich dann, von unterschiedlichsten Frauen aus den verschiedlichsten Gründen auch nach der „lesbischen Liebe“ (aus)gefragt. (Keine wusste übrigens, dass ich lesbisch bin.)

Von Haze z. B., mit der ich zusammen an die Ostsee gefahren bin und die mich dort am ersten Morgen am Frühstückstisch Folgendes gefragt hatte: „Sag mal Claudia, was bedeutete es eigentlich bei euch, wenn eine Frau zu eine ander Frau „ich liebe dich.“ sagt? (So hatte eine deutsche Frau, in dem Verein in dem sich sich zusätzlich angagierte, sich ihr offenbart.) Sie guckte mich hilflos und mit ganz großen Augen an, denn sie hatte den Unterschied zwischen freundschaftlicher und sexueller Liebe, selbst nach endlos langen Diskussionen mit ihren Freundinnen (alles gestandene und berufstätige Frauen um die 40 bis 50), nicht wirklich verstanden.

Dann kam Madjida, die mich auf dem „Fest der Kulturen“ angesprochen hatte, aus einer angesehenen irakischen Künstlerfamilie stammte, mit einem deutschen Akademiker verheiratet war und die dann nach ihrer Scheidung einfach deutsche Freundinnen oder eine Gruppe von Frauen suchte, um sich hier nicht so einsam zu fühlen und dabei feststellen musste, dass fast alle diese Frauenzusammenschlüsse (vor allem in Berlin) lesbisch (und kerlig) sind.

Und schließlich gab es noch Ikram, die im Irak mal sehr reich verheiratet und mit ihren 55 Jahren immer noch unglaublich attraktiv war, in politischen (und auch privaten) Wirren mit ihren drei Kindern geflohen, schlimme Dinge erlebt, und sich in Berlin dann das lesbisch-schwule Stadtfest angeschaut hatte. (Die Frauen dort haben ihr aber nicht sonderlich gefallen, sie hatte sie als zu unweiblich nicht körperlich/sinnlich genug empfunden.) Und auch sie verstand es nicht, denn trotz einiger heimlicher und schon im Irak ausgelebter Affaire mit Frauen, schien sie dieses „Lesbischsein“ aber als eigenständige Lebensform (ohne Mann und Kinder) nicht wirklich zu kennen.

Sie alle kannten es nicht, diese Identität des Lesbischseins, weil in der arabischen Welt die Uhren noch anders und in einem anderen (Geschichts-)Zeitalter zu ticken scheinen. Die Frau ist dort noch mehrheitlich der häuslichen Sphäre zu geordnet (Kinder, Küche, Kirche), und der Mann bringt dann das Geld heran, macht die Politik und agiert an der Öffentlichkeit. Frauenliebe (und auch die Männerliebe) ist also mehr eine kulturelle alsdann biologische (Tat)Sache, denn je höher entwickelt eine Gesellschaft wird, desto mehr entkoppelt sie sich von der Natur und wird zur Kultur. Und das gilt auch für die zwischenmenschlichen Beziehungen. Denn warum sollten ausgerechnet für alle Ewigkeiten Mann und Frau zusammengehören, etwa weil sie zufällig beide beim Zeugungsakt zusammen sein müssen? Wir kochen ja auch nicht mehr über dem Lagerfeuer, kleiden uns in Felle oder wohnen in dunkel muffigen Höhlen. Also.
Sowie die Frauenliebe aber eng mit der Frauenemanzipation verbunden, so ist die Frauenemanzipation auch unlösbar an die Menschwerdung der Frau gekoppelt. (Weg vom reinen Tierweibchen, das nur für die Nachkommenschaft zuständig ist und hin zum Kulturwesen, dass auch die Zukunft mitgestalten kann.) Und als FrauMensch will sie dann oft lieber ebenfalls einen FrauMenschen als einen MannMenschen an ihrer Seite habe, da FrauMenschen und MannMenschen (trotz oft gegenteiliger Behauptungen) sowohl körperlich als auch emotional seelisch verschieden sind.
Aber dieses wäre natürlich sehr gefährlich weil es die Gesellschaft, so wie sie heute ist, grundlegend verändern würde. Und Männer haben u.a. Angst die Kontrolle/den Besitz über die Frauen und somit über die Kinder(produktion) zu verlieren, da sie selbst biologisch dazu (zum Kinder kriegen) nicht in der Lage sind. Und um die so gefährliche unabhängige Frauenliebe zu unterbinden, wurden daher schon die verschiedensten Abschreckstrategien entwickelt. Von Pathologisierung:

Die Jahre zwischen 1890 und 1910 werden von Historikern mitunter als eine Art Wendepunkt im Bereich der Sexualtheorien betrachtet, von dem aus sich die moderne Auffassung von Homosexualität und Lesbianismus herausbildete. [...] Dabei ergab sich ein neues Wertesystem: man zog nun eine Trennungslinie zwischen normaler/natürlicher Sexualität und abweichender/unnatürlicher Sexualität. Hatten die früheren Unterscheidungen zwischen reproduktivem und nicht-reproduktiverem Sex die Betonung auf den Sexualakt gelegt, beschrieben die Kategorien „normal“ und „abweichend“ nun die Identität des den Akt ausübenden Individuums.[...] Verschiedenen feministische Historikerinnen, unter ihnen auch Smith-Rosenberg, behaupten, die Sexualforscher, insbesondere Havelock Ellis, seien verantwortlich dafür, dass die viktorianische weibliche Welt des 19. Jahrhunderts in die Brüche gegangen sei, weil sie die romantischen Frauenfreundschaften pathologisiert hätten.

(Zitat ebenfalls aus „Vampires & Violets. Frauenliebe und Kino“, Anmerkung zu Kapitel 1.)

Über Vereinnahmung (Lesbenpornos für Männer) bis hin zu der penetranten Heteropropaganda in den heutigen Medien (alle weiblichen Promis werden ständig mit Freund gezeigt) war/ist die Abschreckpalette bunt gefächert und kommt immer wieder in anderen Verkleidungen daher. Aber dennoch halte ich sie, sowohl die Weib-weibliche als auch die Mann-männliche Liebe und Lebensgemeinschaft, für eine kulturelle Weiterentwicklung und somit für die Zukunft.

Nachtrag 1: Ich denke, dass zu der Zeit der Pathologisierung (durch Sexologen) u.a. auch die vermännlichte Lesbe geschaffen wurde, erst als wissenschaftliche Ärztetheorie, dann als Rolle, die von den Frauen in Ermangelungen anderer (Rollen) Alternativen übernommen wurde. Und über das Phänomen der romantischen Frauenfreundschaften im 19. Jahrhundert kannst du HIER nachlesen.

Nachtrag 2: Und ich halte es Übriges auch für keinen Zufall, dass ausgerechnet im alten Griechenland die schwule und auch lesbische Liebe zum ersten Mal in Erscheinung trat und auch benannt wurde. Denn dort war eine Hochkultur und die Wiege unserer westlichen Welt.

Nachtrag 3: Und wer noch mehr auf unserem Blog zum Thema muslimische Frauen und lesbische Liebe lesen will, klicke HIER

Christine Kaufmann im Playboy

Fotos von der Schauspielerin Christine Kaufmann im Playboy von 1999, da war sie 54… auch ein Beispiel für eine Klemmlesbe, Zitat:

Im Übrigen sei sie mehr als einmal in eine Frau verliebt gewesen. Dennoch sei die intensivste erotische Beziehung, die sie je hatte, mit einem Mann gewesen – der im Prinzip homosexuell ist. Obwohl sie nicht lesbisch sei, habe sie oft gedacht; „das wäre so praktisch. Wenn ich so sehe, wie sich eine Frau bewegt. Der Popo oder die Brüste, dann verstehe ich, was Sexualität für Männer ist“, erklärte die Schauspielerin.

Quelle: (Artikel über Christine Kaufmann, Süddeutsche.de, vom 05.04.2007)

dChristina Kaufmann02

dChristina Kaufmann03

dChristina Kaufmann04

dChristina Kaufmann05

dChristina Kaufmann06

Gaydar?!

Unter „Gaydar“ versteht man in (szene-)lesbischen Zusammenhängen gewöhnlich eine lesbische Frau anhand ihrer Kleidung, Frisur, Schmuck usw. zu erkennen. Hat sie den typischen fransigen Kurzhaarschnitt, trägt sie einen Ring am Daumen oder eine kleine Regenbogenfahne an der Tasche als Erkennungsmerkmal – das sind die Dinge auf die (die intuitiv oft nicht sonderlich begabten) Szenelesben besonders achten. Meiner Meinung nach geht es dort aber lediglich darum Mitglieder einer „Szene“ zu identifizieren und hat mit intuitivem/radargleichem „frauenliebende Frauen erkennen“ nicht wirklich viel zu tun.

Mein Gaydar funktioniert da ganz anders. Hier ein paar Beispiele, woran man frauenliebende Frauen erkennen kann:

  • Als erstes kommt immer die Aura/Ausstrahlung einer Frau. Klemmlesben haben lebendigere und seelenvollere Augen als die Durchschnittsfrau. Eine Art Energie strahlt durch sie hindurch (Charisma), sie offenbart eine Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit (das macht ihre Attraktivität aus).
  • Dann das Verhalten: Eine Frau, die sich schon mal mit Frauen eingelassen hat (oder mit dem Gedanken spielt), erwidert z.B. mehrmals den Blick und schaut sich auch die Figur der anderen an (das ist so ein kurzer „Von Kopf bis Fuß Scan-Blick“). Sie kann einem sehr lange und direkt in die Augen schauen, sie ist also mehr Subjekt als andere Frauen (d.h. sie begehrt selbst und will nicht immer nur die Begehrte sein).
  • Sie redet weniger von Männern und zerbricht sich mehr über andere Frauen den Kopf. Sie hat manchmal ein ganzes Netzwerk an Freundinnen, die attraktiv sind (oft attraktiver als sie selbst), so nach dem Motto – trifft man eine Klemmlesbe, dann findet man auch die anderen.
  • Sie ist sehr weiblich und schwärmt z.B. für Sängerinnen, Tänzerinnen und Schauspielerinnen, sie interessiert sich für Mode und betet den weiblichen Körper an.
  • Sie ist völlig in ihre Tochter verliebt, oder sie lebt in einer Symbiosebeziehung mit ihrer Mutter.
  • Sie hat Beziehungen mit (klemm-)schwulen Männern gehabt.
  • Sie hilft manchmal beruflich anderen Frauen und hält die Emanzipation für wichtig. (Ihr gruselt es aber bei den Wörtern „Feminismus“ und „lesbisch“ – da sie diese mit kerligen und unattraktiven Frauen verbindet.)
  • Sie ist Mitglied in irgendwelchen Vereinigungen, wo sie die Möglichkeit hat andere Frauen kennenzulernen , z.B. in der Kirche, im Ballett/Tanzkurs oder im Chor.

Das ist natürlich ein Typ „Frau“ der sehr selten vorkommt und beschreibt auch eher die kultivierteren/gebildeteren Klemmlesben, oft aus der oberen Mittelschicht kommend. An sich sind natürlich sehr viele Frauen frauenliebend, aber es gibt da definitiv Unterschiede. Es gibt Frauen, die einfach stärker begehren als andere. Und Frauen, die nicht so gebildet sind sublimieren weniger ihr Begehren und bekommen den Schritt zur Sexualität mit einer anderen Frau eher mal hin.

Als Regel kann man sagen: je gebildeter eine Frau ist, umso schwieriger ist es für sie Sinnlichkeit mit einer anderen Frau zuzulassen. Da die patriarchale Kultur latent schwul geprägt ist, zielt sie nämlich genau auf das Gegenteil der Frauenliebe ab: Man(n) soll sich möglichst von seiner Abhängigkeit zur Frau/Mutter lösen um ein männliches Kulturwesen werden zu können… (Das ist auch schon ein neues Thema.)

mot_blut-492a0230
tildaisabelle_3-12177d7b

Isabelle Huppert und Tilda Swinton beim Treffen mit den Produzenten Heino Deckert und Kurt Mayer in Cannes 2009

Wem die Verfilmung von/mit Julie Delphy zu kostümfilmhaft flach und genderkonventionell heterozentriert war, dem kann hiermit vielleicht etwas geholfen werden: „Die Blutgräfin, The Bloody Countess“ von Ulrike Ottinger.
(In Planung 2009)

„Mit Ungeduld von ihrer treu ergebenen Zofe Hermine erwartet, steigt Gräfin Erzsébeth Báthory, La Comtesse Sanglante, Tigerin in Menschengestalt, hinauf ans Tageslicht. Eine rasante Schnitzeljagd auf den Spuren der Ahnen führt das Damen-Gespann durch ein schaurig-schönes Wien.
Die Entourage: Ihr Neffe Bubi, ein aus der Art geschlagener, vegetarischer Vampir, sein Therapeut, zwei enthusiastische Vampirologen, Corps-Studenten der schlagenden Verbindung Vampiria, eine Damenkapelle u.v.a. „Wiener Blut“ fließt in Strömen und die Herzen der Habsburger und Wiener schlagen höher. Eine aberwitzige Reise zu den Wurzeln des ungebrochen starken Mythos vom Vampyre Empire! Und schließlich Showdown im Wiener Prater – beim Mitternachtssoupé im Riesenrad.“
Quelle: Homepage der Filmacherin Ulrike Ottinger

Und übrigens hieß die Lieblingsschauspielerin von Ulrike Ottinger „Tabea Blumenschein“, über die in Wikipedia folgendes steht:

In den 1970er- und 80er-Jahren zählte Tabea Blumenschein als Schauspielerin, Regisseurin, Kostümbildnerin, Schriftstellerin und Künstlerin zu den schillerndsten Persönlichkeiten im damaligen Westberlin. Mit dem Film Bildnis einer Trinkerin von Ulrike Ottinger wurde sie zum Kultstar der Szene. Eng befreundet war sie mit der Krimiautorin Patricia Highsmith, dem Schauspieler Udo Kier und der Tänzerin Valeska Gert, mit der sie auch in einem Film von Ulrike Ottinger spielte.
1981 bekam sie das Filmband in Gold verliehen für die Ausstattung in Looping, einem Film von Rolf Bührmann und Walter Bockmayer, mit dem sie sehr gut befreundet ist.Tabea Blumenschein hat Filme, Maske und Kostüme für Ulrike Ottinger, Herbert Achternbusch sowie Walter Bockmeyer gemacht. Sie ist Schauspielerin, Musikerin und hat Mode für Claudia Skoda entworfen.
Von 1982 bis 1984 war sie Mitglied der Musik- und Künstlergruppe Die Tödliche Doris und trat mit dieser in New York, Hamburg, Berlin und Helgoland auf. Für die Band schneiderte sie auch Kostüme. Mitte der 1980er war sie mit ihrer damaligen Freundin Isabell unter der Schlagzeile: „Wir sind lesbisch“ auf dem Titelbild der Illustrierten Stern zu sehen. Nach ihrem auf Super-8 von Christoph Dreher gedrehten Fernsehspiel Zagarbata (eine Koproduktion mit dem ZDF, 1985) wurde es still um die Multikünstlerin. Sie zog sich zunehmend zurück und widmete sich mehr der Malerei.

Und P.S. Es lohnt sich auch sonst mal nach den in dem Wikipedia Artikel genannten Frauennamen zu googeln, denn oft sind sie Klemmlesben gewesen. (So nach dem Motto: Hast du eine Klemmlesbe, sind auch die anderen nicht mehr weit. Stichwort: Freundinnen.) Gilt auch heute noch.

Und wer sich mehr für die „Blutgräfin“ interessiert, kann in folgende Artikeln auf unserem Blog auch noch einiges Interessantes über sie (nach)lesen:

(Bitte auf die links klicken, sind immer die in grüner Schrift gehaltenen Textstellen;-))

Ältere Artikel »